Von Tendinopathie bis Osteoarthritis

Chronische Entzündungen gelten als gemeinsame Grundlage zahlreicher Erkrankungen – von Herz-Kreislauf-Beschwerden über metabolische Störungen bis hin zu degenerativen Gelenk- und Sehnenleiden. Konventionelle Therapien wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Kortikosteroide sind bei Langzeitanwendung mit Nebenwirkungen verbunden. Die systemische Enzymtherapie (SET) bietet hier einen anderen Ansatz. Enzyme wie Bromelain und Trypsin greifen gezielt in entzündliche Signalwege ein und modulieren chronische Entzündungsprozesse bei gleichzeitig guter Verträglichkeit sowie Sicherheit in der Langzeitanwendung.

Multi-Target-Ansatz

Bromelain und Trypsin wirken nicht über einen einzelnen Mechanismus, sondern greifen gleichzeitig in mehrere Signalkaskaden ein, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Zentraler Angriffspunkt ist der Transkriptionsfaktor NF-ϰB, der als einer der Hauptregulatoren der Entzündungsreaktion gilt und die Expression von über 500 Genen steuert, die an Entzündung, Gewebeabbau und Zelltod beteiligt sind. Durch dessen Inaktivierung senkt die SET proinflammatorische Zytokine wie TNF-α, IL-1β und IL-6 sowie gewebeschädigende Enzyme wie COX-2 und Matrix-Metalloproteinasen (MMPs). Weitere Entzündungsprozesse, darunter p38/MAPK, JAK/STAT3 und PI3K/Akt, werden ebenfalls moduliert. Darüber hinaus reduzieren die Enzyme reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und stärken antioxidative Schutzmechanismen, was den entzündungsbedingten Gewebestress verringert.1 Ihre antiödematösen und fibrinolytischen Eigenschaften fördern den Abbau von Fibrinablagerungen und verbessern die Mikrozirkulation im betroffenen Gewebe.2 Bei chronischen Sehnen- und Gelenkerkrankungen fördern sie zusätzlich die Kollagensynthese und unterstützen die Geweberegeneration.1

Bromelain bei chronischen Entzündungen

Bromelain ist eine Cysteinprotease aus dem Ananas-Stamm (Ananas comosus) und der am besten erforschte Wirkstoff der SET. Eine Metaanalyse aus 54 Studien zeigt, dass orales Bromelain Schmerzen signifikant, wenn auch moderat, reduziert – bei einem insgesamt günstigen Sicherheitsprofil mit milden gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Blähungen und Übelkeit.3 Besonders gut untersucht sind dabei Tendinitis und Osteoarthritis, die im Folgenden näher beleuchtet werden.

Tendinopathie

Bei Sehnenentzündungen bietet die SET einen mechanistisch gut begründeten Ansatz. Bromelain stimuliert die Vermehrung von Tenoblasten und fördert gemeinsam mit Kurkumin die Kollagenproduktion sowie die biomechanischen Eigenschaften der Sehnen. Die antiödematösen und fibrinolytischen Eigenschaften verbessern zusätzlich die Durchblutung im entzündeten Bereich. In der Praxis berichten Patient:innen von Schmerzreduktion, verbesserter Gelenkfunktion und einem geringeren Bedarf an NSAR.1

Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises

Arthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen und betrifft besonders häufig Knie und Hüften. Die derzeitige Standardtherapie ist die Schmerzbehandlung mittels NSAR. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie Gastritis oder nephro-, hepato- und kardiotoxischer Wirkungen müssen diese jedoch niedrig dosiert und möglichst kurz eingenommen werden – ein Nachteil für die Behandlung chronischer Erkrankungen. Eine Übersichtsarbeit hat die Evidenz zur Wirksamkeit oraler Enzymkombinationen mit Bromelain, Trypsin und Rutin mit NSAR verglichen. Die 9 behandelten randomisierten, kontrollierten Studien waren zwar klein, deuteten jedoch auf eine vergleichbare Wirksamkeit von SET und NSAR hin.4 Diese Ergebnisse bestätigten die durchgeführte gepoolte Reanalyse randomisierter, doppelblinder Studien bei Kniearthrose mit einem deutlich besseren Verträglichkeitsprofil, weniger Studienabbrüchen und günstigeren Laborwertveränderungen bei SET gegenüber NSAR.2

Fazit

Die SET zeigt in den vorliegenden Studien ein vielversprechendes Wirkprofil mit guter Verträglichkeit, breitem Anwendungsspektrum und einem günstigeren Nebenwirkungsprofil im Vergleich zu NSAR. Für Patient:innen mit chronischen Entzündungen – insbesondere bei Unverträglichkeit oder Vorliegen von Risikofaktoren für die Langzeiteinnahme der konventionellen Therapien – stellt sie eine empfehlenswerte Option dar. Die vorliegende Studienlage unterstützt den Einsatz der SET als risikoarme Ergänzung oder Alternative im Therapiekonzept.