© feelimage/Matern Ein flächendeckendes, stufenweises Früherkennungsprogramm mit PSA-Tests, MR-Untersuchung und Biopsie soll künftig mehr Treffsicherheit bringen.
In Österreich soll bald ein organisiertes, strukturiertes Screening zur Früherkennung von Prostatakarzinomen starten. Unter Federführung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie (ÖGU) und des Berufsverbands der Urologen Österreichs (BVU) wurde dazu ein nationales Konsensusstatement erarbeitet. Das Dokument wird bis Anfang Juli 2026 finalisiert, die öffentliche Kommunikation soll im Sommer folgen.
Damit soll das bisher übliche opportunistische Prostatakarzinom-Screening abgelöst werden. Expert:innen kritisierten die ungleiche soziale Verteilung: Je gebildeter Männer sind und je höher ihr Einkommen ist, desto eher kommen sie zur Früherkennungsuntersuchung. Das geplante Programm sieht nun Einladungen für alle Männer zwischen 50 und 70 Jahren vor. Nach PSA-Tests durch Allgemeinmediziner:innen, Urolog:innen oder Internist:innen sollen auffällige Befunde stufenweise abgeklärt werden. Von 1.000 Teilnehmern dürften Schätzungen zufolge rund 100 bis 160 Männer verdächtige PSA-Werte aufweisen. Nach Wiederholung des Tests dürften 30 bis 75 Untersuchte eine zusätzlich MR-Bildgebung erhalten, letztlich wären nur noch 10 bis 30 Biopsien nötig. Bei neun bis 22 Männern dürfte schließlich ein Karzinom vorliegen.
Die erhöhte Genauigkeit sollte das Programm effizienter und kostengünstiger machen. „Damit kommen wir auf mehr als 50 Prozent weniger PSA-Tests, mehr als 25 Prozent weniger MR-Untersuchungen und auf mehr als 30 Prozent weniger Biopsien als mit einem unregulierten System. Gleichzeitig werden klinisch relevante Prostatakarzinome besser erkannt“, erklärte der Leiter der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien/AKH, Shahrokh Shariat, bei einer Pressekonferenz der Praevenire-Gesundheitsinitiative. In Irland beispielsweise habe man durch ein ähnliches Screening allein die Zahl der PSA-Tests von 500.000 pro Jahr auf rund 200.000 senken können.
Mit der Einführung der PSA-Tests in den 1990er-Jahren konnte zwar die Sterblichkeit um mehr als 50 Prozent reduziert werden, gleichzeitig kam es jedoch zu Überdiagnosen und Übertherapien. So wären bis zu 30 Prozent der entdeckten Prostatakarzinome nie klinisch relevant geworden. Die Folgen seien unnötige Eingriffe und Nebenwirkungen wie Inkontinenz, erektile Dysfunktion und Angst, wie Shariat erklärte.
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass eine vorgeschaltete MRT die Treffsicherheit deutlich erhöht. So analysierte eine internationale Studie unter der Leitung der MedUni Wien Daten aus zwölf wissenschaftlichen Untersuchungen mit mehr als 80.000 Männern. Die Forschenden verglichen die Genauigkeit der herkömmlichen Screening-Untersuchungen mit PSA-Test und dann Biopsie mit einer anfänglichen MR-Untersuchung. Dabei zeigte sich mit MR-Bildgebung eine um mehr als das Vierfache erhöhte Trefferquote. Gleichzeitig reduzierte sich die Häufigkeit einer Biopsie um 72 Prozent, nicht wirklich bedeutsame Prostatakarzinome wurden um zwei Drittel weniger häufig diagnostiziert. (APA/tab)