Jetzt sind alle gefordert

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Also doch: Nach langem Hin und Her soll jetzt doch die Impfmöglichkeit in Apotheken kommen. Das ist ein Umbruch im Gesundheitswesen, der auch viel Risiko für alle Seiten birgt.

Ab dem kommenden Jahr müssen Apotheken liefern. Lange hat die Apothekerkammer darum gekämpft und Apotheker:innen geschult, dass sie impfen sollen, jetzt werden sie es dürfen. Am Mittwoch will die Regierung die Regelung auf den Weg bringen und damit selbst zeigen, dass sie auch große Würfe im Gesundheitswesen schaffen kann. Es soll ein sichtbarer Wurf werden – im Gegensatz zu den komplexen finanziellen Verschiebebahnhöfen. Die Frage ist, ob er aufgeht, oder doch die Ärztekammer mit ihrer Skepsis recht behält.

Sicher ist, dass es ein Risiko für alle Seiten ist. Die Apothekerkammer muss ihre Mitglieder dazu bringen Impfmöglichkeiten auch wirklich anzubieten. Immerhin will man zeigen, dass man mehr Aufgaben im Gesundheitswesen übernehmen kann. Mobilisiert man zu wenig, sind auch künftige Verschiebungen in die Apotheken wohl dahin. Nicht wenige Apotheken fragen sich allerdings, ob sich der Aufwand lohnt, verdient man mit einer Packung Nahrungsergänzungsmittel doch möglicherweise mehr als mit der heiklen Impferei. Dazu kommt, dass auch die Impfquote steigen muss. Sonst ist es erst recht ein Flopp für Apotheken. Aber auch für die Regierung. Sie wird also wohl helfen müssen, die Menschen zu mobilisieren. Angesichts leerer Kassen ist das schwer.

Die Ärztekammer wiederum wird zeigen müssen, dass sie nicht so einfach zulässt, dass man Kernbereiche aus der ärztlichen Kompetenz wegnimmt. Gerade im Vorfeld der Ärztekammer-Wahl ist das heikel. Entweder muss man sich also ein großes Zuckerl als Kompensation herausverhandeln, oder man muss die Pläne der Regierung auf den letzten Metern noch durchkreuzen. 2008 gelang das übrigens beim Thema Wirkstoffverschreibung. Apotheken, Sozialversicherung und die damalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky waren sich einig, die Kampagnenunterlagen waren gedruckt. Es kam nicht mehr soweit, denn nicht einmal einen Monat später zerbracht die Regierung. Nicht zuletzt am Druck der Ärztekammer. Es wird sich zeigen, welche Seite jetzt den stärkeren Arm hat. (rüm)