Einem akuten viralen Schnupfen, etwa ausgelöst durch Rhino- oder Adenoviren, liegt eine lokale Entzündungsreaktion der Nasenschleimhaut zugrunde. Die Immunantwort auf die Erreger führt zu einer Vasodilatation, einer erhöhten Permeabilität der Gefäßwände und einer gesteigerten Schleimproduktion. Durch die dadurch entstehende Ödembildung schwillt das Gewebe an, und der Atemwegswiderstand in der Nase nimmt spürbar zu. Im Liegen verschärft sich diese Symptomatik zusätzlich. Der hydrostatische Druck im Kopfbereich steigt, wodurch es zu einer venösen Stauung in der Nasenschleimhaut kommt und die entzündungsbedingte Schwellung verstärkt wird. Dieser Effekt erklärt die typische nächtliche Zunahme der Verstopfung. Ist die Nasenatmung stark eingeschränkt, wird im Schlaf zunehmend über den Mund geatmet. Der nasale Luftstrom stimuliert normalerweise reflektorisch die Muskulatur des Rachenraumes und hält die oberen Atemwege offen. Fällt dieser Reiz weg, sinkt die Spannung der Dilatatormuskulatur und die Atemwege verengen sich. Bei der Einatmung entstehen dadurch Turbulenzen, die das erschlaffte Gewebe des Weichgaumens in Schwingung versetzen und so das Schnarchgeräusch auslösen.
Lokal wirksame Alpha-Sympathomimetika wie Xylometazolin oder Oxymetazolin gehören zu den am häufigsten nachgefragten Präparaten bei akutem Schnupfen. Ihre Anwendung sollte auf höchstens 3 Anwendungen täglich und eine Dauer von 7 Tagen begrenzt bleiben. Internationale Leitlinien nennen 10 Tage bei möglichst niedriger Dosierung als absolute Obergrenze. Wird diese überschritten, steigt das Risiko einer Rhinitis medicamentosa deutlich an. Dem liegt eine Gewöhnung der Gefäßrezeptoren an den Wirkstoff zugrunde, die sogenannte Tachyphylaxie. Die abschwellende Wirkung lässt dadurch schneller nach und die Anwendungshäufigkeit nimmt oft unbemerkt zu. Klingt die gefäßverengende Wirkung ab, kommt es reflektorisch zu einer überschießenden Gefäßerweiterung, die das Schleimhautödem stärker ausfallen lässt als vor der ersten Anwendung. Es entsteht ein Kreislauf aus erneutem Sprühstoß und zunehmender Verstopfung, der langfristig zu Schleimhautschäden bis hin zu einer Vergrößerung der Nasenmuscheln führen kann. Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid begünstigen diese Reizwirkung zusätzlich, weshalb konservierungsmittelfreie Präparate vorzuziehen sind. Für die nächtliche Symptomatik hat dieser Mechanismus unmittelbare Folgen. Da die Schleimhaut im Liegen ohnehin stärker durchblutet ist, schwillt sie in den Wirkpausen eines übermäßig genutzten Sprays gerade in der Nacht besonders stark an. Die dadurch verstärkte Mundatmung begünstigt in der Folge ein ausgeprägteres Schnarchen als zu Beginn der Erkältung.
Schnarchen im Rahmen einer akuten Erkältung ist von einer eigenständigen behandlungsbedürftigen Form abzugrenzen. Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ definiert das harmlose, habituelle Schnarchen über 3 Kriterien: ein rein atmungsabhängiges Geräusch, keine eigene Schlafstörung und der Ausschluss einer anderen Atmungsstörung durch schlafmedizinische Diagnostik. Kommen hingegen beobachtete Atempausen, nächtliche Weckreaktionen oder Sauerstoffentsättigungen hinzu, handelt es sich um ein manifestes Schnarchen im Rahmen einer obstruktiven Schlafapnoe, die mit kardiovaskulären Folgeerkrankungen wie Hypertonie oder Schlaganfall assoziiert ist. Für die Beratungssituation eignet sich der STOP-Bang-Fragebogen als niederschwelliges Screening-Instrument. Er erfasst lautes Schnarchen, Tagesmüdigkeit, beobachtete Atempausen, Hypertonie, BMI, Alter, Halsumfang und Geschlecht. Ab einem Summenwert von 3 Punkten gilt das Risiko einer obstruktiven Schlafapnoe als erhöht, ab 6 Punkten deutlich erhöht. Die nasale Obstruktion selbst gilt dabei als eigenständiger Risikofaktor für die Entstehung und Verstärkung von Schnarchen. Eine ärztliche Abklärung sollte empfohlen werden, wenn das Schnarchen über die akute Erkältungsphase hinaus bestehen bleibt und von Bettpartner:innen beobachtete Atemaussetzer, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, morgendliche Kopfschmerzen oder ein erhöhter STOP-Bang-Wert hinzukommen. Auch bestehender Bluthochdruck oder Adipositas rechtfertigen eine weiterführende Diagnostik.