© Satjawat – stock.adobe.com Wie Menschen ihr Älterwerden sehen, kann das Sozialleben beeinflussen. Zwei neue Studien zeigen, dass positive Vorstellungen vom Alter mit mehr sozialen Kontakten zusammenhängen.
„Wir sollten uns bewusst werden, dass die Erwartungen, die wir ans Älterwerden haben, ein wichtiger Faktor für ein gesundes und zufriedenes Leben sind“, sagte die federführend an beiden Studien beteiligte Psychologin Christina Ristl von der Universität Wien. Neben den prominenteren Säulen Sport und Ernährung sei die Psychologie ein weiterer wichtiger Faktor für die Gesundheit im Alter.
Für die erste Studie begleiteten die Forschenden 459 Erwachsene zwischen 30 und 80 Jahren über zehn Jahre. Zu drei Zeitpunkten erfassten sie, wie sich die Teilnehmenden ihr eigenes Sozialleben im Alter vorstellten und wie viel Zeit sie tatsächlich mit sozialen Aktivitäten verbrachten. Im Mittelpunkt standen Familienbeziehungen, Freundschaften und soziales Engagement. Das Ergebnis: Menschen, die ein erfülltes Sozialleben im Alter erwarteten, verbrachten Jahre später tatsächlich mehr Zeit mit Familie und Freund:innen. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei familiären Beziehungen im höheren Erwachsenenalter.
Auch spielen eigene Erfahrungen eine wesentliche Rolle, erklärte Ristl. Wer etwa sozial gut eingebunden ist, bleibt es häufig auch im Alter. Zu beobachten sei zudem das Phänomen der „Distanzierung vom eigenen Alter“: Menschen betrachten das Alter zwar als etwas Negatives, sehen sich selbst aber als Ausnahme. In Phasen der Einsamkeit funktioniere diese Distanzierung oft nicht mehr. „Personen, die diese Einsamkeit mit dem Alter verbinden, glauben dann, dass das Alter tatsächlich einsetzt und übernehmen stärker Altersstereotype“, so Ristl. Dadurch würden auch gut eingebundene Personen ihre sozialen Kontakte verringern.
In einer zweiten Studie untersuchten die Forschenden, wie Einstellungen zum eigenen Älterwerden das soziale Verhalten im Alltag beeinflussen. Zwei Wochen lang berichteten 109 Erwachsene zwischen 50 und 85 Jahren jeden Abend über ihre sozialen Begegnungen unddarüber, wie sie ihr eigenes Älterwerden an diesem Tag wahrgenommen hatten. An Tagen, an denen die Teilnehmenden ihr Älterwerden positiver erlebten, berichteten sie auch von positiveren Begegnungen. Wurde das eigene Alter hingegen negativ wahrgenommen, empfanden sie soziale Situationen häufiger als belastend. „Wenn ich mit dem Gefühl aufstehe, heute viele interessante Gespräche zu führen, werde ich Begegnungen wahrscheinlich offener gegenüberstehen“, so Ristl. (APA/tab)
Publikationen:
https://doi.org/10.1037/pag0001011
https://doi.org/10.1093/geronb/gbag149