© Polyfilm Anlässlich des Welt-Autismus-Tags am Donnerstag kritisierten Fachleute lange Wartezeiten, fehlende Angebote und strukturelle Hürden für Betroffene.
Rund ein Prozent der Menschen leben im Autismus-Spektrum – in Österreich rund 87.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Vorurteile gegenüber Menschen im Autismus-Spektrum halten sich hartnäckig. Sie führen zu groben Mängeln bei der Diagnostik und schränken Chancen und Lebensqualität von Autistinnen und Autisten massiv ein“, erklärte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser bei einer Pressekonferenz in Wien. Diagnosestellen seien laut Diakonie überlaufen, Betroffene warten monatelang auf einen Termin, Kinder bis zu zwei Jahre auf einen Therapieplatz. „Die Engpässe setzen sich in der Schule und am Arbeitsmarkt fort. Das muss ein Weckruf sein”, betonte Moser.
Die Diakonie fordert daher eine unabhängige Begutachtungsstelle und die Schulung von Gutachter:innen. Moser kritisierte auch das mangelnde Verständnis, das „zu mangelnder Unterstützung – Stichwort Therapielücken – und struktureller Ausgrenzung im Bildungsbereich und am Arbeitsmarkt“ führe. „Autistische Kinder bekommen oft erst im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr einen Kindergartenplatz oder werden sogar von dieser Pflicht ‘befreit’ und kommen erstmals in der Volksschule mit einer Bildungseinrichtung in Berührung. Dort gibt es dann zu wenig Schulassistenz, die Vergabepraxis von Fördermitteln ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Und immer noch endet das Recht auf Bildung mit der Schulpflicht, der Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf muss endlich kommen.“
Es brauche eine „nationale Strategie für ein autismus-gerechtes Zusammenleben“, sagte Moser. Diese müsse „sicherstellen, dass Wissen über Autismus und eine respektvolle Haltung in Bevölkerung, Institutionen und sozialstaatlichen Systemen ankommt, und einen Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen, die mit einem Zeitrahmen und Zuständigkeiten hinterlegt sind, beinhalten“, so die Diakonie-Direktorin. Vorbilder für eine solche Strategie gibt es der Diakonie zufolge in anderen Ländern wie England, Irland, Frankreich, Spanien, Malta, Polen, Kanada, USA und Australien. (APA/tab)