Die AMUNDSEN-Studie untersuchte, ob die unmittelbare Verabreichung eines PCSK9-Hemmers bereits im Katheterlabor die Lipidkontrolle nach akutem Myokardinfarkt verbessert: 2.161 Patient:innen mit STEMI oder NSTEMI und geplanter PCI wurden zu Evolocumab 140 mg zusätzlich zur hochintensiven lipidsenkenden Standardtherapie oder zu einer leitliniengerechten stufenweisen Therapie randomisiert. Nach einem Jahr erreichten 81,6 % unter Evolocumab gegenüber 39,6 % unter Standardtherapie den kombinierten LDL-C-Zielwert von < 55 mg/dl und eine LDL-C-Reduktion um ≥ 50 %. Mehr als 75 % der Evolocumab-Patient:innen erreichten nach einem Jahr sogar einen LDL-C-Zielwert < 40 mg/dl. Trotz dieser ausgeprägten und raschen LDL-C-Senkung zeigte sich innerhalb des ersten Jahres kein signifikanter klinischer Vorteil hinsichtlich Tod oder ungeplanter kardiovaskulärer Hospitalisierung.
Bedeutung für die Praxis: Selbst unter engmaschiger Nachsorge erreichten nur etwa 40 % der Patient:innen das leitliniengerechte LDL-C-Ziel, während eine bereits im Katheterlabor initiierte PCSK9-Hemmer-Therapie die Lipidkontrolle bei mehr als 80 % ermöglichte. AMUNDSEN zeigt damit eindrucksvoll die Limitation einer stufenweisen Lipidsenkung nach Myokardinfarkt und liefert einen starken Beleg für die Effektivität einer Upfront-Strategie mit PCSK9-Hemmern. Der fehlende klinische Vorteil nach einem Jahr spricht gegen einen relevanten unmittelbaren pleiotropen Effekt von PCSK9-Hemmern und unterstreicht die Zeitabhängigkeit des klinischen Nutzens, die sich in der Regel erst nach etwa zwei Jahren kontinuierlicher Lipidtherapie manifestiert.