Zweifel an Impfstart in Apotheken

vl: Renée Gallo-Daniel, Nicole Zahradnicek, Sigrid Haslinger (alle ÖVIH). © ÖVIH/FINE FACTS

Der Verband der Impfstoffhersteller fordert, dass die notwendigen Gesetzesänderungen für Impfungen in Apotheken so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Geht sich das für Anfang 2027 nicht aus, soll es eine Startvariante geben.

Im Februar 2026 hat die Bundesregierung eine Grundsatzentscheidung zum Impfen in Apotheken getroffen. Eine gesetzliche Basis dafür fehlt allerdings bis heute, trotz des geplanten Starts im Jänner 2027. Angesichts sinkender Durchimpfungsraten in einigen Impfindikationen und der internationalen Erfolge durch das Impfen in der öffentlichen Apotheke forderte der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) am Dienstag, dass die notwendigen Gesetzesänderungen so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden.

„Mit dem österreichischen Kinderimpfkonzept und der Einführung des öffentlichen Impfprogramms sind bereits wichtige Meilensteine gelungen“, sagte Sigrid Haslinger, Präsidentin des ÖVIH. „Gleichzeitig zeigen die verfügbaren Daten zu den eingesetzten Impfstoffmengen, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird. In einzelnen Indikationen sind die Durchimpfungsraten weiterhin nicht ausreichend, zudem bestehen nach wie vor Herausforderungen bei der Umsetzung und beim niederschwelligen Zugang zu Impfungen.“

Als Beispiel nennt der ÖVIH die Impfung gegen FSME. „Österreich zählt zu den am stärksten von FSME betroffenen Ländern Europas. Dennoch haben Evaluierungen 2026 ergeben, dass die Durchimpfungsrate sinkt, die notwendigen und regelmäßigen Auffrischungsimpfungen oftmals nicht durchgeführt werden und die Anzahl der FSME-Erkrankungsfälle ansteigt“, berichtet Nicole Zahradnicek, Vizepräsidentin des ÖVIH. Nicht befriedigend ist die Situation auch bei HPV: Die HPV-Impfung wird in Österreich seit 2014 für Mädchen und Buben im Schulimpfprogramm und seit Februar 2024 für alle bis zum 21. Geburtstag kostenlos angeboten. Zudem gab es bis Juni 2026 ein befristetes Catch-up-Programm für 21- bis 29-Jährige. „Diese Impfoption steigerte die Impfaktivität dieser Altersgruppe deutlich. Nach Ende dieses Angebots ist die Impfbereitschaft der über 21-Jährigen jedoch wieder zurückgegangen. Außerdem gibt es erhebliche Impflücken bei Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr“, betont Haslinger. „Hier könnten öffentliche Apotheken helfen, wieder mehr junge Menschen zu erreichen.“

Sie stellt klar, dass Impfen in Apotheken eine weitere zusätzliche Impfoption darstelle, neben dem Impfen in den Ordinationen, Schulen, Betrieben und Impfinstituten: „Das Impfen in Apotheken bietet einen niederschwelligen Zugang, Impfaufklärung und -verabreichung ohne zusätzlichen Termin sowie die Möglichkeit, auch junge und gesunde Menschen zu erreichen, die selten zum Arzt oder zur Ärztin gehen.“ Zahradnicek ergänzt: „In den meisten Ländern der EU wird in der Apotheke geimpft und das sehr erfolgreich. Die Durchimpfungsraten werden gesteigert und die Impfbereitschaft erhöht. In einigen Ländern zeigte sich sogar, dass das Impfen in der Apotheke die Impfbereitschaft in der ärztlichen Praxis gesteigert hat.“

Der ÖVIH fordert die Bundesregierung daher auf, die im Februar getroffene Grundsatzentscheidung zum Impfen in öffentlichen Apotheken zeitnah umzusetzen. Haslinger: „Wir schlagen vor, mit einigen ausgewählten Impfungen im Jänner 2027 zu beginnen, nämlich HPV, FSME und eventuell auch Pertussis.“ Ein Start mit ausgewählten Impfungen schaffe erste Erfahrungswerte für einen schrittweisen Ausbau. Das Ziel sollte sein, alle im ÖIP verfügbaren Impfungen neben den bisherigen Impfmöglichkeiten auch in Apotheken zur Verfügung stellen zu können. (red)