Primarärzt:innen: Ein Berufsbild unter Druck

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Zu viel Bürokratie, wenig Entscheidungsfreiheit und oft die Rolle als Personalreserve: Eine Primarärztebefragung der Ärztekammer zeigt, warum Führungspositionen im Spital an Attraktivität verlieren.

Die öffentliche Wahrnehmung von Primarärzt:innen – als Beruf mit viel Freizeit und wenig medizinischer Handlungsnotwendigkeit – entspricht vielfach nicht der Realität. Das zeigt die jüngste Primarärzteumfrage der Bundeskurie angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), an der sich 1.690 Primarärzt:innen beteiligten (Rücklauf: 50,8 %). Demnach entfallen 31 % der Arbeitszeit auf ärztliche Führung und Management sowie 18 % auf Administration und Dokumentation. Für die Patientenbetreuung bleiben 29 %, für Ausbildung und Lehre lediglich 15 %. Zudem leisten 11 % der Befragten ≥ 4 eingeplante Nachtdienste pro Monat und 26 % ebenso viele Ruf- oder Bereitschaftsdienste.

Primarärzt:innen sind heute Führungskräfte, Spitzenmediziner:innen und Manager:innen zugleich. Darüber hinaus tragen sie Verantwortung für Ausbildung, Motivation und Karriereentwicklung ihrer Mitarbeiter:innen. Bei Personalengpässen müssen sie häufig als Personalreserve einspringen. Daniel von Langen, Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte der ÖÄK, fordert daher eine realistische Personalbedarfsplanung und spricht sich gegen Doppel- und Mehrfachprimariate aus. „Ökonomische Weitsicht ist okay, aber es darf kein ‚Sparen um jeden Preis‘ auf dem Rücken von den ärztlichen Mitarbeiter:innen geben, die sich überhaupt noch dazu entscheiden können, im solidarischen Gesundheitssystem arbeiten zu wollen. Weil so werden wir auch diese vertreiben – und künftig nicht nur bei der Besetzung von Primariaten Probleme bekommen“, betont von Langen.

Trotz aller Herausforderungen und Hürden bleibt der Primararztberuf für Alexandra Kautzky-Willer (MedUni Wien/AKH Wien) erstrebenswert. „Ich bin gerne Primaria an der Universitätsklinik, ich liebe meinen Job und wollte in meiner Karriere genau dorthin“, sagt Kautzky-Willer. Frauen sind in Primariaten nach wie vor deutlich unterrepräsentiert – nur rund 10 % der Leitungsfunktionen sind weiblich besetzt. Verbesserungsbedarf sieht sie v. a. bei Bürokratie, fehlendem Unterstützungspersonal, veralteten digitalen Strukturen und begrenzten Entscheidungsspielräumen. Zudem fordert sie mehr Zeit für Patientenversorgung, Ausbildung und Lehre sowie eine stärkere Förderung von Frauen in medizinischen Führungspositionen.

Vor allem in kleineren Spitälern werden Primarärzt:innen bei Personalmangel regelmäßig in den Dienstbetrieb eingebunden, obwohl ihre eigentliche die Leitung ihrer Abteilung ist. „55 Wochenstunden sind für einen Primararzt nach wie vor Standard, jeder Vierte wird öfter als vier Mal im Monat außerhalb der normalen Dienstzeit gerufen“, sagt Rudolf Knapp, Primarärztevertreter der ÖÄK und bis vor kurzem Abteilungsleiter für Radiologie am BKH Kufstein. Eine der wichtigsten Aufgaben von Primarärzt:innen ist die Ausbildung der nächsten Ärzte-Generation. Dafür brauche es ausreichend Zeit für individuelle Betreuung, Wissensvermittlung und Teaching-Fortbildungen – Zeit, die durch die hohe administrative Belastung oft fehle, so Knapp. (eri)