Medizinnobelpreis für Optogenetik   

© Nobel Media AB 2018. Photo: Alexander Mahmoud

Die mit 12 Millionen Schwedischen Kronen dotierte Auszeichnung geht heuer an drei Forscher für ihre Entdeckung, wie sich Nervenzellen mithilfe von Licht steuern lassen. Ein ebenfalls beteiligter Österreicher ging leer aus.  

Die Preisträger sind Karl Deisseroth aus den USA sowie die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel. „Die Mysterien des Gehirns haben die Menschheit über sehr lange Zeit beschäftigt“ und die drei Wissenschafter hätten eine Tür dazu geöffnet, erklärte Abdel El Manira vom Nobelkomitee für Medizin und Physiologie bei der Bekanntgabe am Montag. Die Preisträger hätten den Grundstein für eine neue Ära in den Neurowissenschaften gelegt. Die Optogenetik – eine wissenschaftliche Methode, mit deren Entwicklung auch der an der University of Oxford tätige Oberösterreicher Gero Miesenböck in Verbindung gebracht wird – habe sich zu einem Werkzeug entwickelt, mit dem Ursache und Wirkung mit einer Art „Kippschalter“ im Nervensystem untersucht werden können.

Hegemann und Nagel entdeckten Anfang der 2000er Jahre in einer einzelligen Alge das Protein Channelrhodopsin, das Zellen lichtempfindlich macht. Unter Einfluss von blauem Licht öffnet sich ein Ionenkanal, der elektrische Impulse erzeugt. Deisseroth setzte das Gen für dieses Protein zunächst in Nervenzellen von Ratten ein. Dadurch konnte er diese mit Licht aktivieren. Zwei Jahre später gelang ihm das in den Gehirnen von lebenden Mäusen.

Inzwischen wird die Technik in Laboren weltweit eingesetzt. Mit der Optogenetik werde gezeigt, „wie Nervenzellen im Gehirn Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen formen“, hieß es bei der Preisverleihung. Das sei etwa für das Verstehen von neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen bedeutsam, aber auch für die Wiederherstellung des Sehvermögens. So ermöglichten Forschende mit Hilfe einer optogenetischen Therapie vor einigen Jahren einem Patienten, der durch eine Netzhauterkrankung blind war, ein rudimentäres Sehen.

Im Zusammenhang mit der Methode wurden in den vergangenen Jahren mehrere Forschende ausgezeichnet, etwa 2013 mit dem „Brain Prize“ für die „Erfindung und Verfeinerung der Optogenetik“. 2019 ging der „Warren Alpert Foundation Prize“ neben Edward Boyden, Karl Deisseroth und Peter Hegemann auch an den Österreicher Gero Miesenböck, der an der Universität Oxford zur Optogenetik forscht. Alle vier Forschenden wurden in den vergangenen Jahren immer wieder als mögliche Nobelpreiskandidaten gehandelt – am Montag wurde dies nun für drei von ihnen zur Realität. (tab/APA)