Diskussion über Qualität von Gesundheits-Apps

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Beim am Freitag zu Ende gegangenen European Health Forum Gastein (EHFG) wurde bekannt, dass für Gesundheits-Apps eine EU-Zertifizierung und ein eigenes Regulierungssystem in Österreich geplant ist.

Mehrere 100.000 Gesundheits-Apps gibt es bereits weltweit in App-Stores. Deren Qualität ist für Nutzer:innen und auch Ärzt:innen oft schwierig festzustellen, betonte Petra Hoogendoorn vom Projekt Label2Enable beim EHFG. Eine Möglichkeit sei die von der EU angestoßene ISO-Zertifizierung für Gesundheits-Apps (ISO/TS 82304-2), die noch getestet wird und eine Bewertung optisch ähnlich dem EU-Energieverbrauchs-Label liefern soll. Erhebungen zeigen, dass Jüngere sowie Frauen und Menschen mit höherem Einkommen Status eher Gesundheits-Apps verwenden würden, berichtete Robin van Kessel von der London School of Economics. Menschen aus niedrigeren sozioökonomischen Schichten und Arbeitslose seien jedoch eher von psychischen Erkrankungen bedroht, warnte er vor einem „Digital-Health-Paradoxon“.

In Deutschland gibt es bereits mehrere Gesundheits-Apps, darunter etwa die Hälfte für die mentale Gesundheit, deren Nutzungskosten von Krankenkassen übernommen werden, berichtete Hoogendoorn. Eine Umfrage in Deutschland habe zudem gezeigt, dass 53 Prozent der Bevölkerung solche Apps nur nutzen würden, wenn sie von der Regierung zertifiziert sind und 33 Prozent, wenn sie von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben wurden. Das Vertrauen in Gesundheitsexpert:innen sei also hoch, viele würden trotzdem einfach „Dr. Google“ befragen.

In Österreich ist man noch „in einem sehr frühen Stadium“, berichtete Michael Müller von der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS). Es gebe derzeit keine App, die über das öffentliche Gesundheitssystem läuft. Es wird aber ein Regulierungssystem für Apps geben, bei dem das Ministerium die Rolle des „Gatekeepers“ übernimmt, kündigte er an. „Man kann sich beim Ministerium anmelden, wird auf eine Liste gesetzt, und anschließend entscheidet der Sozialversicherungsträger über die Kostenübernahme.“ Ziel sei, dass Gesundheits-Apps, die von Ärzt:innen verschrieben werden, von der Sozialversicherung bezahlt werden.

Die SVS arbeite derzeit mit dem Psychologenverband an einem Programm für ihre Versicherten. Dabei komme eine App als erste Stufe zum Einsatz – mit einem wissenschaftlich fundierten, validierten Fragebogen. Dieser „Mental-Health-Check“ soll zunächst eine erste Einschätzung geben, ob Hilfe benötigt wird oder nicht. In einer zweiten Stufe erfolgt eine Online-Beratung mit einem Therapeuten und zuletzt die eigentliche Behandlung, erläuterte Müller. (red/APA)