Vernarbende Alopezien: Epidemiologie, Trigger und Therapieerfolg

Eine Session zu vernarbenden Alopezien beschäftigte sich mit Epidemiologie, Triggern und der Frage, wie sich Therapieerfolg messen lässt.

Inzidenz: Viele Arbeiten berichten einen Anstieg von Lichen planopilaris (LPP) und frontal fibrotisierender Alopezie (FFA). Laut Kelati blieb die US-Inzidenz 2019–2024 jedoch stabil (8,2–9,3/100.000/Jahr), ein biologischer Anstieg ist nicht bewiesen. Auffallend sind mehr jüngere Patient:innen.1

Trigger: Eine Case-Control-Studie fand für die FFA eine Assoziation mit Haarglättung mit Formalin (OR 3,18), nicht-dermatologischer Gesichtsseife (OR 2,09) und Gesichtscremes (OR 1,99). Sonnenschutz war in dieser Studie nicht assoziiert.¹ Bei Patient:innen mit LPP/FFA und positivem Epikutantest auf Gallate besserte sich nach Allergenkarenz der Juckreiz bei 58 % und das Erythem bei 72,7 %.¹ Als Medikamententrigger für LPP wurden Tyrosinkinase-Inhibitoren, PD-1- und TNF-α-Inhibitoren genannt. Eine COVID-19-Impfung löst eher Schübe bei bestehender LPP aus.¹

Therapie der FFA: Dmitri Wall stellte zwei Auswertungen vor. Eine Kombination aus Tacrolimus 0,3 %, Clobetasol 0,05 % und Minoxidil 5 % führte bei 76,9 % zu Stabilisierung oder Besserung (n = 82), eine Hautatrophie trat bei 3,7 % auf.2, 3 In einer Kohorte mit 37 FFA-Patient:innen (mittlere Nachbeobachtung 4,78 Jahre) stabilisierten meist topische Immunmodulatoren, Kortikosteroide und Minoxidil die Haarlinie.2, 4 Neu ist auch ein internationaler Konsensus (IFFACG) für klinische FFA-Studien, der standardisierte Endpunkte festlegt, damit künftig Studien vergleichbar werden.²

JAK-Inhibitoren bei LPP und FFA: Dmitri Wall bezeichnete die JAK-Hemmung als biologisch plausibel und klinisch vielversprechend, wenngleich noch in früher Entwicklung. Der Grund: Läsionen zeigen eine Th1/IFN-γ-Signatur mit JAK-STAT-Aktivierung. In einer Pilotstudie mit 11 Patient:innen mit therapierefraktärer FFA (oral Tofacitinib 10 mg/Tag, 12/52 Wochen) sanken die Krankheitsaktivitäts-Scores (Lichen Planopilaris Activity Index [PPAI]; Facial and Facial-hair Alopecia Severity Scale [FFASS] und Facial and Facial-hair Alopecia Severity Index [FFASI] nahmen weniger ab.5 Zusätzlich wurde eine Phase-IIa-Studie mit Brepocitinib bei vernarbenden Alopezien gezeigt.² Wall nannte die Limitationen offen: kleine Fallzahlen, gleichzeitige Therapie in vielen Serien, Publikationsbias, uneinheitliche Endpunkte und unbekannte Haltbarkeit nach dem Absetzen. Mehrere weitere Studien laufen (u. a. topische JAK-Inhibitoren bei FFA und LPP).²

Fazit für die Praxis: Bei FFA und LPP führen topische Immunmodulatoren, Steroide und Minoxidil häufig zur Stabilisierung, JAK-Inhibitoren sind bislang nur in kleinen Pilotstudien untersucht. Eine gezielte Kosmetik- und Allergenanamnese sowie die Verlaufskontrolle mit Serienfotos der Haarlinie gehören zur Standardbetreuung.