Moderne Wundversorgung in der Apotheke

Die Wundheilung verläuft in den Phasen Hämostase, Inflammation, Proliferation und Remodeling. Bereits kleine Abweichungen – etwa eine unzureichende Reinigung oder eine falsch gewählte Wundauflage – können diesen Prozess verzögern. An der Tara stellt daher eine strukturierte Ersteinschätzung die Grundlage jeder Empfehlung dar.

Ersteinschätzung an der Tara

Vor jeder Empfehlung steht die Anamnese zu Wundart, Vorbehandlung und individuellen Rahmenbedingungen. Chronische Wunden oder solche mit Infektionszeichen, wie Rötung, Überwärmung oder eitriger Sekretion, gehören in die ärztliche Hand.

  • Um welche Art von Wunde handelt es sich – akut oder chronisch, oberflächlich oder tief?
  • Hat bei chronischen Wunden bereits eine ärztliche Untersuchung stattgefunden?
  • Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden bereits ergriffen, und welche Präparate aus der Hausapotheke wurden verwendet?
  • Bei Brandwunden: Wann ereignete sich die Verbrennung, und wie erfolgte die Akutversorgung?
  • Bei postoperativen Wunden: Wann fand der Eingriff statt, und welche Nachbehandlung wurde ärztlich empfohlen?

Wundreinigung und Desinfektion

Vor der eigentlichen Wundversorgung sind mechanische Reinigung und Fremdkörperentfernung wichtig. Die Wundspülung erfolgt mit steriler physiologischer Kochsalzlösung (0,9 %) oder Ringer-Lösung. Als Antiseptika sind heute Octenidin und Polyhexanid die Mittel der Wahl – beide sind gewebeverträglich und breitbandantimikrobiell, ohne die Wundheilung zu beeinträchtigen. Ergänzend stehen Wundauflagen mit integrierten antimikrobiellen Wirkstoffen wie Silber oder Jod zur Verfügung.

Feuchte Wundheilung

Ein feuchtes Wundmilieu gilt heute als Standard. Es erleichtert die Keratinozytenmigration, erhält Wachstumsfaktoren im Exsudat, fördert das autolytische Debridement und schützt freiliegende Nervenenden vor dem Austrocknen. Das Ergebnis ist eine raschere Epithelialisierung bei geringerer Narbenbildung.

Die Wahl der Wundauflage richtet sich nach Tiefe, Lokalisation und Exsudatmenge. Ziel ist ein ausgeglichenes Feuchtigkeitsniveau– weder Austrocknung noch Mazeration der Wundränder.
Je nach Situation kommen unterschiedliche Wundauflagen zum Einsatz:

  • Hydrogele versorgen trockene und belegte Wunden mit Feuchtigkeit und unterstützen das autolytische Debridement.
  • Alginate nehmen große Flüssigkeitsmengen auf und eignen sich für stark exsudierende Wunden.
  • Schaumverbände aus Polyurethan absorbieren Exsudat bei gleichzeitigem Erhalt eines feuchten Wundklimas – geeignet für mäßig bis stark nässende Wunden.
  • Hydrokolloide bilden bei Kontakt mit Wundflüssigkeit ein Gel und sind für flache, schwach exsudierende Wunden geeignet.
  • Folienverbände sind semipermeabel und werden für oberflächliche Verletzungen oder als Sekundärverband eingesetzt.
  • Silikonprodukte gelten nach Wundverschluss als Goldstandard zur Narbenprophylaxe und wirken einer hypertrophen Narbenbildung entgegen.