Versorgungssicherheit rückt häufig erst dann in den Fokus, wenn Lieferketten unterbrochen sind oder Produkte fehlen. Die Weichen für Engpässe werden aber schon deutlich früher gestellt, nämlich wenn es um Fragen der Forschungs- und Investitionsbedingungen, der Rahmenbedingungen in der öffentlichen Beschaffung sowie eine Stärkung der Resilienz in Europa geht. Genau diese Themen, die nicht nur die Medizinprodukte-Branche, sondern alle Schlüsseltechnologien betreffen, standen im Mittelpunkt der Technology Talks Austria 2026. Sie werden vom AIT Austrian Institute of Technology in Kooperation mit den Bundesministerien für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF), Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) sowie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und der Industriellenvereinigung (IV) veranstaltet. Besonders erfreulich war, dass heuer erstmalig auch ein Gesundheitsschwerpunkt gesetzt wurde. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, Sozialversicherung, klinischer Praxis, Industrie und Forschung diskutierten, wie Österreich die Umsetzung des European Health Data Space aktiv gestalten kann und elektronische Gesundheitsdaten grenzüberschreitend für medizinische Versorgung, Forschung, Innovation und Steuerung von Gesundheitssystemen nutzbar werden.
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KommR Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, betont klar, dass die Transformation des Wirtschaftsstandorts aktiv gestaltet werden müsse. „Österreich braucht mehr Geschwindigkeit und eine stärkere Verbindung zwischen Industrie, Start-ups und Forschung“, so der Minister. Er hebt einen Hebel besonders hervor: „Knapp 70 Milliarden Euro gibt der Staat jährlich für Anschaffungen und wirtschaftliche Leistungen aus. Dieses Volumen müssen wir gezielter nutzen, um Innovation zu fördern. Gerade Start-ups brauchen erste Kunden und verlässliche Nachfrage.“

KommR Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur; © AIT/APA-Fotoservice/Katharina Fröschl-Roßboth
Ein Aktionsplan soll dazu beitragen, dass Unternehmen mit staatlichem Einfluss verstärkt als Anker- und Erstkunden für innovative österreichische Lösungen auftreten. „Damit wollen wir jungen und innovativen Unternehmen ermöglichen, in Österreich und Europa zu wachsen, statt frühzeitig auf ausländisches Kapital angewiesen zu sein. Dabei geht es auch um technologische Souveränität und den Schutz kritischer Infrastruktur“, betont Hanke.
„Die Ausgaben für die öffentliche Beschaffung sind ein wichtiger Hebel, um Innovation zu fördern.“
Österreich beginnt dabei nicht bei null, sondern kann auf starke wissenschaftliche, industrielle und technologische Basis aufbauen. Gleichzeitig liegt es auf der Hand, dass es Nachholbedarf, etwa bei Finanzierungsinstrumenten und bei der Zusammenarbeit zwischen Start-ups, Innovationsträgern und Großindustrie, gibt. „Wenn es gelingt, diese Akteure stärker in Partnerschaften und konkrete Auftragsbeziehungen zu bringen, können wir die notwendige Geschwindigkeit in der technologischen Entwicklung erreichen“, ist der Minister überzeugt und betont das klare Ziel: „Wir müssen Europa stärken, Wertschöpfung und Resilienz in Österreich und Europa ausbauen und Forschung stärker in konkrete Innovationen und wirtschaftlichen Nutzen übersetzen. Der Fokus liegt auf Schlüsseltechnologien, auf „Made in Europe“ und auf verlässlichen Partnerländern. Denn Innovation ist eine Frage unserer wirtschaftlichen Zukunft.“ Allein für Innovation will daher das zuständige Ministerium bis 2029 rund 1,7 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.
Für Medizinprodukte-Unternehmen ist die Idee des „Ankerkunden“ durchaus überzeugend, denn Innovationen brauchen neben Forschungsförderung klinische Anwendung, Referenzprojekte und einen aufnahmefähigen Markt. Frühe Nachfrage erhöht die Chance, dass Wertschöpfung in Österreich und Europa bleibt.
Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner setzte bei der Forschungsbasis an. Gerade in Zeiten von Krisen und Unsicherheit seien gezielte Investitionen in Forschung und Innovation notwendig – national und europäisch. Sie verwies auf den FTI-Pakt in Rekordhöhe von 5,5 Milliarden Euro und auf die Bedeutung eines eigenständigen europäischen Forschungsrahmenprogramms. Diesen Punkt greift auch Mag. Florian Frauscher, MLS aus Sicht des Wirtschaftsministeriums auf: „Österreich ist in der Forschung gut, muss aber bei Implementierung, Kommerzialisierung und Skalierung schneller werden und Forschung stärker in Produkte und Geschäftsmodelle überführen. Qualitätskriterien müssen bei Ausschreibungen stärker gewichtet werden.“
IV-Präsident Georg Knill beschreibt die Herausforderung aus Sicht der Industrie und betont, dass Innovation nicht nur von der Idee zum Produkt reichen darf, sondern bis zum Markt hin verlängert werden muss. „Europa hat exzellente Forschung, Know-how und technologische Kompetenz, steht aber als Industriestandort massiv unter Druck“, so Knill. Er verweist auch darauf, dass drei Viertel der österreichischen Forschungsausgaben von Unternehmen selbst getragen werden. „Damit daraus langfristig Wertschöpfung entsteht, braucht es Rahmenbedingungen, die Investitionen am Standort attraktiv machen“, so Knill.