Die Entstehung der BV wird von vielzähligen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen mikrobielle Biofilmbildung, erhöhter vaginaler pH-Wert, sexuelle Aktivität, Rauchen, chronischer Stress, Verwendung von Intrauterinpessaren sowie hormonelle Einflüsse durch Menstruationszyklus und Schwangerschaft.1–3 Auf mikrobiologischer Ebene ist die BV durch den Verlust der normalen Lactobacillus-Dominanz im vaginalen Mikrobiom gekennzeichnet. An deren Stelle tritt eine polymikrobielle Flora aus Anaerobiern wie Gardnerella vaginalis, Prevotella- und Mobiluncus-Spezies, die den vaginalen pH-Wert von normalerweise unter 4,5 auf Werte über 4,5 ansteigen lassen.1–4 Dieses veränderte Milieu begünstigt wiederum die weitere Ansiedlung pathogener Keime und die Ausbildung eines stabilen Biofilms auf dem Vaginalepithel, der die Therapie erheblich erschwert.4 Aufgrund der Vielzahl von Triggern und der komplexen Pathophysiologie ist die BV bei Frauen im gebärfähigen Alter eine der häufigsten Vaginalerkrankungen.1
Die BV verläuft in bis zu 50 % der Fälle asymptomatisch und wird häufig zufällig entdeckt.4 Wenn Beschwerden auftreten, äußern sie sich typischerweise durch einen dünnflüssigen, grau-weißlichen Ausfluss und einen charakteristischen fischartigen Geruch, der sich nach dem Geschlechtsverkehr oder während der Menstruation verstärken kann. Juckreiz oder Brennen sind weniger typisch.5 Da die Symptome unspezifisch sein können, ist eine ärztliche Diagnose empfehlenswert.
Eine unbehandelte BV kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, da sie das Risiko für aufsteigende Infektionen des Genitaltraktes deutlich erhöht. Zu den häufigsten gynäkologischen Komplikationen zählen beckenbezogene Entzündungen, Gebärmutterschleimhautentzündungen, Entzündungen der Eileiter sowie Tuboovarialabszesse mit langfristigen Folgen wie erhöhtem Risiko für Unfruchtbarkeit, chronische Beckenschmerzen oder Eileiterschwangerschaften.1,4 Besonders schwerwiegend sind die Folgen während der Schwangerschaft. In dieser Zeit steigert eine BV das Risiko für Frühgeburten, späte Fehlgeburten, vorzeitigen Blasensprung und Fruchtwasserinfektionen signifikant. Darüber hinaus erhöht eine BV die Anfälligkeit für sexuell übertragbare Infektionen.5,6 Nicht zuletzt beeinträchtigen chronische oder wiederkehrende Verläufe häufig auch das psychische Wohlbefinden, das Sexualleben und die allgemeine Lebensqualität der Betroffenen erheblich.4
Antibiotika wie Metronidazol oder Clindamycin lindern die Symptome meist kurzfristig, die eingangs genannten hohen Rückfallraten verdeutlichen jedoch deren Grenzen. Ursachen dafür sind das Überleben von Pathogenen in einem polymikrobiellen Biofilm auf dem Vaginalepithel1, Antibiotikaresistenz und -toleranz2,4 sowie die Möglichkeit einer Reinfektion durch den/die Sexualpartner:in, denn ohne Mitbehandlung besteht ein zwei- bis dreifach erhöhtes Rückfallrisiko.4,6 Ein weiterer zentraler Faktor ist die fehlende Wiederbesiedlung durch Laktobazillen nach der Antibiotikagabe.1
Die Verwendung von Probiotika mit Laktobazillen zur Rezidivprophylaxe wird derzeit intensiv untersucht, die Ergebnisse sind jedoch heterogen. Die Wirksamkeit scheint stark vom eingesetzten Bakterienstamm und von dessen Fähigkeit abzuhängen, sich dauerhaft gegen den verbleibenden Biofilm durchzusetzen.1 2 spezifische Stämme haben sich als besonders vielversprechend erwiesen. Lactobacillus crispatus CTV-05 führte in einer klinischen Studie mit 228 Frauen nach initialer Antibiotikabehandlung zu einer signifikant niedrigeren Rückfallrate nach 3 Monaten im Vergleich zur Placebogruppe. Für L. reuteri RC-14 wurde spezifisch nachgewiesen, dass er Dichte, Tiefe und Fläche von etablierten Gardnerella-vaginalis-Biofilmen reduzieren kann, was ein entscheidender Faktor für die langfristige Heilung ist.3