Die richtigen Fragen stellen

Die Obstipation ist oft das Resultat einer verlangsamten Darmpassage, die unter anderem durch eine ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel, Gasbildung oder Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel (NEM) begünstigt wird. Um einen möglichen Auslöser ausfindig zu machen, können folgende Punkte im Beratungsgespräch abgefragt werden:

  • Nehmen Sie Eisenpräparate ein?
  • Besteht möglicherweise eine Dysbiose der Darmflora (beispielsweise nach Antibiotikatherapie oder aufgrund einer stark zuckerhaltigen Ernährung)?
  • Nehmen Sie ausreichend Ballaststoffe zu sich?
  • Üben Sie regelmäßig körperliche Aktivitäten aus?

Zur Linderung der Beschwerden und nachhaltigen Verbesserung können verschiedene Behandlungsansätze je nach individueller Situation gewählt werden.

Ernährungsumstellung

Die Ernährung gilt als einflussreichster modifizierbarer Faktor für die Zusammensetzung des Mikrobioms. Ballaststoffe (z. B. aus Vollkorngetreide, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten) können die Stuhlfrequenz erhöhen, dienen als Substrat für die mikrobielle Fermentation und fördern das Wachstum nützlicher Bakterien. Dies führt zur Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) wie Butyrat, welche die Darmbarriere stärken und Entzündungen hemmen. Die Empfehlung für die Allgemeinbevölkerung liegt bei 30 g Ballaststoffe pro Tag – ein Wert, der durch die westliche Ernährung meist nicht erfüllt wird. Die Ballaststoffaufnahme kann beispielsweise durch Kleie oder Flohsamen erhöht werden. Bei vorangegangener Antibiotikatherapie können Probiotika (z. B. in Joghurt, Kefir oder fermentiertem Gemüse) helfen, das mikrobielle Gleichgewicht wiederherzustellen. Zusätzlich fördern Polyphenole (in Tee, Kaffee, Beeren, nativem Olivenöl) das Wachstum nützlicher Bakterien und wirken antioxidativ. Zuletzt ist von einem hohen Konsum gesättigter Fette, raffinierten Zuckers, künstlicher Süßstoffe und Emulgatoren abzuraten, da diese Entzündungen begünstigen und die Darmbarriere schädigen können. Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Fischöl oder Leinsamen) unterstützen hingegen eine gesunde Darmflora.

Körperliche Aktivität

Regelmäßige Bewegung ist ein wirkungsvoller Modulator des Mikrobioms. Körperliches Training fördert die bakterielle Diversität im Darm, beschleunigt die Gasbewegung im Magen-Darm-Trakt und verkürzt die Transitzeit im Dickdarm, was direkt gegen Obstipation hilft. Die positiven Effekte von Sport auf das Mikrobiom sind jedoch oft flüchtig, weshalb Kontinuität von hoher Bedeutung ist.

Schlafhygiene

Zwischen Schlaf und Darmgesundheit besteht eine bidirektionale Beziehung. Schlafmangel und Störungen des zirkadianen Rhythmus können die Darmbarriere schädigen und zu einer Dysbiose führen. Andererseits wird eine hohe mikrobielle Diversität mit einer besseren Schlafqualität und -dauer in Verbindung gebracht.

Stressmanagement

Über die Darm-Hirn-Achse wirkt sich auch psychologischer Stress direkt auf die Darmmotilität und das Mikrobiom aus. Zwischen Gehirn und Darm besteht eine bidirektionale Kommunikation über Nervenbahnen (z.B. Vagusnerv), Hormone und Botenstoffe. Stresshormone können die Darmbarriere durchlässiger machen und das Wachstum pathogener Bakterien fördern. Akuter Stress kann zu Durchfall oder erhöhter Motilität führen, während chronischer Stress oft eine verlangsamte Transitzeit und Obstipation begünstigt. Da Stress zudem oft zu ungesunden Lebensmittelentscheidungen („Comfort Food“) führt, hilft die Stressbewältigung zusätzlich indirekt dabei, eine darmgesunde Ernährung beizubehalten.

Chronische Obstipation

Nach Leitlinien liegt eine chronische Obstipation vor, wenn die beschriebenen Symptome seit mindestens 3 Monaten bestehen und ihr Beginn mindestens 6 Monate vor der Diagnose zurückliegt. Zu den Kernsymptomen zählen:

  • harter oder klumpiger Stuhl
  • starkes Pressen beim Stuhlentleeren
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung sowie
  • weniger als 3 spontane Stuhlgänge pro Woche.

Leitlinienkonforme Empfehlungen

Einige der oben genannten allgemeinen Empfehlungen zum Therapiemanagement werden in der aktuell gültigen S2k-Leitlinie chronische Obstipation ebenfalls genannt:

  • eine tägliche Trinkmenge von 1,5–2 Liter
  • regelmäßige körperliche Aktivität
  • keine regelmäßige Unterdrückung des Stuhldranges
  • ballaststoffreiche Ernährung (30 g pro Tag)
  • bei geriatrischen Patient:innen: Berücksichtigung der individuellen Toleranz natürlicher Ballaststoffe und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme

Medikamentöse Therapie

Die Therapie der chronischen Obstipation erfolgt nach dem Stufenschema. Wer durch die Basismaßnahmen keine Besserung erzielt, soll eine Therapie mit Laxanzien erhalten. Als Arzneimittel der ersten Wahl bei chronischer Obstipation nennt die Leitlinie Macrogol, Natriumpicosulfat und Bisacodyl, aber auch Anthrachinone sowie Zucker und Zuckeralkohole (Laktulose, Laktitol, Sorbit und Laktose bei Überschreiten der Digestionskapazität) können erwogen werden. Bei unbefriedigender Wirkung oder schlechter Verträglichkeit soll auf eine andere Wirkklasse gewechselt werden.

Vorsicht: Hämorrhoiden

Die mechanische Belastung beim starken Pressen von hartem Stuhl erhöht den intraabdominellen Druck. Dieser Druck beeinträchtigt den Blutfluss in den Gefäßen des Analbereichs, was zu Schwellungen, Entzündungen und Blutungen der Hämorrhoidalpolster führen kann. Obstipation ist zudem ein starker Risikofaktor für rezidivierende Hämorrhoidalleiden. Da der Zusammenhang so stark ist, gelten die Erhöhung der Ballaststoffaufnahme und die Verbesserung der Defäkationsgewohnheiten als erste therapeutische Schritte, um die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.