Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit einer besonders hohen Inzidenz osteoporotischer Frakturen. Pro Jahr erleiden im Alter 50+ rund 93.000 Frauen und Männer einen Knochenbruch durch Osteoporose. Mit zunehmender Alterung der Bevölkerung wird daher ein weiterer Anstieg der Fallzahlen erwartet.
Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine verminderte Knochenmasse und eine gestörte Mikroarchitektur des Knochens gekennzeichnet ist. Dadurch steigen die Fragilität des Skeletts und das Risiko für Frakturen deutlich an.
Besonders häufig betroffen sind Wirbelsäule, proximales Femur, distaler Unterarm und proximaler Humerus, aber auch das Schambein (Abb.). Diese sogenannten „major osteoporotic fractures“ sind mit erheblicher Morbidität, eingeschränkter Mobilität und erhöhter Mortalität verbunden.
Die Diagnose einer Osteoporose erfolgt klassischerweise durch eine DXA-Knochendichtemessung. Ein T-Score ≤ –2,5 definiert dabei die Erkrankung nach WHO-Kriterien. Für die Therapieentscheidung (!) ist jedoch nicht allein die Knochendichte wichtig. Das individuelle Frakturrisiko ergibt sich aus einer Kombination von Knochendichte und klinischen Risikofaktoren. Dazu zählen unter anderem:
Diese Faktoren beeinflussen das Frakturrisiko teilweise unabhängig von der Knochendichte.
In der Praxis wird daher der FRAX®-Algorithmus eingesetzt, der altersadaptiert die 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit für osteoporotische Frakturen berechnet und eine risikoadaptierte Therapieentscheidung unterstützt.
Die Osteoporosetherapie basiert auf einem mehrstufigen Konzept aus Lebensstilmaßnahmen und medikamentöser Behandlung.
Basismaßnahmen. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Protein bildet die Grundlage jeder Therapie. Empfohlen werden etwa:
Darüber hinaus spielen regelmäßige Bewegung, Krafttraining und Gleichgewichtstraining eine wichtige Rolle, da sie sowohl die Knochenstabilität als auch die Muskelkraft verbessern und damit das Sturzrisiko reduzieren können.
Medikamentöse Therapie. Die Wahl der medikamentösen Therapie orientiert sich am individuellen Frakturrisiko.
Zum Einsatz kommen vor allem antiresorptive Substanzen wie Bisphosphonate, Raloxifen, menopausale Hormontherapie in der frühen postmenopausalen Phase oder Denosumab, die den Knochenabbau hemmen. Bei sehr hohem Frakturrisiko können auch osteoanabole Therapien eingesetzt werden, die gezielt den Knochenaufbau stimulieren.
Ein besonders kritischer Zeitraum ist die Phase nach einer bereits erlittenen Fragilitätsfraktur: In dieser Zeit ist das Risiko für weitere Frakturen deutlich erhöht. Dieses sogenannte imminente Frakturrisiko macht eine rasche Diagnostik und Therapieeinleitung besonders wichtig.