© Tanzer Allein im Juni und Juli gab es mehr als 600 hitzebedingte Todesfälle. Mit dem August könnte die Schwelle von 1000 erreicht werden. Dazu kommen Tausende, die gerade im Gesundheitswesen mit der Hitze kämpfen.
Hitzewellen sind längst kein außergewöhnliches Wetterereignis mehr, auf das man sich mit ein paar improvisierten Maßnahmen einstellen kann. Sie werden häufiger, intensiver und länger. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege bedeutet das eine zusätzliche Belastung in einem Arbeitsalltag, der vielerorts ohnehin von hoher Verantwortung, Zeitdruck und Personalmangel geprägt ist. Besonders problematisch ist, dass viele Krankenhäuser, Pflegeheime und andere Gesundheitseinrichtungen für ein anderes Klima gebaut wurden. Zimmer, Stationen und Aufenthaltsbereiche heizen sich auf, während leistungsfähige Kühlsysteme fehlen oder nur in einzelnen Bereichen vorhanden sind. Das betrifft Patient:innen ebenso wie Bewohner:innen – aber auch die Menschen, die dort arbeiten.
Pflegekräfte, Ärzt:innen, Therapeut:innen sowie viele andere Berufsgruppen sorgen auch bei hohen Temperaturen dafür, dass Versorgung und Betreuung funktionieren. Sie helfen Menschen beim Trinken, überwachen gefährdete Patient:innen, reagieren auf Kreislaufprobleme und passen Abläufe an die Hitze an. Gleichzeitig müssen sie selbst unter Bedingungen arbeiten, die Konzentration und körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.
Das verdient Anerkennung. Nicht in Form pathetischer Heldenerzählungen, sondern als nüchterne Feststellung: Das Gesundheitswesen funktioniert auch während Hitzewellen, weil Menschen unter schwierigen Bedingungen ihre Arbeit verantwortungsvoll erledigen. Gerade deshalb darf diese Belastbarkeit nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Es wäre ein Fehler, die Fähigkeit der Beschäftigten, sich immer wieder an widrige Umstände anzupassen, mit einer langfristigen Lösung zu verwechseln. Engagement kann fehlende bauliche Vorsorge nicht ersetzen. Gute Arbeitsorganisation kann überhitzte Räume nur begrenzt kompensieren. Und auch der persönliche Einsatz von Beschäftigten hat physische Grenzen.
Die Politik muss deshalb rasch handeln. Gesundheitseinrichtungen brauchen verbindliche und finanzierbare Konzepte für den Hitzeschutz. Dazu gehören Investitionen in eine hitzeresiliente Gebäudesanierung, wirksame Kühl- und Verschattungssysteme sowie klare Vorgaben für Arbeits- und Gesundheitsschutz bei extremen Temperaturen. Ebenso notwendig sind Hitzeschutzpläne, die nicht nur Patient:innen berücksichtigen, sondern ausdrücklich auch die Beschäftigten. Dabei geht es nicht um Komfort. Es geht um sichere Arbeitsbedingungen und um die Qualität der Versorgung. Wer erwartet, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen auch unter zunehmend extremen klimatischen Bedingungen zuverlässig für andere da sind, muss dafür sorgen, dass sie ihre Arbeit unter vertretbaren Bedingungen leisten können. Hitzewellen werden nicht auf politische Debatten warten. Die nächste Phase extremer Temperaturen kommt. Deshalb braucht es rasch Entscheidungen und konkrete Maßnahmen. (rüm)