© meeboonstudio – stock.adobe.com Die Vertretungen von Innerer Medizin und Allgemeinmedizin wollen verstärkt kooperieren. Ein erster Patient:innenpfad zu rheumatoider Arthritis ist auf dem Weg.
„Wir brauchen ein sinnvolles Schnittstellenmanagement zwischen den Versorgungsebenen. Das möchten wir mit den Patient:innenpfaden abbilden“, erklärt Alexander Rosenkranz, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) bei einer gemeinsamen Session von ÖGIM und ÖGAM im Rahmen der ÖGIM-Jahrestagung.
Eine aktuelle Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigt: Im Kassenbereich könnte das Angebot an Internist:innen bis 2035 je nach Szenario um bis zu einem Viertel hinter dem Bedarf zurückbleiben. Gleichzeitig stehen Hausarztpraxen und Primärversorgungseinheiten unter Druck und Patient:innen landen häufig im System zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein im Mai 2026 unterzeichneter Letter of Intent der beiden Fachgesellschaften definiert ein komplementäres Rollenverständnis: Die hausärztliche Primärversorgung als erste Anlaufstelle koordiniert und begleitet Patient:innen. Die Innere Medizin und die internistischen Sonderfächer bringen ihre Expertise ein, wo vertiefte Abklärung oder Behandlung nötig ist. Ausdrücklich nicht Ziel der Partnerschaft seien Einschränkungen der ärztlichen Freiheit oder der freien Arztwahl sowie Standespolitik oder Lobbying. „Es ist für die ÖGAM und die ÖGIM ein gemeinsames Anliegen, die Versorgung der Patient:innen zu verbessern und im System Ressourcen zu heben. Wir verfolgen damit gemeinsame Ziele und können aktiv mitgestalten“, betont Rosenkranz. „Wir können als Fachgesellschaften einen Beitrag zu einem Prozess liefern, der ganz klar auch politischer Wille ist – und dieser Beitrag ist rein evidenzbasiert und medizinisch getrieben“, ergänzt Anton Wankhammer, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM).
Als Beispiel wurde nun der Patient:innenpfad zur rheumatoiden Arthritis vorgestellt. Er gliedert sich in drei Phasen: Erstverdacht und klinische Abklärung in der Hausarztpraxis, leitlinienbasiertes Schnittstellenmanagement zur Vermeidung von Verzögerungen sowie spezifische Diagnostik und Therapiebeginn in der Rheumatologie. Für die Langzeitbetreuung ist festgelegt, wer welche Aufgaben übernimmt – von der hausärztlichen Führung über die fachspezifische Fallführung bis zum internistischen Management von Komorbiditäten wie dem kardiovaskulären Risiko.
Die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR) hat den Pfad maßgeblich erarbeitet und mit ÖGIM und ÖGAM fachlich abgestimmt. Die Auch die Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (ÖGOuT) wurde eingebunden. „Es braucht den politischen Willen, um diese fachlich abgestimmten Vorschläge aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Wir bleiben optimistisch, dass das gelingen wird“, so Alexander Rosenkranz. (tab)