Beratungsleitfaden: Gedächtnis und kognitive Leistung

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen können in jedem Alter und in unterschiedlich starken Formen auftreten und sind nicht selten das Symptom einer anderen Erkrankung. Bei Kindern entstehen Konzentrationsstörungen häufig durch zu langen Fernsehkonsum und/oder Computerspiele.

Gedächtnisstörungen, die nur ab und zu auftreten, sind ganz normal. Und auch wenn das Gedächtnis mit zunehmendem Alter nicht mehr ganz so fit ist, besteht kein Grund zur Beunruhigung. In der ­S2e-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen bei neurologischen Erkrankungen“ wird der Terminus Gedächtnisstörung als Oberbegriff für alle Einbußen des Lernens, Behaltens und des Abrufs gelernter Information definiert. Bei der Beratung sollte der/dem Kund:in immer dann zu einer ärztlichen Abklärung geraten werden, wenn die Gedächtnisprobleme mit anderen Symptomen einhergehen, wie zum Beispiel Schwindel, oder wenn der Gedächtnisverlust einen schleichenden Verlauf hat. In der Selbstmedikation liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Empfehlung von Präparaten zur Prophylaxe oder unterstützenden Therapie.

Auf den ersten Blick – Wirksames für die Selbstmedikation

lm Beratungsgespräch die Eigendiagnose hinterfragen. Bei unbekannter Ursache Abklärung durch die/den Ärzt:in empfehlen.

Zur Selbstmedikation geeignet sind:

  • Phytotherapeutika wie z. B. Ginkgo biloba (EGb 761®), Ginseng, Wilder Grünhafer oder Kurkuma
  • Mikronährstoffe wie z. B. Zink, Magnesium, B-Vitamine, Vitamin E
  • Wirkstoffe wie z. B. Lecithin, Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA), Spermidin, Phosphatidylserin, L-Arginin-L-Aspartat, OPC (oligomere Procyanidine, Flavonoide)

Empfehlungen für das Gespräch an der Tara

Wichtige Fragen zu Beginn der Beratung

  • Wie äußern sich die Beschwerden?
  • Hinterfragen der Eigendiagnose
  • Seit wann und wie häufig treten die Beschwerden auf?
  • Hat die Häufigkeit der Beschwerden in letzter Zeit zugenommen?
  • Liegen Grunderkrankungen vor?
  • Welche Mittel wurden bisher ausprobiert? Mit welchem Erfolg?
  • Gab es schon ärztliche Empfehlungen?

Für die kognitive Leistungsfähigkeit sind vor allem ­Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung, ­Lern- und Problemlösefähigkeit und kognitive Flexibilität von Bedeutung.

Versuch, Ursache der Konzentrationsstörung ­abzuklären:

Zeichen für Konzentrationsstörungen bei Erwachsenen oder Kindern:

  • verkürzte Konzentrationsfähigkeit (immer in Verbindung mit Alter sehen)
  • erhöhte Ablenkbarkeit
  • häufiges Abschweifen der Gedanken
  • spontanes Aufnehmen anderer Tätigkeiten
  • vorzeitiges Abbrechen von Tätigkeiten
  • häufiger und rascher Wechsel von einer zu einer anderen Tätigkeit
  • schneller Verlust des Interesses an einer Aufgabe

Mögliche Begleitsymptome:

  • Tagesmüdigkeit
  • innere Unruhe, Reizbarkeit
  • Leistungsabfall
  • Schlafstörungen

Mögliche Ursachen:

  • Überlastung, Stress, Zeitdruck ⇒ Beruf, Schule, Freizeit
  • Schlafmangel ⇒ Stress, Sorgen, schlafstörende Faktoren, Erkrankungen (z. B. Schlafapnoe-Syndrom)
  • hoher Fernseh- und/oder Computerkonsum
  • Alkohol-, Kaffee-, Nikotin- oder Drogenkonsum
  • Mangelernährung ⇒ Makro- und Mikronährstoffe fehlen.
  • Bewegungsmangel
  • nichtausreichend therapierte Allergien
  • Hypotonie
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns ⇒ Arteriosklerose
  • Demenzerkrankungen
  • ADS oder ADHS ⇒ nicht nur bei Kindern, auch Erwachsene können betroffen sein.
  • Nebenwirkung von Medikamenten, z. B. Benzodiazepine, Opiate, trizyklische Antidepressiva, typische Neuroleptika, sedierende Antihistaminika, Chemotherapie
  • Symptom einer Erkrankung, z. B. Schilddrüsenunterfunktion, Depressionen, Magersucht, Hyperglykämie, Nierenschwäche, Diabetes mellitus
  • COVID-19 ⇒ auch milde Erkrankungen können Gedächtnis und Aufmerksamkeit über Monate stören.

Unverzüglich zum Arzt/zur Ärztin

Jede unerklärliche Konzentrationsstörung, die entweder akut auftritt, sich verschlechtert oder über eine längere Zeit anhält, muss ärztlich abgeklärt werden.

  • auffällige, zunehmende Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen
  • Vorliegen von Grunderkrankungen ⇒ siehe oben.
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Kinder, Jugendliche
  • Verdacht auf Tinnitus

Selbstmedikation

Zu empfehlen nur bei Konzentrationsstörungen mit bekannter Ursache; wenn die Ursache nicht bekannt ist ⇒ unbedingt ärztlich abklären lassen, ob die Krankheitssymptome nicht auf einer spezifisch zu behandelnden Grunderkrankung beruhen.

  • Ginkgo biloba (Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761®) optimiert die Hirnleistung und verbessert die Sauerstoffversorgung (siehe Epilog).
  • Lecithin spielt eine wichtige Rolle im Zentralnervensystem und ist ein bedeutender Faktor bei der Reizübertragung der Nervenzellen ⇒ Verbesserung der Gehirnfunktion und in weiterer Folge der Merk- und Konzentrationsfähigkeit.
  • Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) verbessern Fließeigenschaften des Blutes.
  • Spermidin ⇒ Vorbeugung des kognitiven Abbaus durch Unterstützung der körpereigenen Autophagie
  • Phosphatidylserin ist ein wichtiger Bestandteil in den Membranen von Nervenzellen.
  • L-Arginin-L-Aspartat verbessert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.
  • OPC (oligomere Procyanidine, Flavonoide) verbessert die Durchblutung im Gehirn.
  • Kurkuma-Extrakt steigert die Denkleistung.
  • Citicolin (Cytidin-5’-Diphosphocholin) ist als Lecithin-Vorstufe am Aufbau und an der Reparatur von Zellmembranen beteiligt und ist außerdem eine Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin.
  • Zink ist an vielen zellulären Vorgängen beteiligt, z. B. auch bei Lern- und Gedächtnisprozessen.
  • Ginseng hilft bei Müdigkeit und nachlassender Konzentration.
  • Wilder Grünhafer führt aufgrund seiner belebenden Wirkung zu einer Anregung des Stoffwechsels.
  • Vitamine, v. a. B-Vitamine, Vitamin E
  • Magnesium steigert die Aktivität des Gehirns.

Beratungstipps

  • ausgewogene Ernährung
  • regelmäßige Bewegung im Freien bei jedem Wetter
  • Ausreichend trinken ⇒ eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 Litern pro Tag wäre zu empfehlen; das Gehirn besteht zu ca. 75 % aus Wasser, und schon ein leichter Flüssigkeitsmangel kann zu Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl führen.
  • Auf einen guten und erholsamen Schlaf achten.
  • Stressvermeidung bzw. -reduktion
  • Bei anspruchsvollen Arbeiten immer wieder Pausen einlegen.
  • Medienkonsum einschränken.
  • Konsum von Koffein, Alkohol und Nikotin einschränken.
  • Beruhigungs- und Aufputschmittel meiden.
  • Vor allem bei älteren Menschen ⇒ soziale Kontakte pflegen, Ausgleich von Schwerhörigkeit durch ein Hörgerät, regelmäßig etwas Neues lernen.

Epilog

Bei „normalen“ Gedächtnisstörungen, vor allem im Alter, können rezeptfreie Präparate sowohl unterstützend als auch prophylaktisch empfohlen werden.

Besonders umfangreich sind die vorliegenden Daten zur Verbesserung der Gedächtnis- und Konzentrationsleistung bei Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761®. Eine symptomatische Wirksamkeit zeigt sich bereits bei ersten kognitiven Defiziten. Vor allem bei regelmäßiger Einnahme konnten eine verbesserte Gedächtnisleistung, eine gesteigerte Arbeitsleistung und Konzentrationsfähigkeit festgestellt werden.

Verbesserte Fließeigenschaften

EGb 761® führt zu einer verbesserten Fließeigenschaft des Blutes, vor allem auch in den kleinen Blutgefäßen des Gehirns. Infolgedessen kommt es zu einer besseren Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Durch eine positive Beeinflussung des cholinergen und dopaminergen Neurotransmittersystems wird die Signalverarbeitung zwischen den einzelnen Nervenzellen gesteigert. Studien zeigen eine Wirksamkeit des ­Ginkgo-Extrakts in der Behandlung von neurokognitiven ­Störungen. In der S3-Leitlinie „Demenzen“ wird das Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761® ausdrücklich als Therapieoption bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz erwähnt.

Ausreichend versorgt lässt „schneller denken“

Das Gehirn ist in jedem Alter zu unglaublichen Leistungen in der Lage. Jedoch reagiert es auch empfindlich, denn seine Leistung nimmt rasch ab, wenn es nicht mit ausreichend Nährstoffen und Energie versorgt wird. Eine mangelnde Versorgung mit wichtigen Vitaminen, Spurenelementen, Mineralstoffen und Aminosäuren wirkt sich negativ auf die Hirnfunktion aus und führt zu einem Abfall der Leistungsfähigkeit mit Konzentrationsstörungen und Müdigkeit. Gerade in stressigen und hektischen Lebensphasen fehlen meist die Zeit und Muße, die Ernährung gesund und ausgewogen zu gestalten. Multivitaminpräparate und Mineralstoffe aus der Apotheke sind daher eine hilfreiche Übergangslösung und Unterstützung, wenn der Organismus auf Hochtouren läuft, denn häufig ist die Ursache für Lernschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen ein Mangel an Mikronährstoffen.

Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) machen nicht nur die Gefäßwände „geschmeidiger“ und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes, sondern sind auch ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen und sorgen somit für einen störungsfreien Informationsfluss im Gehirn.