Neue Erkenntnisse zum Darmmikrobiom

© Bernhard Jandl

Forscher:innen unter der Leitung der Uni Wien haben neue Erkenntnisse zum Darmmikrobiom erlangt, die bei einigen Krankheiten die Diagnostik und die Therapie verbessern könnten. 

Typ-2-Diabetes, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Darmkrebs zählen zu den Erkrankungen, bei denen sich durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Darmmikrobiom künftig die Diagnostik und die Therapie verbessern könnten. Erlangt wurden die Erkenntnisse von einem Team an Forscher:innen, das unter der Leitung der Universität Wien bakterielle Isolate aus dem menschlichen Darm analysierte sowie Metagenomdaten von Menschen aus verschiedenen Ländern, Alters- und Gesundheitsgruppen überprüfte. Dies mithilfe eines neu entwickelten bioinformatischen Verfahrens nach dem Ansatz „Reverse Ökologie“, das aus Genomdaten auf ökologische Anpassungen schließt, und anders als andere Methoden innerhalb der Bakterienarten verschiedene Populationen erkennbar machen kann. 

„Selbst innerhalb derselben Bakterienart kommen manche Populationen bei bestimmten Erkrankungen häufiger vor als andere“, sagt Studienerstautorin Xiaoqian Annie Yu vom Centre for Microbiology and Environmental Systems Science (CeMESS) der Universität Wien. Dadurch, dass künftig gezielt Populationen erfasst werden könnten, könnte erkannt werden, welche Bakterien mit Erkrankungen in Zusammenhang stehen, welche Begleiterscheinungen sind, und welche schützen. Es könnte sich die Suche nach Biomarkern für die Diagnostik verbessern, und langfristig könnten durch die Förderung nützlicher oder die Verdrängung problematischer Bakterienlinien auch präzisere und bessere Therapien möglich werden. 

Die Forscher:innen fanden auch heraus, dass sich Populationen von Darmbakterien binnen weniger Jahrzehnte über Kontinente hinweg verbreiten können, ähnlich wie Krankheitserreger. „Darmbakterien sind dynamischer als lange angenommen“, sagt Studienleiter Martin F. Polz von der Uni Wien. Das deute wiederum darauf hin, dass nicht nur die Ernährung, Medikamente oder der Lebensstil das Mikrobiom formen, sondern auch Übertragungsprozesse zwischen Menschen. (sst)