Die Statintherapie wird im Allgemeinen gut vertragen, unerwünschte Wirkungen sind dennoch möglich. Die statinassoziierten Muskelsymptome (SAMS) umfassen ein breites Spektrum an muskulären Beschwerden, die infolge einer Therapie mit Statinen auftreten können. SAMS zählen zu den häufigsten Gründen für den Abbruch einer Statintherapie, weshalb proaktive Aufklärung in der Beratung für die Therapietreue essenziell ist.2 Sie äußern sich etwa in Form von Myalgie, Muskelkrämpfen, Schwäche oder einem allgemeinen Gefühl von Müdigkeit in den Muskeln.
Der exakte Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Die Vermutung liegt nahe, dass Statine die Funktion der Mitochondrien in den Muskelzellen beeinträchtigen. Darüber hinaus hemmen Statine den Mevalonatweg, wodurch nicht nur der Cholesterinspiegel sinkt, sondern auch die körpereigene Produktion von CoQ10 verringert wird.1
Die Symptome treten meist symmetrisch und an den rumpfnahen Extremitäten auf, etwa an den Oberschenkeln oder Oberarmen. Die Beschwerden beginnen häufig innerhalb von 4–6 Wochen nach Therapiebeginn, die Besserung tritt typischerweise innerhalb von 2 Wochen nach Absetzen des Statins ein.
Apotheker:innen nehmen eine Schlüsselrolle ein, da sie meist die erste Anlaufstelle für Patient:innen sind. Im Beratungsgespräch können Polypharmazie geprüft und mögliche Mikronährstoffmängel frühzeitig erkannt werden. Im Austausch mit den betreuenden Ärzt:innen lassen sich individuelle Lösungen finden. Ein Gespräch zur SAMS-Anamnese könnte folgende Fragen beinhalten:
In der Beratungssituation ist es wichtig zu wissen, dass der Nocebo-Effekt ein wesentlicher Aspekt bei SAMS ist. Studien zeigen, dass Muskelbeschwerden unter verblindeter Statin- und Placebogabe ähnlich häufig auftreten, was die Bedeutung negativer Erwartungshaltungen unterstreicht.3
Um die Beschwerden zu lindern, kann das Statin für 2–4 Wochen abgesetzt werden, um herauszufinden, ob es tatsächlich der Auslöser ist. Eine niedrigere Dosierung oder intermittierende Einnahme können die Verträglichkeit verbessern. Auch ein Wechsel auf ein hydrophiles Statin ist möglich, wobei Metaanalysen zeigen, dass sowohl lipophile als auch hydrophile Wirkstoffe den CoQ10-Spiegel senken.1 Wer die Therapie weiterführen möchte, kann gezielte Maßnahmen ergreifen:
Statine gehören zu den am besten untersuchten Medikamenten und reduzieren das Risiko für schwerwiegende vaskuläre Ereignisse pro 1mmol/l LDL-Senkung um etwa 25 %. Da die Wirksamkeit direkt mit der Therapietreue verknüpft ist, führt ein eigenständiges Absetzen zu einem deutlich höheren kardiovaskulären Risiko. Bezüglich des Einnahmezeitpunktes ist zu beachten, dass Statine mit kurzer Halbwertszeit wie Simvastatin oder Lovastatin abends etwas besser wirken. Bei modernen Statinen mit langer Halbwertszeit wie Atorvastatin und Rosuvastatin ist der Zeitpunkt hingegen flexibler. Hier wird oft die morgendliche Einnahme empfohlen, da diese meist die beste Einnahmetreue gewährleistet. Der Konsum von Grapefruitsaft sollte vermieden werden, da er den Abbau bestimmter Statine wie Atorvastatin, Simvastatin und Lovastatin über das Enzym CYP3A4 hemmt und so das Nebenwirkungspotenzial erhöht. Moderates körperliches Training ist ausdrücklich empfohlen, da es die Lebensqualität steigert und SAMS nicht verschlimmert. Vor Therapiebeginn wird die Bestimmung der Lipoproteine sowie von CK und Alaninaminotransferase (ALT) als Basismessung empfohlen. Eine routinemäßige Kontrolle der Leberwerte ist laut ESC-(European-Society-of-Cardiology-)/EAS-(European-Atherosclerosis-Society-)Leitlinie nicht zwingend erforderlich, da schwere Leberschädigungen sehr selten sind. Eine Kreatininkinase-(CK-)Kontrolle ist nur bei auftretenden Muskelschmerzen indiziert. Das Ansprechen der LDL-Senkung sollte etwa 3 bis 4 Monate nach Beginn kontrolliert werden. 5