Was bei „Magic Mushrooms“ im Gehirn passiert

© Pixabay/Altmann

Der Wirkstoff Psilocybin richtet die Hirnaktivität stärker auf das aus, was gerade geschieht, wie eine neue Studie im Fachblatt „Nature“ zeigt. Das könnte den Erfolg psychedelischer Therapien erklären.  

Seit Jahren wecken klassische Psychedelika wie Psilocybin, LSD oder DMT Hoffnungen in der Psychiatrie – besonders bei schwer behandelbaren Krankheitsbildern wie der Depression. Doch wie genau ein solcher Rausch zu langfristigen psychischen Veränderungen führen kann, ist noch nicht vollständig geklärt. Bisherige Studien zeigten, dass Psychedelika festgefahrene Netzwerke des Gehirns lockern. Die sogenannte „Entropie-Hypothese“ geht davon aus, dass dabei eine Art nützliches neurologisches Chaos entsteht – das Gehirn wird dadurch flexibler. 

Eine neue internationale Studie zeichnet nun ein differenzierteres Bild. Die Forschenden untersuchten 62 Erwachsene unter Psilocybin mittels Hirnscans. Währenddessen ruhten die Proband:innen mit geschlossenen Augen, meditierten, hörten Musik oder schauten ein Video. Dabei zeigte sich: Das Gehirn wurde nicht einfach chaotischer. Vielmehr bildete die Hirnaktivität je nach Situation unterschiedliche Muster. Psilocybin schien das Gehirn stärker auf den jeweiligen Kontext auszurichten. 

Die Forschenden vermuten, dass Psilocybin aktuelle Sinneseindrücke stärker gewichtet. Das könnte erklären, weshalb Menschen während eines psychedelischen Erlebnisses oft besonders offen und mit ihrer Umgebung verbunden sind. Darin könnte auch ein Schlüssel für die Therapie liegen: Das Gehirn könnte vorübergehend empfänglicher für neue Erfahrungen und Perspektiven werden.  

Tatsächlich zeigte sich in der Studie: Je stärker die Hirnaktivität der Proband:innen mit ihrer Umgebung gekoppelt war, desto intensiver erlebten sie ein Gefühl tiefer Verbundenheit. Dieses Gefühl hing am nächsten Tag mit einer positiven Veränderung der Lebenseinstellung und einem stärkeren Gefühl von Sinnhaftigkeit zusammen. Die Studie wurde allerdings mit gesunden Menschen durchgeführt. Ob die Ergebnisse auch für Menschen mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen gelten, bleibt offen. (APA/tab) 

Service: Publikation