Damit keine Spuren bleiben

Stürze, Schnitte und Schürfwunden gehören im Frühling und Sommer fast dazu. Damit aber nach kleinen Verletzungen keine auffälligen Narben zurückbleiben, braucht die Haut gezielte Pflege und Schutz.

Endlich klettern die Temperaturen nach oben und es zieht uns ins Freie. Kinder toben im Garten, Erwachsene greifen zu Fahrrad, Laufschuhen oder Gartenschere, und auch bei Heimwerken, Sport und Ausflügen passiert schnell einmal ein Missgeschick. Ein aufgeschürftes Knie, ein tieferer Schnitt in den Finger oder eine Verletzung nach einem Sturz sind oft rasch vergessen. Weniger schnell verschwindet jedoch das, was danach zurückbleibt: eine Narbe. Gerade wenn sie sichtbar ist, gerötet bleibt, spannt oder sich deutlich abhebt, wird sie für viele Menschen zum Thema. Umso wichtiger ist es, die Haut nicht erst dann zu beachten, wenn die Wunde längst geschlossen ist, denn auch Narben brauchen Pflege.

Warum entstehen Narben?

Eine Narbe ist zunächst einmal ein Zeichen dafür, dass der Körper seine Reparaturarbeit aufgenommen hat. Wird die Haut verletzt und reicht die Schädigung bis in die Lederhaut, also in die tiefere Hautschicht, ersetzt der Organismus das beschädigte Gewebe nicht eins zu eins, sondern bildet Ersatzgewebe. Dabei spielt Kollagen eine zentrale Rolle. Dieses Strukturprotein sorgt dafür, dass die Wunde zusammenhält und sich schließen kann. Anders als gesunde Haut ist Narbengewebe aber weniger elastisch, anders organisiert und meist auch schlechter durchblutet. Genau deshalb fühlt es sich häufig fester an, sieht heller oder rötlicher aus und reagiert empfindlicher auf äußere Einflüsse.
Wie auffällig eine Narbe wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem die Tiefe und Lage der Verletzung, die Spannung auf der Haut, die individuelle Veranlagung und auch die Wundheilung selbst. Verläuft sie ruhig und ohne Komplikationen, verblassen viele Narben mit der Zeit deutlich. Kommt es jedoch zu stärkerer Entzündung, Reibung oder einer überschießenden Reparaturreaktion, kann die Narbe dicker, röter und erhabener werden. Diese sogenannten hypertrophen Narben entstehen, wenn der Körper im Heilungsprozess zu viel Kollagen bildet. Manche Menschen neigen außerdem besonders stark zu auffälliger Narbenbildung.

Rechtzeitig richtig loslegen

Die Narbenbehandlung beginnt nicht mit einer offenen Wunde, sondern erst dann, wenn die Haut vollständig geschlossen ist. Solange eine Wunde noch nässt, offen ist oder Anzeichen einer Infektion zeigt, steht die klassische Wundversorgung im Vordergrund. Erst wenn sich die Hautoberfläche geschlossen hat, geht es darum, die spätere Narbe möglichst günstig zu beeinflussen. Genau in dieser Phase kann eine konsequente Pflege viel bewirken.
Lange hielt sich die Vorstellung, kleinere Verletzungen müssten „an der Luft trocknen“. Heute weiß man, dass kontrollierte Feuchtigkeit für die Heilung meist günstiger ist als Austrocknung. Frisches Narbengewebe verliert mehr Wasser als gesunde Haut. Dieser erhöhte Wasserverlust kann biologische Prozesse anstoßen, die wiederum die Kollagenproduktion beeinflussen.
Deshalb gelten Silikonprodukte seit Jahren als wichtiger Baustein der Narbenpflege. Sie werden in Form von Gelen oder dünnen Auflagen verwendet und helfen dabei, die Narbe feucht zu halten und vor äußerer Reizung zu schützen. Das kann dazu beitragen, dass Narben flacher, weicher und ­unauffälliger werden. Auch Spannungsgefühl, Juckreiz oder ­unangenehme Hautempfindungen können sich bessern. Voraussetzung ist allerdings Geduld: Solche ­Anwendungen wirken nicht über Nacht, sondern werden meist über Wochen bis Monate empfohlen.

Sonnenschutz besonders wichtig

Ebenso wichtig wie die richtige Pflege ist der Schutz vor Sonne. Gerade im Frühling und Sommer vergessen viele, dass frisches Narbengewebe auf UV-Strahlung besonders empfindlich reagiert. Es kann schneller verbrennen und neigt eher zu dauerhaften dunklen Verfärbungen, sogenannten Hyperpigmentierungen. Wer eine frische Narbe hat, sollte diese deshalb konsequent vor direkter Sonne schützen – entweder durch passende Kleidung, den Aufenthalt im Schatten oder einen geeigneten hohen Sonnenschutz, sobald die Wunde geschlossen ist. Das gilt besonders für Narben im Gesicht sowie an den Schultern, Armen oder Beinen, also überall dort, wo die Haut in der warmen Jahreszeit häufiger unbedeckt ist.
Nicht jede Narbe braucht eine aufwendige Behandlung. Kleine, oberflächliche Spuren nach Bagatellverletzungen werden oft von selbst blasser. Anders sieht es aus, wenn eine Narbe größer ist, spannt, nach einer Operation entstanden ist oder schon früh sehr rot und erhaben wirkt. Dann kann es sinnvoll sein, frühzeitig in der Apotheke nachzufragen, welche Form der Narbenbehandlung geeignet ist.

Realistisch bleiben

Nicht alles, was früher als guter Rat galt, ist aus heutiger Sicht sinnvoll. Butter, Zahnpasta, Alkohol oder stark parfümierte Salben haben auf frischen Wunden nichts verloren. Sie können die Haut zusätzlich reizen oder die Beurteilung der Verletzung erschweren. Besser ist es, kleinere Wunden zunächst mit sauberem Wasser zu reinigen, vorsichtig zu versorgen und vor Schmutz zu schützen. Wichtig ist auch: Eine Wunde sollte nicht ständig „kontrolliert“ und dadurch immer wieder gereizt werden. Moderne Pflaster oder geeignete Wundauflagen können durchaus mehrere Tage auf einer Wunde bleiben, sie schützen vor Reibung und unterstützen eine ruhige Heilung.
Eine Narbe verschwindet in der Regel nicht vollständig. Ziel ist vielmehr, ihre Entwicklung günstig zu beeinflussen und Beschwerden zu lindern. Wer eine frische Narbe aufmerksam beobachtet, sie schützt und nicht unnötig reizt, hat gute Chancen, dass sie mit der Zeit unauffälliger wird.