Vom 19. bis 21. März 2026 wurde das Festspielhaus Bregenz erneut zum zentralen Treffpunkt für hämatologisch-onkologische Fachkräfte. Die Frühjahrstagung der OeGHO und AHOP, heuer in Kooperation mit der AAHP, stand unter dem Leitmotiv „Verknüpfen. Vernetzen. Knoten lösen – der Mensch im Mittelpunkt“ – ein Motto, das sich wie ein roter Faden durch alle Programmpunkte zog und die Bedeutung interprofessioneller Zusammenarbeit eindrucksvoll sichtbar machte.
Der erste Kongresstag widmete sich nach der feierlichen Eröffnung einem Thema, das die pflegerische Onkologie aktuell stark bewegt: der Implementierung der Cancer Nurse. Beim Round Table wurde intensiv diskutiert, welche Chancen diese spezialisierte Funktion für Patient:innen, Teams und Versorgungssysteme bietet und wo Limitationen bestehen. Besonders im Fokus standen strukturelle Rahmenbedingungen, fehlende Ressourcen und die Frage, wie andere Bundesländer die Einführung bereits umgesetzt haben.
Deutlich wurde: Die fachliche Notwendigkeit ist unbestritten. Die Cancer Nurse wird als zentrale Schnittstelle zwischen Patient:innen, Angehörigen und multiprofessionellen Teams gesehen. Gleichzeitig fehlen in Vorarlberg noch klare, verbindliche Konzepte. Die Diskussion zeigte aber auch, wie stark der gemeinsame Wille ist, diese Rolle weiterzuentwickeln. Vernetzen, Erfahrungen teilen und gemeinsam Knoten lösen – das wurde zum klaren Auftrag des Tages.
Ein inhaltliches Highlight war die gemeinsame Sitzung von AHOP und YHOGA. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Pflege und Ärzt:innen ihre Zusammenarbeit weiter stärken können. Anhand eines praxisnahen Fallbeispiels wurde gezeigt, wie engmaschige Kommunikation und abgestimmte Prozesse das Nebenwirkungsmanagement verbessern.
Besonders prägend war die Aussage von AHOP-Kollegin Lorena Eiterer: „Nebenwirkungen sind selten nur ein Medikamentenproblem – sie sind ein Teamproblem.“ Dieses Statement unterstrich, dass erfolgreiche onkologische Versorgung nur dann gelingt, wenn alle Berufsgruppen Verantwortung teilen. Anhand einer Darstellung von 3 ineinandergreifenden Zahnrädern wurde verdeutlicht, wie interprofessionelle Zusammenarbeit Patient:innen entlastet und Behandlungsqualität steigert. Die 3 Zahnräder symbolisieren die enge Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen, Ärzt:innen und Patient:innen. Im Zentrum steht die sichere onkologische Therapie, die nur durch das reibungslose Zusammenspiel aller Beteiligten erreicht werden kann.
Den emotionalen Schlusspunkt setzte der Vortrag von Denise Schäfer zum interdisziplinären Familiengespräch. Ein bewegendes Fallbeispiel zeigte, wie „shared decision-making“ im klinischen Alltag gelebt werden kann. Entscheidungen mit Patient:innen sowie Angehörigen und nicht für sie zu treffen – das schafft Orientierung, stärkt Selbstbestimmung und trägt besonders in belastenden Situationen zu erfolgreichen Lösungen bei. Der Vortrag machte deutlich, wie wertvoll empathische Kommunikation und multiprofessionelle Abstimmung in komplexen Entscheidungssituationen sind.