© Stefan Selig Beim Future Talk der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien ging es um verbindliche Gleichstellung, flexiblere Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit von Frauennetzwerken.
Bei ihrem bereits vierten „Future Talk“ rückte die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien einmal mehr ein hochbrisantes und gesellschaftlich bedeutendes Thema in den Mittelpunkt: die Stellung der Frau in der Medizin. Obwohl die Hälfte der Ärzteschaft weiblich ist, werden nur 30 Prozent der Professuren in Österreich von Frauen besetzt, bei den Primariaten liegt der Anteil sogar nur bei 18 Prozent. Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien sieht „noch viel Handlungsbedarf.“
In der Podiumsdiskussion berichtete Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzt:innen der Kammer, von ihren Erfahrungen in der Niederlassung: „Als ich meine Ordination gegründet habe, war mein jüngster Sohn ein Jahr alt. Ich konnte das nur machen, weil ich ein starkes Netzwerk hatte. Sowohl mein Mann als auch die Großeltern haben sich gemeinsam mit mir um die Kinder gekümmert.“ Vormittagsordinationen wären eine einfache Möglichkeit, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern und rasch Ärztinnen ins Kassensystem zu bringen. Kamaleyan-Schmied verwies außerdem auf die Notwendigkeit Frauen sichtbar zu machen: „Das beginnt bei der Sprache – denn Sprache schafft Realität. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Kammer in „Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien“ umbenannt haben.“
Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzt:innen der Kammer, ist überzeugt, dass Männer Teil des Kulturwandels sein müssen und auch den Mut aufbringen müssen einzugreifen, wenn sie Diskriminierung oder Herabwürdigungen beobachten. „Ich glaube, dass eine verbindliche Gleichstellung wichtig ist. Aber solche Maßnahmen dürfen nicht nur am Papier stehen, deren Einhaltung muss auch überprüft werden.“
Auch Birgit Kofler, Kommunikationsexpertin und Autorin des Buches „Ärzt:innen, die Geschichte schrieben“ bestätigte: „Die wirklich großen Veränderungen sind nach gesetzlichen Veränderungen passiert. Also immer dann, wenn etwas auch festgeschrieben wurde.“ In der Diskussion erinnerte sich Elisabeth Förster-Waldl, Professorin an der Medizinischen Universität Wien, an ihre Zeit als Assistenzärztin: „Frauen, die es in eine Leitungsposition geschafft haben, waren fast immer Einzelkämpferinnen.“ Das Referat für Frauenpolitik, Gender und Diversity in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien habe deshalb das Frauennetzwerk „Ärztinnen:connect“ gegründet, sagte Co-Referentin Nina Böck. „Wir Frauen müssen anfangen uns gegenseitig zu pushen, so wie es Männer seit Jahrhunderten machen.“ Die Netzwerktreffen stoßen auf sehr großen Anklang. „Wir haben jedes Mal 100 Anmeldungen und 50 Personen auf der Warteliste.“ (red)