Vergesslichkeit oder Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Demenzform. Es ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der spezifische neuropathologische Veränderungen wie die Anhäufung von pathologisch konfigurierten Amyloid-beta-Plaques und neurofibrillären Tangles im Gehirn zu fortschreitendem Verlust von Neuronen und deren Verbindungen führen. Klinisch werden diese neuropathologischen Veränderungen von einer progredienten kognitiven Einschränkung begleitet.

Man weiß heute, dass schon 10 bis 20 Jahre vor dem Auftreten offensichtlicher klinischer Symptome die Ablagerung obengenannter pathologisch geformter Proteine beginnt. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte sich die Definition der Alzheimer-Krankheit zu einem biologischen Krankheitskontinuum. Die präklinische Phase der Alzheimer-Krankheit definiert ein Stadium, in dem frühe neuropathologische Veränderungen vorliegen, aber noch keine oder wenige kognitive Defizite nachweisbar sind. Diese Phase kann klinisch als leichte kognitive Beeinträchtigung („mild cognitive impairment“) oder subjektives kognitives Defizit („subjective cognitive decline“) auffallen. Im Hinblick auf die frühzeitige Einleitung einer gezielten Prävention, den Beginn einer etablierten medikamentösen Therapie, die Aufnahme in eine klinische Studie und die Entwicklung krankheitsmodifizierender Therapien ist genau diese präklinische Phase von entscheidender Bedeutung. Kognitive Risikopatient:innen sollten möglichst frühzeitig in der Entwicklung der neuropathologischen Kaskade identifiziert werden.

Screening-Verfahren für frühe Diagnose

Daher sind Screening-Verfahren, die mit einer hohen Sicherheit einen pathologischen kognitiven Abbau ausschließen bzw. bestätigen können, von großer Bedeutung. Da sich allerdings verschiedene kognitive Funktionen mit dem zunehmenden Alter auch unabhängig von einem krankhaften Geschehen verschlechtern, ist eine Abgrenzung von einem normalen kognitiven Alterungsprozess zu einem krankhaft verlaufenden Alterungsprozess nicht immer einfach zu treffen.

Medikamentöse Behandlung der Alzheimer-Demenz

Obwohl wir heute viel mehr über die Entstehung und den Verlauf von Demenz wissen, sind bisher nur zwei Medikamentenklassen zur Behandlung zugelassen, und ihre Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf sind begrenzt. Für die Behandlung leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz stehen seit vielen Jahren die drei gut untersuchten Acetylcholinesterase-Hemmer Donepezil, Rivastigmin und Galantamin zur Verfügung. Diese verhindern den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin; der Verlust von Nervenzellen wird aber durch diese Medikamente nicht verhindert. Wirksam sind diese Medikamente hinsichtlich der Fähigkeit zur Verrichtung von Alltagsaktivitäten, der Besserung geistiger Funktionen und des medizinischen Gesamteindrucks.

Die Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung kann damit um bis zu einem Jahr hinausgezögert werden. Die meisten Betroffenen vertragen die Medikamente gut. Es können aber Nebenwirkungen auftreten, allen voran Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durchfall und Kopfschmerzen. Bei guter Verträglichkeit wird empfohlen, die Therapie auch in schweren Stadien fortzuführen. Bei mittelschwerer und schwerer Alzheimer-Demenz ist der Glutamatrezeptor-Antagonist Memantin, der einen anderen Wirkmechanismus hat, seit vielen Jahren zugelassen und gut untersucht. Memantin schützt die Nervenzellen vor der störenden und schädlichen Dauerstimulation durch den Überträgerstoff Glutamat, der aus geschädigten benachbarten Nervenzellen freigesetzt wird. Auch diese Medikamente sind hinsichtlich der Fähigkeit zur Verrichtung von Alltagsaktivitäten, der Besserung geistiger Funktionen und des medizinischen Gesamteindrucks wirksam. Eine Behandlung mit Memantin in leichten Stadien wird nicht empfohlen; eine Kombination von Acetylcholinesterase-Hemmern und Memantin kann erwogen werden.

Ausblick

Demenz ist eine komplexe Erkrankung, die mit einer großen Morbidität und Mortalität einhergeht, und die auch sehr hohe direkte und indirekte Kosten für das Gesundheitssystem verursacht. Durch gesteigerte öffentliche Wahrnehmung wird kognitive Gesundheit – und damit auch Vorsorge und Prävention – in den nächsten Jahren ein immer wichtigeres Thema werden. Das gestiegene öffentliche Bewusstsein für Alzheimer und andere Formen der Demenz führte dazu, dass viele besorgte nichtdemente Personen Beruhigung, Informationen und Rat brauchen. Um einerseits das Bedürfnis nach Einschätzung der eigenen kognitiven Gesundheit zu befriedigen und andererseits Patient:innen mit kognitiven Einschränkungen bestmöglich zu betreuen, bedarf es einer intensiven Vernetzung und optimalen Nutzung der bestehenden Ressourcen.

Schlüssel zur Bekämpfung

Die Erforschung von Risikofaktoren erwies sich auf Bevölkerungsebene als sehr wertvoll. Bis zu 40 % der Demenzerkrankungen können vermutlich durch die Verbesserung von zwölf wichtigen Risikofaktoren verhindert werden. Dazu gehören bevölkerungsweite Faktoren – wie Zugang zu Bildung, Ausmaß an Luftverschmutzung, Intensität der körperlichen Aktivität – sowie traditionellere Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck. Es müssen noch viele Fortschritte gemacht werden, bevor wir die Alzheimer-Krankheit oder andere Formen der Demenz aufhalten oder gar heilen können. Gemeinsame und intensive Anstrengungen werden in Zukunft erforderlich sein, um dieses Ziel zu erreichen.