Wirksamkeit warmer Salzwasser-Fußbäder

In dieser Ausgabe der AHOP-News beleuchten wir die Publikation „The effect of warm salt water foot bath on the management of chemotherapy-induced fatigue“, Akyuz Ozdemir F, Can G, Eur J Oncol Nurs 2021; 52:101954.

Verringerung chemotherapie­induzierter Fatigue

Etwa 82 bis 96 % der PatientInnen sind während der Chemotherapie von Fatigue betroffen. Die Wirksamkeit nichtpharmakologischer Interventionen wie Yoga, kognitive Verhaltenstherapie, Ernährungstherapie und Musiktherapie wurde bereits mehrfach untersucht. In einigen Studien wurde neuerdings die Wirksamkeit von warmen Fußbädern untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien haben gezeigt, dass das warme Wasserbad ein nützlicher Ansatz bei der Behandlung von Fatigue sein kann. Nur in einer Studie hingegen wurde die Wirkung von Salzwasser auf Fatigue untersucht, in der keine statistisch signifikante Veränderung hinsichtlich der Zielparameter identifiziert werden konnte. Ein warmes Salzwasser-Fußbad soll Fatigue durch die Beeinflussung der Piezokanäle reduzieren. Die örtliche Anwendung von Salzwasser, das reich an Chlorid- und Natriumionen ist, verändert den osmotischen Druck der Zelle, erzeugt einen mechanischen Reiz und stimuliert die Öffnung der Piezo-Ionenkanäle. Dadurch werden die Hautnervenrezeptoren stimuliert, und neurologische Reaktionen wirken auf das Gehirn ein. Dies wiederum soll eine Rolle bei der Verringerung der chemotherapieinduzierten Fatigue spielen.

Studienziel: Es sollte die Wirksamkeit von warmen Salzwasser-Fußbädern hinsichtlich der Verringerung des Schweregrades sowie der Werte der körperlichen, affektiven, emotionalen und kognitiven chemotherapieinduzierten Fatigue­ untersucht werden.

Methode: Es wurde eine zweiarmige randomisiert kontrollierte Studie (RCT) durchgeführt. Eingeschlossen wurden KrebspatientInnen im Stadium I, II oder III, die eine adjuvante oder neoadjuvante Chemotherapie erhielten. Eine weitere Voraussetzung für die Teilnahme war ein Fatiguegrad ≥ 2 nach den allgemeinen Kriterien zur Terminologie für unerwünschte Ereignisse des National Cancer Institute (NCI-CTCAE v3.0). Die Teilnehmenden wurden computerrandomisiert der Interventionsgruppe (n = 42) oder der Kontrollgruppe (n = 37) zugeteilt. Alle Teilnehmenden erhielten eine Broschüre mit Informationen über die chemotherapieinduzierte Fatigue. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe führten zusätzlich zuhause sieben Tage lang, ab einem Tag nach Erhalt der Chemotherapie, ein 20-minütiges Salzwasser-Fußbad bei 41–42 °C zwischen 21:00 und 22:00 Uhr durch. Anschließend wurde der Grad der Fatigue an jedem Abend über sieben Tage lang anhand der NCI-CTCAE-v3.0-Kriterien erhoben. Bei der letzten Erhebung am siebten Tag wurde die Piper’s Fatigue Scale verwendet, um die körperliche, affektive, emotionale und kognitive Fatigue zu messen. Beim Vergleich der Ergebnisse zwischen den Gruppen wurden der t-Test und der Mann-Whitney-U-Test angewendet. Der Friedman-Test wurde für die Auswertung der wiederholten Messungen verwendet. Das Signifikanzniveau wurde mit p < 0,05 festgelegt.

Wesentliche Ergebnisse

Die meisten StudienteilnehmerInnen wurden vor der Chemotherapie operiert (60 %), 20 % von ihnen waren im zweiten und 32,3 % im sechsten Zyklus der Chemotherapie. 57,3 % der Teilnehmenden erhielten nach der Chemotherapie ein Antiemetikum und 17,3 % ein Analgetikum. Der Schweregrad der Fatigue lag bei 65,3 % der Teilnehmenden bei Grad 2 und bei 33,3 % bei Grad 3. Es konnten keine Unterschiede zwischen den Merkmalen der beiden Gruppen (p > 0,05) festgestellt werden. Als Hauptergebnis zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe in Bezug auf den Grad der Fatigue während der sieben Interventionstage (p > 0,05). Es wurde jedoch festgestellt, dass die Abnahme des Grades der Fatigue in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe war (p = 0,012). Hinsichtlich der sekundären Endpunkte wurde festgestellt, dass der Rückgang der Werte für körperliche, affektive und kognitive Fatigue und dem gesamten Fatigue-Score in der Interventionsgruppe am siebten Tag statistisch signifikant höher war als in der Kontrollgruppe (p < 0,05).

Schlussfolgerungen der StudienautorInnen: Obwohl es zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe keinen statistisch signifikanten Unterschied hinsichtlich des Grades der Fatigue gab, zeigte die RCT, dass das warme Salzwasser-Fußbad ein wirksamer Ansatz für die Behandlung von körperlicher, affektiver, emotionaler und kognitiver Ermüdung sein kann. Es ist dennoch notwendig, umfassendere Studien durchzuführen, um diese Wirkung weiter zu untersuchen.

AHOP-Fazit

Die Innovation des Themas wird durch die theoretisch begründete Untersuchung des Salzwasser-Fußbades deutlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass Fußbäder ohne Salzzusatz bereits mehrfach untersucht wurden. Hinsichtlich der methodischen Qualität kann Folgendes festgehalten werden: Es wurde vorab eine Poweranalyse zur Bestimmung der Fallzahl durchgeführt. Die Randomisierung der Teilnehmenden in die Interventions- oder Kontrollgruppe wurde computergeneriert und verdeckt durchgeführt. Es gab keine Unterschiede zwischen den Gruppen zu Studienbeginn, somit kann ein ­Problem beim Randomisierungsprozess ausgeschlossen werden. Eine Verblindung der Teilnehmenden hinsichtlich der Intervention war nicht möglich. Ob eine Intention-to-treat-Analyse durchgeführt wurde und ob Teilnehmende mit fehlenden Ergebnisdaten darin ­eingeschlossen wurden, ist nicht bekannt. Weiters geht nicht hervor, ob die Forschenden bei der Ergebnisanalyse verblindet waren. Es ist außerdem nicht ersichtlich, ob die Studie in Übereinstimmung mit einem vorab festgelegten Studienprotokoll durchgeführt wurde.

Die Praxisrelevanz hinsichtlich der Prävalenz von Fatigue und ihren weitreichenden und langwierigen Folgen geht eindeutig aus dem Artikel hervor. Auch die Übertragbarkeit ist durch die nachvollziehbare Berichterstattung zur Durchführung der Intervention gegeben.

AutorIn: Jasmin Eppel-Meichlinger, BScN MSc

Universitätsassistentin (prae doc), Institut für ­Pflegewissenschaft, ­Universität Wien
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AutorIn: Prof. Dr. phil. Andrea Kobleder

Koleiterin Kompetenzzentrum OnkOs und Studienleiterin MAS in Palliative Care, Institut für Angewandte Pflege­wissenschaft, OST – Ostschweizer Fachhochschule
© privat


AHOP-News 02|2021

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen in Österreich (AHOP)
Publikationsdatum: 2021-12-15