Erste Hilfe bei Erkältungen

Nicht jeder Infekt der oberen Atemwege erfordert dieselbe Behandlung. Eine kompetente Beratung in der Apotheke kann dabei helfen, harmlose Erkältungen, die bei Erwachsenen zwei- bis viermal jährlich vorkommen, von behandlungsbedürftigen Infektionen zu unterscheiden.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

Oft werden allgemeine Maßnahmen unterschätzt, obwohl sie wesentlich zur Genesung beitragen. Ausreichend Schlaf, erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Luftbefeuchtung und das Meiden von Zigarettenrauch sind vergleichsweise leicht umzusetzen und unterstützen das Immunsystem effektiv.

Individuelle Therapieansätze

Umfragen zufolge wird eine individuell angepasste Beratung von Patient:innen sehr geschätzt. Sie stärkt das Vertrauen nachhaltig und fördert die langfristige Bindung zur Apotheke. Eine personalisierte Therapie mit OTC-Produkten ist durch unterschiedliche Wirkstoffe und Darreichungsformen möglich.

Akuter Schnupfen

Abschwellende, wirkstoffhaltige Nasensprays können kurzfristig eingesetzt werden, um die Atmung zu erleichtern. Der Anwendungszeitraum von 7 Tagen sollte nicht überschritten werden, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Alternativ können Nasentropfen mit Meersalz oder isotonischer Kochsalzlösung angewendet werden, um die Schleimhäute zu pflegen. Zusätzlich helfen Dampfinhalationen, das Nasensekret zu lösen und die Schleimhäute abschwellen zu lassen. Je nach persönlichen Vorlieben können Salze, Kräuterzusätze oder ätherische Öle verwendet werden. Wichtig: Menthol, Kampfer und Eukalyptus sind bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert – sowohl zur Inhalation als auch als Balsam zum Einreiben!

Husten

Bei trockenem Reizhusten, der oft in der Anfangsphase auftritt, können synthetische oder pflanzliche Hustenstiller, wie Eibisch oder Isländisch Moos, vor allem nachts Erleichterung verschaffen. Bei produktivem Husten mit Schleimbildung werden hingegen Expektoranzien oder pflanzliche Präparate mit Thymian oder Efeu empfohlen, wobei auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten ist. Sollte der/die Patient:in eine Mischung aus trockenem und produktivem Husten haben, ist es möglich, tagsüber einen Hustenlöser und nachts einen Hustenstiller anzuwenden. Entscheidend ist, dass die gleichzeitige Gabe von Hustenstillern und Expektoranzien vermieden wird, da dies nicht nur kontraproduktiv, sondern auch potenziell gefährlich sein kann: Der gelöste Schleim kann nicht abgehustet werden, was zu Atemnot führen kann. Eine klare Aufklärung hierzu ist in der Beratung essenziell.

Halsschmerzen

Lutschtabletten mit Antiseptika oder Lokalanästhetika bieten schnelle Linderung. Phytotherapeutisch wirken Salbei, Isländisch Moos, Eibischwurzel oder Spitzwegerich reizlindernd und schleimhautschützend. Bei stärkeren Schmerzen sind systemische Analgetika wie Ibuprofen oder Paracetamol indiziert. Wichtig ist, auf maximale Tagesdosen hinzuweisen, insbesondere wenn der/die Patient:in bereits andere Präparate gegen Erkältungssymptome einnimmt. Red Flags für eine bakterielle Infektion, die eine ärztliche Abklärung erfordert, sind:

  • eitrige (weiß-gelbliche) Beläge auf den Mandeln
  • stark geschwollene, gerötete Mandeln
  • schmerzhafte Lymphknotenschwellung am Hals
  • hohes Fieber über 38,5°C
  • keine anderen Erkältungssymptome wie Schnupfen oder Husten.