Impf-Umfrage zeigt wie Bevölkerung denkt   

© Med Uni Graz/Lunghammer

Durchimpfungsraten sind bekanntlich in Österreich ausbaufähig. Wie das gehen kann, zeigt nun eine Online-Befragung des Verbandes der Impfstoffhersteller.

Überraschende Ergebnisse einer Umfrage: Bei der im Februar und März durchgeführten Umfrage unter 2.000 Personen bezeichneten 79 % der Befragten ihre Einstellung zu Impfungen als positiv oder eher positiv. Als häufigste Informationsquelle zum Thema Impfen kristallisierten sich bei 76 % klar Ärzt:innen heraus. „Vor allem bei der älteren Bevölkerungsgruppe ist die ärztliche Empfehlung durch nichts zu ersetzen“, betont Olivier Jankowitsch, Vizepräsident des Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Bei den jüngeren Gruppen kommen vermehrt Gesundheitswebsites, Familie und Freunde oder Social Media hinzu.

Auch wenn sich die meisten (79 %) am liebsten bei ihren Hausärzt:innen impfen lassen, könnte eine Verbreiterung des Zugangs zu einer Verbesserung der Durchimpfungsraten führen, ist man beim ÖVIH überzeugt. „Wir wissen aus anderen Ländern, dass durch ein niederschwelliges Angebot zusätzlich zur klassischen Ordination weitere und vor allem jüngere Menschen erreicht werden können“, betont ÖVIH-Präsidentin Sigrid Haslinger. „Öffentliche Impfstellen, Schulen, Arbeitsplätze, Krankenhäuser, Apotheken etc. – alle Möglichkeiten sollten in Betracht gezogen werden.“

Gefragt nach den kostenfreien Impfungen für Erwachsene zeigte sich, dass diese in der Bevölkerung nicht ausreichend bekannt sind. 70 % der Befragten wussten Bescheid, dass die COVID-19-Impfung gratis erhältlich ist, 56 % wussten von der kostenfreien Influenza-Impfung. Noch weniger bekannt sind die neuen Gratis-Impfungen im Rahmen des Österreichischen Impfprogramms: Nur 44 % der Personen zwischen 60 und 69 und 51 % der Menschen ab 70 Jahre waren über die Pneumokokken-Impfung informiert. Etwa sechs von zehn Personen kannten das kostenfreie Angebot zur Gürtelrose-Impfung. Außerdem zeigte sich, dass RSV bei Erwachsenen unterschätzt wird. Nur 41 % der Personen zwischen 60 und 69 Jahre und 33 % der Menschen über 70 Jahre haben davon gehört, dass RSV nicht nur für Babys, sondern auch für ihre Altersgruppe ein Risiko ist.

„Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum es dringend notwendig ist, Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheitskompetenz (Health Literacy), insbesondere zum Thema übertragbare Krankheiten und Impfungen, zu erhöhen. Hand in Hand geht damit, dass das österreichische Impfprogramm (ÖIP) weiter ausgebaut und noch besser kommuniziert werden sollte“, betonte Haslinger. Betont wurde seitens des ÖVIH auch die Wichtigkeit, österreichische Impfziele festlegen. So gibt es für viele Impfungen bereits definierte WHO- oder EU-Ziele für die Durchimpfungsraten. „Wir haben tolle Impfprogramme, aber wir müssen unsere Ergebnisse auch an etwas messen können. Dafür müssen wir eigene Ziele festlegen, die sich auch an der lokalen epidemiologischen Situation orientieren“, betont ÖVIH-Generalsekretärin Renée Gallo-Daniel.(APA/tab)