Passend zum Breast Cancer Awareness Month Oktober widmete sich Dr.in Isabella Sauer in ihrem Vortrag beim 10. Vorarlberger und Tiroler AHOP-Fortbildungstag den besonderen Herausforderungen des triplenegativen Mammakarzinoms (TNBC) – einer Tumorform, die sowohl medizinisch als auch pflegerisch hohe Anforderungen stellt.
Das TNBC macht etwa 10–15 % aller Brustkrebserkrankungen aus und ist durch das Fehlen von Östrogen- und Progesteronrezeptoren sowie eine fehlende HER2-Überexpression definiert. Damit fehlen klassische Angriffspunkte für endokrine oder HER2-gerichtete Therapien. Charakteristisch sind ein aggressiver Verlauf, frühe Metastasierung und eine hohe Rezidivrate in den ersten Jahren. Gleichzeitig gilt das TNBC als chemotherapiesensibel, sodass eine erzielte pathologische Komplettremission (pCR) nach neoadjuvanter Therapie mit einer sehr guten Prognose verbunden ist.
In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten jedoch deutlich erweitert. Besonders bedeutsam ist der Einsatz von Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Die KEYNOTE-522-Studie zeigte, dass die Kombination von Pembrolizumab mit einer neoadjuvanten Chemotherapie nicht nur die Rate an Komplettremissionen erhöht, sondern auch das ereignisfreie Überleben verbessert. Damit ist die Immuntherapie heute fester Bestandteil der Behandlung im frühen Stadium.
Auch die PARP-Inhibitoren haben Einzug in die Praxis gehalten. Sie nutzen die Schwäche von Tumoren mit BRCA1- oder BRCA2-Mutationen in der DNA-Reparatur. Mit Olaparib steht erstmals eine Erhaltungstherapie zur Verfügung, die das Überleben von Hochrisikopatientinnen signifikant verlängern kann.
Im metastasierten Stadium kommen zusätzlich Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) zum Einsatz. Sacituzumab-Govitecan (Trodelvy®) bindet gezielt an das Trop-2-Antigen und schleust ein Zytostatikum direkt in die Tumorzelle. Für Patientinnen mit HER2-low-Tumoren eröffnet Trastuzumab-Deruxtecan (Enhertu®) eine weitere Option. Diese innovativen Substanzen verlängern das Überleben auch dann, wenn mehrere Vortherapien bereits versagt haben.
Damit entwickelt sich die Behandlung des TNBC von einer reinen Chemotherapie hin zu einer zunehmend individualisierten, biomarkerbasierten Therapie. Für die Pflege bedeutet das, Patient:innen nicht nur durch belastende Chemotherapien zu begleiten, sondern auch über neue, zielgerichtete Ansätze zu informieren, Nebenwirkungen zu beobachten und die oft komplexen Therapieschemata verständlich zu erklären.
Das triplenegative Mammakarzinom bleibt eine komplexe Erkrankung, die hohe Anforderungen an Medizin und Pflege stellt. Die neuen zielgerichteten Therapien eröffnen Patient:innen bessere Überlebenschancen, bringen aber auch neue Herausforderungen im Nebenwirkungsmanagement mit sich.
Pflegefachpersonen sind hier unverzichtbar: Sie leisten Edukation, unterstützen bei der Symptomkontrolle und begleiten Patient:innen in psychosozial belastenden Situationen. Damit tragen sie entscheidend dazu bei, dass die Fortschritte der modernen Onkologie im Alltag der Betroffenen wirksam ankommen.