© Geber86 - stock.adobe.com Die langen Wartezeiten auf die Basisausbildung sorgen erneut für Diskussionen. Während die ÖVP-Länder Maßnahmen von der Gesundheitsministerin fordern, sieht die Ärztekammer die Länder selbst in der Pflicht.
In einem gemeinsamen Brief an Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) forderten die Gesundheitslandesräte der ÖVP „Aktivitäten für eine bedarfsgerechte Adaptierung“ der neunmonatigen Basisausbildung für Mediziner:innen. Schumann wird zudem ersucht, von jener Arbeitsgruppe im Bund, die sich bereits jetzt mit der Evaluierung und potenziellen Weiterentwicklung der Basisausbildung nach Studienende befasst, einen Bericht zum „gegenwärtigen Arbeitsfortschritt einzuholen“. Handlungsbedarf sehen sie auch bei der fächerübergreifenden Ausbildung. Diese sei mit der Basisausbildung deutlich eingeschränkt, was die Anrechenbarkeit betrifft.
Im Büro von Oberösterreichs Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) verweist man auch auf regionale Unterschiede bei den Wartezeiten für einen Basisausbildungsplatz: Oberösterreich liegt demnach mit 4,9 Monaten unter dem Österreich-Schnitt (6,3 Monate). Am schnellsten verfügbar sind Plätze in Niederösterreich (4,6 Monate), am längsten warten heißt es in Vorarlberg (8 Monate).
Mit Verwunderung reagierte die Österreichische Ärztekammer auf den Vorstoß. Für die nötigen Verbesserungen der Basisausbildung wären die Absender selbst die richtigen Empfänger, erklärte Vizepräsident Daniel von Langen. Die Länder könnten das Problem selbst lösen, und zwar schon morgen: „Es gibt nämlich keine Beschränkung auf Basisstellen, es müssen nur die Planstellen in den Spitälern eingerichtet werden – das liegt klar in Länderkompetenz.“ Damit sei dieser Brief eigentlich ein „Brief ans Christkind“. Gerade die Ländervertreter:innenwürden seit Jahren bei der Ausbildung von Ärzt:innen auf der Bremse stehen. Seitens der Österreichischen Ärztekammer liege längst ein Lösungsangebot vor, das die Beibehaltung der Basisausbildung als freiwilligen Teil der postpromotionellen Ausbildung vorsieht.
Von Langen bekräftigte die Forderung der Bundeskurie, dass allen Absolvent:innen der öffentlichen Universitäten sofort nach Abschluss ein Basisausbildungsplatz zur Verfügung gestellt werden muss. „Es ist auf vielen Ebenen, vor allem auch volkswirtschaftlich, unsinnig, um viel Steuergeld junge Menschen auszubilden, um sie dann auf Wartelisten zu parken oder ins Ausland zu vertreiben. Wir brauchen uns nicht wundern, wenn diese jungen Ärztinnen und Ärzte Österreich den Rücken kehren“, bestätigte auch Kim Haas, Obmann-Stellvertreterin der Bundeskurie und Obfrau der Bundessektion Turnusärzte.
Handlungsbedarf sieht auch die Opposition. „Es braucht jetzt konkrete Maßnahmen und da kommen die Länder nicht aus ihrer Verantwortung heraus. Diese liegt nicht nur beim Bund, sondern ganz klar auch bei den Ländern und den Spitalsträgern. Sie müssen ausreichend Ausbildungsplätze nicht nur am Papier schaffen, sondern sicherstellen, dass diese auch tatsächlich vorhanden und finanziert sind“, äußerte sich der Grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner. In jüngerer Vergangenheit hat es immer wieder Kritik an der Basisausbildung gegeben. Erst im Vorjahr forderten die Medizinuni-Rektoren eine Neuordnung und erinnerten an das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ), das bereits im letzten Studienjahr des Medizinstudiums ebenfalls eine Einführung in die Praxis bieten soll. (APA/tab)