Selbstmedikation für die Prostata

Ab der vierten Lebensdekade kommt es bei vielen Männern zu einer Hyperplasie von Bindegewebs-, Epithel- und/oder glatten Muskelzellen in der Transitionalzone der Prostata. Die Ursachen dieser benignen Prostatahyperplasie (BPH) sind bislang nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass das Zellwachstum zu einer Volumenzunahme der gesamten Prostata führt und dadurch Beschwerden der ableitenden Harnwege verursachen kann. Typische Symptome betreffen vor allem Veränderungen des Miktionsverhaltens wie einen abgeschwächten Harnstrahl, häufigen Harndrang oder Nykturie.

Wichtige Fragen im Beratungsgespräch

  • Wie alt sind Sie?
  • Gab es Veränderungen im Miktionsverhalten?
  • Wann treten die Beschwerden auf?
  • Wurden Sie bereits urologisch untersucht?
  • Gibt es vorliegende Diagnosen?

Hat der Patient bislang keine urologische Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen, sollte diese dringend nachgeholt werden. Neben einer Tast- und Ultraschalluntersuchung werden in der Regel auch Harn und Blut analysiert. Von besonderem Interesse ist dabei der prostataspezifische Antigen-Wert (PSA), der mit Alter und Prostatavolumen korreliert und wichtige Hinweise im diagnostischen Prozess liefern kann.

Red Flags, bei denen sofort zu Ärzt:innen verwiesen werden soll, sind:

  • Hämaturie
  • Hämatospermie
  • Knochenschmerzen
  • schmerzhafte Ejakulation oder erektile Dysfunktion
  • plötzlich oder erstmalig auftretende Miktionsbeschwerden

Allgemeine Empfehlungen

  • Trinkverhalten anpassen: über den Tag verteilt etwa 1,5 Liter Wasser trinken, abends weniger
  • Alkohol und Koffein möglichst meiden, da sie harntreibend wirken
  • scharfe Gewürze reduzieren, da sie die Harnwege irritieren können
  • Infektionsprophylaxe: bei Bedarf durchspülende Blasen- und Nierentees oder Maßnahmen zur Harnansäuerung
  • regelmäßige Blasen- und Darmentleerungen anstreben
  • abends keine Diuretika einnehmen
  • Übergewicht reduzieren

Phytotherapie

Bei leichten Beschwerden im Frühstadium kann eine phytotherapeutische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Diese sollte jedoch stets mit Bedacht erfolgen, idealerweise in ärztlicher Absprache und nicht als Ersatz für eine urologische Abklärung.

Kürbiskerne (Cucurbitae semen, Cucurbitaceae)

Kürbiskerne sind ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, das auf Grundlage langjähriger Anwendung bei Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit BPH oder einer Reizblase eingesetzt werden kann. Die Studienlage ist allerdings begrenzt und weist eine hohe Heterogenität auf.

Sägepalmenfrüchte (Sabalis serrulatae fructus, Arecaceae)

Die Anwendung der Sägepalmenfrüchte zur Behandlung der BPH wird vom HMPC als „medizinisch anerkannt“ eingestuft. Klinische Studien zeigen eine Wirksamkeit bei Miktionsbeschwerden in frühen Stadien des BPS. Die Früchte enthalten neben geringen Mengen an Phytosterolen vor allem freie Fettsäuren. Laut Leitlinie werden diesen unter anderem antiandrogene Wirkungen, eine Hemmung der 5-a-Reduktase, eine Verminderung von Wachstumsfaktoren sowie antiinflammatorische Eigenschaften zugeschrieben. Dennoch ist auch hier die Datenlage uneinheitlich.

Brennnesselwurzel (Urticae radix, Urticaceae)

Studien zu Brennnesselwurzelextrakten liefern teilweise widersprüchliche Ergebnisse, weshalb weitere Untersuchungen, insbesondere hinsichtlich der maximalen Harnflussrate und der Stärke der klinischen Wirksamkeit, notwendig sind. Interessante Resultate zeigen jedoch Analysen mehrerer Studien zu einer Kombination aus Sägepalmen- und Brennnesselextrakten: Die Reduktion der Nykturie war dabei vergleichbar mit den Effekten in Gruppen, die mit Tamsulosin oder Finasterid behandelt wurden.