Langes Warten auf Ausbildungsplätze 

v.l. Kim Haas, Johannes Steinhart, Daniel von Langen, Anant Thind © ÖÄK/Stefan Seelig

Bis zu zwei Jahre müssen Jungmediziner:innen derzeit auf einen Platz für die Basisausbildung warten. Die ÖÄK fordert Verbesserungen. 

Er sei in einem Jahr mit seinem Medizinstudium fertig, sagt der zweite stellvertretende Vorsitzende ÖH Med Wien Anant Thind. Dann heiße es für ihn, sich um einen Platz für die Basisausbildung im Spital zu kümmern. „Sollte ich den Ausbildungsplatz erst nach langer Wartezeit bekommen, würde ich nach Deutschland oder in die Schweiz gehen“, hat er bereits entschieden. Das würden aktuell viele Absolvent:innen des Medizinstudiums tun, da sie hierzulande bis zu zwei Jahre lang auf einen Platz für die Basisausbildung warten müssten.

Schon jetzt sind österreichweit rund 300 Stellen für Kassenärzt:innen unbesetzt, 1300 zusätzliche Kassenstellen bräuchte es, und auch in den Spitälern herrscht Ärzteknappheit. In Anbetracht dessen, dass sich der Ärztemangel im Zuge der Pensionierungswelle unter den Babyboomern in den nächsten Jahren noch verschärfen wird, und über den Mangel an Ausbildungsplätzen Jungmediziner:innen den Fehlanreiz bekommen, auszuwandern, fordert nun die ÖsterreichischeÄrztekammer (ÖÄK) Verbesserungen. Dies in Form „einer raschen Entscheidung für ein Investment in mehr Ausbildungsplätze“, wie ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart sagt. Komme dieses Investment „egal aus welchem Topf“ nicht rechtzeitig, drohe, „dass noch mehr Jungmediziner:innen ins Ausland gehen“, betont der ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) Daniel von Langen. Bleibe das „Loch“ in der Ausbildung bestehen, werde man in ein paar Jahren die Gesundheitsversorgung nicht mehr aufrechterhalten können, warnt die Obmann-Stellvertreterin der BKAÄ und ÖÄK-Turnusärztevertreterin Kim Haas.

„Die Bundespolitik muss rasch sicherstellen, dass die Jungen unmittelbar nach dem Studium einen Ausbildungsplatz bekommen“, heißt es auch seitens der Ärztekammer für Oberösterreich. Dort weist Präsident Peter Niedermoser darauf hin, dass es allein in der Kompetenz der Spitalsträger liege, genug Plätze für die Basisausbildung zu schaffen. „Jedes Haus kann so viele Basisärzt:innen aufnehmen, wie es will, und es gibt keine strukturellen Voraussetzungen.“ (sst/APA)