Schluss mit dem Chaos um die Mitte

Sodbrennen ist ein häufiges Alltagsproblem und gleichzeitig ein Signal, dass im Verdauungssystem gerade etwas aus dem Takt geraten ist. Es kommt meist ungelegen: nach dem Essen, beim Bücken oder erst dann, wenn man abends endlich zur Ruhe kommt.

Wenn hinter dem Brustbein ein Brennen aufsteigt, manchmal begleitet von saurem Aufstoßen, einem Druck im Oberbauch oder dem Gefühl, ein Knödel steckt im Hals, dann hat sich ­Sodbrennen – in der Fachsprache als Reflux bezeichnet – angekündigt. Manche merken es auch indirekt: durch häufiges Räuspern, Heiserkeit am Morgen oder Reizhusten, der scheinbar grundlos auftaucht.

Die häufigsten Auslöser für Sodbrennen

Sodbrennen entsteht, wenn Mageninhalt zurück in die Speiseröhre gelangt. Dort reizt Säure die Schleimhaut, und das typische Brennen entsteht. Der Türsteher zwischen Magen und Speiseröhre ist der Schließmuskel am Mageneingang. Wenn er zu oft oder zu lange nachgibt, kann Reflux immer leichter auftreten. Magensäure ist grundsätzlich durchaus sinnvoll. Sie hilft bei der Eiweißverdauung und schützt vor Keimen. Häufig ist das Hauptproblem nicht, dass zu viel Säure vorhanden ist, sondern dass sie am falschen Ort ist.
Sodbrennen hat selten nur eine einzelne Ursache. Meist ist es ein Mix aus Mechanik, Essgewohnheiten und Lebensstil. Mit großen Portionen wird der Magen überdehnt, der Druck steigt, und der Rückfluss wird wahrscheinlicher. Fettreiche Speisen bleiben länger im Magen liegen, und es kommt häufiger zu einem „Rückstau“. Auch spätes Essen oder das Hinlegen gleich nach dem Essen beschleunigen den Rückfluss von Magensäure, denn die Wirkung der Schwerkraft fällt dabei als Schutzfaktor weg. Bei manchen Menschen können Alkohol, Kaffee, Schokolade oder Pfefferminze den Schließmuskel entspannen und so den Rückfluss fördern. Auch Getränke mit viel Kohlensäure können den Druck im Magen erhöhen und saures Aufstoßen fördern. Alles, was von unten drückt, wie enge Hosen oder Gürtel, aber auch schweres Heben können Sodbrennen begünstigen.
Bei vielen Menschen tritt das saure Aufstoßen auch dann besonders häufig auf, wenn sie unter Stress stehen. Sie essen dann meist sehr unregelmäßig und hastiger, schlucken dabei mehr Luft – all das kann die Symptome verstärken. Aber auch unter besonderen Umständen – nämlich in der Schwangerschaft – kommt bei etwa der Hälfte der werdenden Mütter Sodbrennen vor. Mit zunehmendem Alter sind es körperliche Veränderungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente, die den Rückfluss der Magensäure beschleunigen.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Mit wenigen einfachen Gewohnheiten lässt sich ganz ohne Verbote oder Diät das Schlimmste verhindern. Die letzte größere Mahlzeit sollte idealerweise
2 bis 3 Stunden vor dem Hinlegen gegessen werden. Wenn es spät wird, greifen Sie lieber zu kleinen Speisen, die mild und nicht fettig sind, wie etwa Haferbrei, Zwieback, Banane oder Suppe. Verzichten Sie auch auf scharfe Gewürze, die das Sodbrennen noch verstärken können. Essen Sie über den Tag verteilt besser kleinere Mahlzeiten als eine sehr große. Der Magen mag Regelmäßigkeit und will nicht überstrapaziert werden. Nach dem Essen aufrechtzubleiben, ist wohl die einfachste und wichtigste Regel, denn dann rutscht der Speisebrei ganz von selbst weiter nach unten. Ein kurzer Spaziergang oder einfaches Niedersetzen helfen oft mehr als eine entspannte Pause am Sofa in Liegeposition. Wenn Sodbrennen vor allem nachts auftritt, dann sollten Sie den Oberkörper leicht erhöhen: einfach das Kopfende des Betts anheben oder mit ein paar Kissen in einer aufrechteren Position einschlafen. Das ist simpel, aber häufig erstaunlich wirksam.

Schnelle Linderung ist individuell

Nicht alles ist bei allen gleich. Sinnvoll ist ein Reflux-Check über etwa zwei Wochen. Schreiben Sie auf, was und wann gegessen wurde, wie groß die Portion war, wann das Brennen einsetzte. So lassen sich persönliche Auslöser einfach erkennen und vermeiden. Was bei dem einen die Tomatensauce ist, können beim anderen Zitronensaft, Schokolade, Nüsse oder Wein sein.
Auch Hausmittel können kurzfristig unterstützen, ersetzen aber keine Ursachenstrategie. Dazu gehören Zwieback, Toast oder Haferbrei. Die stärkehaltigen Lebensmittel werden oft als beruhigend empfunden, weil sie mild sind und Säure subjektiv abpuffern können.
Das langsame Kauen von Mandeln kann manchen helfen, weil Kauen die Speichelproduktion steigert. Speichel wirkt im Mund-Rachen-Raum neutralisierend. Milch ist bei manchen ein rasch wirksames Heilmittel, bei anderen wiederum hat sie keinen Effekt. Im Gegenteil: Das Fett kann Sodbrennen auch verstärken.
Wenn Sodbrennen akut belastet, gibt es bewährte Produkte aus der Apotheke, die je nach Situation passen können. Mineralische Karbonate wie Kalziumkarbonat und Magnesiumkarbonat können Magensäure binden und dadurch das Brennen relativ schnell lindern. Das ist besonders praktisch für unterwegs, wenn zum Beispiel eine Feier mit einem üppigen Essen oder Alkohol spätabends bevorsteht.
Neben der Neutralisation ist ein zweites Prinzip hilfreich: der Schutz der Schleimhaut und das Aufbauen einer Barriere, sodass die Magenschleimhaut nicht so rasch irritiert wird. Bestimmte pflanzliche Inhaltsstoffe, etwa ein Extrakt aus dem Feigenkaktus, können sich wie ein schützender Film auf gereizte Schleimhäute legen. Das kann das Reizgefühl in Speiseröhre und Rachen mildern, besonders, wenn sich das Brennen nach oben zieht oder die Schleimhaut bereits empfindlich reagiert.

Wann Sodbrennen abzuklären ist

Es gibt Lebensphasen, aus denen Sodbrennen kaum wegzudenken ist. So ist es in der Schwangerschaft häufig durch hormonelle Effekte und durch den steigenden Druck im Bauchraum bedingt. Bewährt haben sich in diesem Fall kleine Portionen, frühes Abendessen, aufrechtes Sitzen nach dem Essen und nachts erhöhte Lagerung.