Der Herbst steht vor der Tür und damit der Beginn der Hauptsaison für übertragbare Erkrankungen. Vor allem Kinder, die noch über kein ausgereiftes Immunsystem verfügen, sind oft mehrmals im Jahr von ansteckenden Krankheiten betroffen.
Die Entwicklung des Immunsystems beginnt erst nach der Geburt und dauert bis in die jungen Erwachsenenjahre an. Nach der Geburt beruht der Immunschutz auf der passiven Immunität. Diese setzt sich aus mütterlichen Antikörpern zusammen, die zuerst über die Plazenta und später über die Muttermilch übertragen werden. Letztere enthält vor allem IgA, das eine entscheidende Rolle bei der Immunfunktion an Schleimhautoberflächen spielt. Das unausgereifte angeborene Immunsystem bringt jedoch auch Vorteile. Somit wird sichergestellt, dass einerseits Antigene der Mutter und andererseits der Stress während der Entwicklung toleriert werden. Erst durch den Kontakt mit Pathogenen, Nahrung und Impfungen reift das adaptive Immunsystem samt immunologischem Gedächtnis heran.
Für das reibungslose Funktionieren aller Körperfunktionen ist bei der Ernährung die ausreichende Aufnahme essenzieller Mikronährstoffe von hoher Bedeutung. Obwohl Mangelerscheinungen in Ländern mit einem höheren Einkommen selten sind, können sie, beispielsweise durch eine einseitige Ernährung oder einen hohen Anteil an Fertigprodukten, dennoch vorkommen. Kinder zwischen 4 und 14 Jahren zeigen Studien zufolge häufig Mängel an Vitamin D, Eisen und Selen. Auch Vitamin A (vor allem bei Mädchen über 10 Jahre), Vitamin E, Folat und Zink sind oft unter dem Referenzwert. Lediglich VitaminC, B6, B12 und Kupfer werden im Schnitt ausreichend aufgenommen.1 Bei der Beratung zur Supplementierung ist auf eine altersgerechte Formulierung und Darreichungsform (eventuell Pulver oder Saft) zu achten.
Das kindliche Darmmikrobiom entwickelt sich in den ersten drei Lebensjahren und ähnelt danach zunehmend jenem eines/einer Erwachsenen.2 Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms steht in engem Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit und beeinflusst maßgeblich die Immunfunktion. Studien belegen, dass bestimmte Probiotika über verschiedene Mechanismen eine immunstimulierende Wirkung entfalten können, etwa durch:
Zudem konnte im Zusammenhang mit Probiotika eine erhöhte Produktion von Immunglobulinen, eine gesteigerte Aktivität von Makrophagen und Lymphozyten sowie eine verstärkte Interferon-gamma-Ausschüttung nachgewiesen werden.3
Fast ein Drittel aller Kleinkinder ist von Obstipation betroffen, wobei bis zu 95 % funktionellen Ursprunges sind. Bei etwa der Hälfte der Kleinkinder führen Schmerz und Angst zur Stuhlretention, was einen Teufelskreis auslöst. In weiterer Folge führt der langfristige Stau zu einer Vergrößerung des Rektums und einer Abnahme der Analschleimhautkontraktion. Weitere mögliche Ursachen sind Motilitätsstörungen, etwa durch Dysbiosen der Darmflora ausgelöst, geringe Ballaststoffaufnahme oder Bewegungsmangel.4
Ein Hauptfaktor für eine Mangelernährung im Kindesalter ist die Diarrhö. Sie wird durch Pathogene ausgelöst und führt bei schweren Verläufen (vor allem in einkommensschwachen Ländern) zu einer verminderten Nährstoffabsorption, Schleimhautschäden und Nährstoffverlusten. Mikrobiell ist sie meist mit einer Zunahme von Pseudomonadota (Synonym: Proteobakterien) und einer Abnahme der Bifidobakterien und Laktobazillen verbunden. Die reduzierte bakterielle Vielfalt und veränderte mikrobielle Zusammensetzung kann schwere Folgen mit sich bringen.5
Stress und negative Emotionen können über die Darm-Hirn-Achse direkt auf den Bauch schlagen, wo sie Dysbiosen verursachen. Dadurch kann in weiterer Folge die Durchlässigkeit der Darmbarriere erhöht werden. Mehr Bakterien gelangen in den Kreislauf, und eine Entzündungsreaktion wird ausgelöst. Um den Erhalt einer gesunden Darmflora zu fördern, sollte bei der Ernährung auf ausreichend pflanzliches Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren und Ballaststoffe geachtet werden. Ein niedriger Ballaststoffkonsum kann die Immunfunktion beeinträchtigen, da kurzkettige Fettsäuren, die aus der bakteriellen Fermentation komplexer Kohlenhydrate stammen, für die gesunde Immunfunktion wichtig sind.6
Gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhö und Obstipation sind stark an das Darmmikrobiom gekoppelt. Gastrointestinale Beschwerden sind dabei sowohl Ursache als auch Folge von Dysbiosen. Um bereits vorliegende Dysbiosen zu behandeln oder mögliche Dysbiosen zu vermeiden, sollte auf eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen und Mehrfachzuckern geachtet werden.4 Ergänzend können Prä-, Pro- oder Synbiotika beim Aufbau einer gesunden Darmflora unterstützend wirken, wobei vor allem Laktobazillen und Bifidobakterien in jungen Jahren wichtig sind.2
Ein anderes, aber dennoch nicht zu vernachlässigendes, zu Sommerende auftretendes Problem stellt der Läusebefall dar. Generell sind Kopfläuse in unseren Breiten vor allem bei 5- bis 13-Jährigen in der Zeit rund um den Schulstart zu finden. Die Übertragung erfolgt meist über den direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt; etwa 4–6 Wochen nach Erstbefall treten die typischen Symptome auf. Die Eindämmung der Parasiten ist erschwert, da viele Betroffene symptomlos bleiben. Die Behandlung mit dem Silikonöl Dimeticon hat Studien zufolge eine Wirksamkeit von 97 %. Wichtig für den nachhaltigen Therapieerfolg ist die Behandlung aller befallenen Personen gleichzeitig, um den Ansteckungskreislauf durchbrechen zu können.7
Zuletzt kann den Kindern der Wiedereinstieg in den Schulalltag nicht nur körperlich, sondern auch mental einiges abverlangen. Strukturierte Routinen sind im Sommer nicht immer gegeben und müssen neu etabliert werden. Um die Konzentration und Lernfähigkeit in dieser oftmals aufwühlenden Zeit zu unterstützen, ist auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung zu achten. B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren, Eisen und Zink unterstützen die kognitive Entwicklung. Auch pflanzliche Präparate mit Ginseng oder Ginkgo können bei älteren Kindern die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern.8