Rheuma: Lücken in der Kassenversorgung

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Am Montag ist der inzwischen bereits 30. Welt-Rheuma-Tag. Rheumatolog:innen warnen im Vorfeld vor einer gravierenden Unterversorgung in Österreich.

Chronisch-rheumatologische Erkrankungen sind in Österreich sehr häufig, bis zu einem Viertel der Bevölkerung ist betroffen. „Seit Erscheinen des zweiten Rheuma-Reports Anfang des Jahres spüren wir Rheumatolog:innen starken Rückenwind seitens der Politik und der Sozialversicherung. Auch die Reformpartnerschaft hat erkannt, dass neben der steigenden Nachfrage insbesondere die Angebotsseite der fachärztlichen Versorgung in Österreich mehr Augenmerk benötigt“, sagt Christina Duftner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR) im Vorfeld des 30. Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober.

„Als Rheumatolog:innen stehen wir bereit, unsere Expertise für gemeinsame Lösungsansätze einzubringen. Sonst droht eine weitere Verschlechterung der ohnedies schon gravierenden Unterversorgung.“ Der Hut brenne, so Duftner. Für Politik und Sozialpartnerschaft seien dabei die hohe Krankheitslast sowie erhebliche wirtschaftliche und soziale Auswirkungen schlagend. Zumal in den nächsten Jahren mit einer weiteren Zuspitzung gerechnet werden müsse. Die Herausforderung: Die meisten niedergelassenen Rheumatolog:innen sind als Wahlärzt:innen tätig. In ganz Österreich gibt es derzeit nur 32 Rheumatolog:innen, die mit allen Kassen einen Vertrag haben. Erschwerend hinzu kommt die Altersverteilung: 45 Prozent aller Rheumatolog:innen sind über 55 Jahre alt. „Immer noch gibt es Regionen ohne jegliche fachspezifische rheumatologische Versorgung. Viele Patient:innen sind daher gezwungen, lange Wartezeiten und Wege in Kauf zu nehmen und in teure Spitalsambulanzen auszuweichen“, warnte Duftner.

Es benötige deshalb dringend eine einheitliche und leistungsgerechte Honorierung durch die österreichischen Krankenkassen, um mehr Rheumatolog:innen für den niedergelassenen Bereich zu gewinnen. Sonst würden Wartezeiten weiter steigen und Patient:innen noch länger auf notwendige Behandlungen warten müssen. Duftner: „Wir brauchen eine österreichweit einheitliche Berücksichtigung der aufwendigen Kontrollen, von Beratung und Aufklärung bei immunsuppressiven Therapien, ebenso für spezifische Leistungen – etwa Ultraschalluntersuchungen.“

Ferner sei die Etablierung einer Rheuma-Fachassistenz eine zusätzliche notwendige Verbesserung zur fachspezifischen Entlastung von Fachärzt:innen in der Patient:innenversorgung, wie sie in anderen Ländern Europas bereits sehr erfolgreich etabliert wurde. Ziel ist die Verankerung einer spezifischen rheumatologischen Ausbildung für Gesundheitsberufe, insbesondere im Bereich der Pflege. Rheuma-Fachassistent:innen könnten einen wesentlichen Beitrag in der Beratung und Betreuung von Rheuma-Patient:innen leisten. Es brauche entsprechende Berufsprofile und verbindliche Curricula, um die Fachassistenz entsprechend aufzuwerten.

Dazu kommt: Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln, sagt Andreas Stippler, Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und Fachgruppenobmann in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in einer Aussendung: „Die verschleißbedingte Gelenkerkrankung Arthrose nimmt im Alter deutlich zu und wird uns aufgrund des demografischen Wandels auch in Zukunft noch stark beschäftigen.“ Bereits ab dem 40. Lebensjahr können Arthrosen in den Knien und Hüftgelenken beginnen, weshalb ein Arthrose-Check ab dem 40. Lebensjahr sinnvoll wäre, rät Stippler. (red)