© ZIHE - stock.adobe.com Das Kassenminus fällt 2025 doch niedriger aus, als prognostiziert. Die Kassenchefs liefern sich deshalb eine Social-Media-Debatte, wem die Reduktion tatsächlich zu verdanken ist.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) konnte ihren Abgang 2025 stärker reduzieren als prognostiziert. Das nun vorliegende Endergebnis zeigt statt minus 906 Millionen Euro, wie im Februar 2025 vorausgesagt ein Defizit von 156,3 Millionen Euro. Besser als erwartet fällt auch die Bilanz der anderen beiden gesetzlichen Krankenversicherungsträger aus. Bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) steht im Endergebnis 2025 ein Verlust von 100 Millionen Euro (Februarprognose 2026: 127,4 Millionen). Die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS), die als einzige Kasse positiv bilanziert, verzeichnet einen Gewinn von 75,9 Millionen Euro und schließt damit ebenfalls leicht besser ab, als noch vor drei Monaten erwartet (70,2 Millionen). Insgesamt liegt das Defizit der Krankenkassen bei 180,4 Millionen Euro.
Auch die Prognose bis 2027 hat sich verbessert. Die aktuelle ÖGK-Gebarungsprognose für die kommenden beiden Jahre sieht nun Minus 217,8 Millionen Euro für 2026 und Minus 398,8 Millionen Euro für 2027 vor (in der Februar-Prognose waren es noch -431 Millionen bzw. -687 Millionen Euro). Auch die Prognose der BVAEB hat sich leicht verbessert. So geht sie nun für das laufende Jahr sowie für 2027 jeweils von einem Verlust von 102,7 Millionen Euro aus (Februar: 2026: 124 bzw. 2027: 117 Millionen). Die SVS-Prognose ist dagegen nun etwas weniger optimistisch. Für das laufende Jahr werden 115,6 Millionen Euro Gewinn (Februar: 124 Millionen) erwartet, 2027 sind es 77 Millionen (91 Millionen).
„2025 zeigt, dass unsere Maßnahmen zu wirken beginnen“, sagte ÖGK-Obmann Peter McDonald am Wochenende, der als Arbeitgebervertreter im aktuellen Halbjahr an der ÖGK-Spitze steht. Gelungen sei dies durch eine Kraftanstrengung der Selbstverwaltung gemeinsam mit der Bundesregierung, bei der man eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionist:innen erreicht habe. Die gelungene Reduktion des Abgangs führt McDonald vor allem auf die 2025 gestartete Konsolidierung zurück. Neben 300 gestrichenen Dienstposten und der gestarteten Reduktion der Verwaltungsflächen um zehn Prozent erinnerte er an eine Gehaltserhöhung „merklich unter der Inflation“ für die Kassenmitarbeiter:innen. 98 Prozent der ÖGK-Ausgaben gingen aber in die mit den Vertragspartnern ausverhandelten Leistungen, und hier habe man etwa höhere Rabatte im Medikamentenbereich und maßvollere Abschlüsse mit den Ärzt:innen erreicht. Zusätzlich habe man darauf geachtet, nicht notwendige Leistungen zu reduzieren, betonte McDonald. Das betreffe Krankentransporte mit sozial gestaffelten Eigenbeiträgen, was zu fünf Prozent geringeren Frequenzen geführt habe. Auch die zu hohe Anzahl von Medikamentenverordnungen habe man mit den Ärzt:innen besprochen. Auf Social Media schreibt McDonald: „Es ist weniger einem Wunder geschuldet als dem Umstand, dass wir als Selbstverwaltung maßvolle, aber wirksame Beschlüsse gefasst haben, wo nicht nur die Verwaltung, sondern viele andere einen Beitrag geleistet haben.“
ÖGK-Arbeitnehmerobmann Andreas Huss kontert auf Facebook: „Es sind im Wesentlichen die Maßnahmen der Bundesregierung, die das bessere Ergebnis der ÖGK verursacht haben. Durch die Erhöhung der KV-Beiträge der Pensionist:innen wurden zusätzlich rund 500 Millionen Euro an Beiträgen eingenommen. Zusätzlich kamen rund 450 Millionen Euro vom Bund dazu, die nun in einem Gesundheitsreformfonds dafür sorgen, dass wir die Versorgung weiterhin ausbauen können. Etwa mit 300 PVE bis 2030, Frauengesundheitszentren, psychosozialen Versorgungszentren, Kinder-PVE usw. Die ÖGK-internen Maßnahmen haben auch ihren Beitrag geliefert, aber nur im geringeren Ausmaß von rund 40 Millionen Euro. Im Wesentlichen müssen wir uns also schon bei den Pensionist:innen bedanken.“
Für die Grünen sind die Zahlen kein Grund zur Entwarnung. „Denn die eigentlichen Probleme unseres Gesundheitssystems bleiben bestehen“, kritisierte der Grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner in einer Stellungnahme. Nötig seien „mutige Strukturreformen“, forderte er. Statt teurer Parallelstrukturen und Kompetenzwirrwarr brauche es ein modernes Gesundheitssystem aus einem Guss: „mit klaren Zuständigkeiten, einer starken Primärversorgung und einer Planung, die sich am Bedarf der Patient:innen orientiert, statt an institutionellen Besitzständen“. Kritik kam auch vom SPÖ-nahen Pensionistenverband. „Es waren die Pensionistinnen und Pensionisten, die mit ihren Beiträgen die ÖGK vor dem finanziellen Kollaps bewahrt haben – nicht die von McDonald gepriesenen Verwaltungsmaßnahmen“, ärgerte sich Pensionistenverband-Präsidentin Birgit Gerstorfer in einer Aussendung. Gleichzeitig seien die Leistungen massiv gekürzt worden. (rüm/APA)