Mag.a Dr.in Monika Hackl
Statistik Austria
Leber- und Pankreaskarzinome weisen im Vergleich zu anderen Tumorlokalisationen die niedrigsten Fünf-Jahres-Überlebensraten auf. Dennoch ist in den vergangenen Jahrzehnten sowohl beim Leber- als auch beim Pankreaskarzinom eine Verbesserung der Überlebenszeit zu beobachten.
Zur Einordnung der Überlebensdaten wird häufig die relative Überlebensrate herangezogen. Diese berücksichtigt, dass bei Krebspatient:innen nur ein Teil der Sterbefälle auf die Tumorerkrankung zurückzuführen ist. Eine relative Fünf-Jahres-Überlebensrate von 75 % bedeutet beispielsweise, dass nach fünf Jahren 75 % der Patient:innen im Vergleich zu einer alters- und geschlechtsgleichen Allgemeinbevölkerung noch am Leben sind.1 Für die Abschätzung der Prognose ist das Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose von zentraler Bedeutung: Die höchsten Überlebensraten werden bei lokalisierten Tumoren beobachtet, während das disseminierte Stadium die ungünstigste Prognose aufweist.2
Über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren, ausgehend von 1996, zeigt sich eine deutliche Zunahme des relativen Fünf-Jahres-Überlebens. Bei malignen Lebererkrankungen (C22) lag dieses im Zeitraum von 1996 bis 2000 bei 8,2 %, während es für den Zeitraum von 2016 bis 2020 (Ende des Follow-ups: 15. 12. 2025) auf 18,3 % anstieg, was etwa einer Zunahme um den Faktor 2,2 entspricht (Abb. 1).3 Für das Pankreaskarzinom (C25) betrug die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate im Zeitraum von 1996 bis 2000 4,7 % und erhöhte sich im Zeitraum von 2016 bis 2020 (Ende des Follow-ups: 15. 12. 2025) auf 12,5 % (Abb. 1).3
Auch in der stadienstratifizierten Analyse zeigt sich ein konsistenter Trend: Für beide Tumorentitäten konnten im Zeitraum von 2016 bis 2020 gegenüber 2006 bis 2010 in allen Tumorstadien Verbesserungen der Überlebensraten beobachtet werden. Besonders auffällig ist die deutlich schlechtere Prognose beim disseminierten Pankreaskarzinom gegenüber dem disseminierten Leberkarzinom. Zusammen mit dem höheren Anteil an Diagnosen in fortgeschrittenen Stadien erklärt dies die insgesamt schlechtere Prognose des Pankreaskarzinoms. (Abb. 2 und Abb. 3).3
Neben therapeutischen Fortschritten ist bei der Interpretation dieser Entwicklung zu berücksichtigen, dass der Überlebenszeitraum definitionsgemäß mit dem Zeitpunkt der Diagnosestellung beginnt. Eine frühere Diagnosestellung kann daher zu einer Verlängerung der gemessenen Überlebenszeit beitragen. Gleichzeitig kann eine frühere Diagnose auch mit einer günstigeren Prognose assoziiert sein.