Fortbildungsnachweis 2019: Pflicht erfüllt – im Sinne der Patienten!

ARZT & PRAXIS: Bei der ersten Überprüfung 2016 waren 95 % der Ärzte ihrer Pflicht der ärztlichen Fortbildung nachgekommen. Wie sieht das Ergebnis nun nach der zweiten Überprüfung aus?

Dr. Niedermoser: Bei den 34.578 Ärzten, die mit 1. September 2019 ihren Fortbildungsnachweis erbringen mussten, betrug die Erfüllungsrate bis jetzt erfreuliche 96,52 %. Das sind fast 2 % mehr als zum gleichen Zeitpunkt nach der ersten Überprüfung vor drei Jahren. Insgesamt rechnen wir mit einer Erbringungsquote von etwa 97 % – diese Zahl erfüllt mich mit Stolz! Man sieht ganz deutlich, dass das Thema Fortbildung bei den Ärzten – ich möchte fast sagen – in die DNA übergegangen ist. Fortbildung dient nicht nur einem selbst, sondern auch den Patienten, denen dadurch die beste Medizin ermöglicht wird. Natürlich war den Ärzten regelmäßige Fortbildung auch schon vor der Nachweispflicht wichtig, nur gab es damals die Problematik der Dokumentation. Durch die jetzt vorhandenen elektronischen Tools wie meindfp.at konnte die Dokumentation von Fortbildungspunkten deutlich vereinfacht werden.

 

 

Lassen sich aus der Auswertung eine oder mehrere Subgruppen erkennen, die weniger fortbildungsfreudig sind?

Zwischen niedergelassenen und angestellten Ärzten ist kein Unterschied zu erkennen und auch im Bundesländervergleich gab es kaum Varianzen. Die einzige Gruppe, die durch eine vermehrte Nichterbringung der Fortbildung hervorsticht, ist jene der über 65- bis 70-Jährigen. Darunter sind allerdings auch viele, die demnächst in Pension gehen und aus dem Ärztestand ausscheiden werden.

 

 

Etwa 1.200 Ärzte haben mit Stichtag 1. September 2019 den Fortbildungsnachweis noch nicht erbracht. Wie wird mit diesen Kollegen weiter verfahren und mit welchen Konsequenzen müssen sie rechnen?

Anhand der Erfahrungswerte aus 2016 rechnen wir damit, dass mit Beendigung der Nachfrist ca. 1.000 Ärzte übrig bleiben werden, die ihrer Fortbildungspflicht tatsächlich nicht nachgekommen sind. Diese werden dem Disziplinaranwalt des jeweiligen Bundeslandes angezeigt. Dieser beurteilt dann mit Unterstützung von zwei ärztlichen Beisitzern, ob die Gründe, die der Kollege oder die Kollegin für die Nichterbringung angibt, entschuldbar sind – dann muss der Arzt nur das Verfahren zahlen – oder ob sie nicht entschuldbar sind – dann werden Geldstrafen verhängt. In diesem Zusammenhang möchte ich jedoch betonen, dass man sich nicht von der Fortbildung freikaufen kann.

Angenommen, jemand hat sowohl 2016 als auch 2019 den Fortbildungsnachweis – ohne entschuldbaren Grund – nicht erbracht …

In diesem Fall wird man die Vertrauenswürdigkeit dieser Person hinterfragen müssen. Dafür ist in der Österreichischen Ärztekammer der Vertrauenssenat, bestehend aus unabhängigen Richtern, zuständig. Dieser kann dem Präsidenten der Ärztekammer vorschlagen, dass einem Arzt das Vertrauen abgesprochen wird, woraufhin dieser für einige Zeit oder auch für immer aus der Ärzteliste gestrichen wird. Das ist zwar bisher noch nicht vorgekommen, aber grundsätzlich möglich. Wer sich permanent der Fortbildung verweigert, ist aus meiner Sicht nicht vertrauenswürdig und hat im Ärztestand nichts zu suchen.

 

 

Welche Gründe werden für die Nichterbringung des Fortbildungsnachweises genannt?

Vom aktuellen Kollektiv kennen wir die Gründe noch nicht, erfahrungsgemäß handelt es sich in den meisten Fällen jedoch um Ausreden. Nur selten liegen wirklich stichhaltige Gründe vor, warum jemand seinen Fortbildungsnachweis nicht erbringen konnte. An einem Mangel an Information kann es jedenfalls nicht liegen. Und so schwierig ist es auch nicht: Ich selbst bin selten auf großen Kongressen und kann trotzdem ohne Probleme allein durch Präsenzveranstaltungen die notwendigen Fortbildungspunkte erreichen.

Wird der Fortbildungsnachweis auch in Zukunft in dieser Form weitergeführt werden?

Wir arbeiten schon länger auf eine Harmonisierung des Fortbildungsnachweises und der Gültigkeit des Diploms hin. Dafür braucht es jedoch eine Änderung des Ärztegesetzes. Dieses Projekt hat sich aufgrund der häufigen Regierungswechsel leider verzögert. Ziel ist, dass sowohl der Überprüfungszeitraum als auch die Gültigkeitsdauer des Fortbildungsdiploms 5 Jahre betragen. Aktuell und solange sich das Gesetz nicht geändert hat, müssen wir jedoch davon ausgehen, dass die nächste Überprüfung in 3 Jahren, also im September 2022 stattfinden wird.

Welche Optimierungsmaßnahmen bei Fortbildung und Dokumentation konnten umgesetzt werden?

In den vergangenen Jahren konnten wir bereits vieles verbessern und erleichtern. Es ist schön, zu sehen, wie gut das funktioniert und angenommen wird. Von den 34.578 Ärzten, die aktuell den Fortbildungsnachweis erfüllen mussten, nützen 97 % das elektronische Konto meindfp.at. Viele Kollegen, die sich vor dem Fortbildungsnachweis 2016 erstmalig bei ihrem Konto angemeldet haben, konnten erfreut feststellen, dass sie ihre Punkte bereits erreicht hatten. Die akkreditierten Fortbildungsveranstalter hatten den Teilnehmern die DFP-Punkte bereits aufgebucht. Durch diesen Vorgang wird die Papierarbeit quasi auf null reduziert, was auch von den Kollegen sehr geschätzt wird. Nachweise von Fortbildungsveranstaltungen aus dem Ausland werden einfach eingescannt und hochgeladen und im Anschluss von den Ärztekammern der Bundesländer überprüft und freigeschaltet. Wir sind bemüht, meindfp.at und den DFP-Kalender auch weiter sukzessive zu verbessern.

 

 

Viele Ärzte absolvieren mittlerweile elektronische Fortbildungen in Form von Online-Literatur, E-Learnings, Lehrvideos oder Podcasts. Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen ein?

E-Learning ist zu einem wichtigen Bereich in der Fortbildung geworden. Wir sehen, dass der Generationenwechsel bald vollzogen sein wird – weg vom Papier, hin zur elektronischen Fortbildung, mit dem Vorteil, dass man sie überall und zeitlich flexibel nutzen kann. Aus diesem Grund ist uns auch eine gute technische Umsetzung wichtig, etwa dass das E-Learning auf allen Endgeräten – Laptop, Tablet oder Smartphone – optimal angezeigt und absolviert werden kann. Ich bin überzeugt davon, dass die Zahl der elektronischen Fortbildungsangebote weiter zunehmen wird, sie wird aber dennoch immer nur ein Teil der Fortbildung bleiben.

Sie sprechen damit die Präsenzveranstaltungen an …

Genau. Durch den persönlichen, interkollegialen Austausch ergibt sich bei Veranstaltungen und Kongressen die Möglichkeit, auf individuelle Probleme einzugehen und voneinander zu lernen. Diese Option fehlt mir beim E-Learning, weswegen es die Präsenzveranstaltung nie vollständig ersetzen kann. Aus diesem Grund lehnen wir auch im DFP-Ausschuss eine rein elektronische Fortbildung ab und bestehen darauf, dass ein Teil der Fortbildungspunkte aus Präsenzveranstaltungen stammt.

Wie stehen Sie in diesem Zusammenhang zu Webinaren? Diese werden entweder live oder im Anschluss an einen Kongress bzw. eine Veranstaltung als Videomitschnitt angeboten.

Webinare sind ein neues Tool der Fortbildung, das natürlich seine Vorteile hat. Hier ist besonders wichtig, dass unsere Approbatoren ein Gefühl für Qualität und qualitätsvolle Aufbereitung entwickeln. Wir veranstalten jährlich einen Workshop, bei dem wir auf diese neuen Thematiken eingehen und unsere Approbatoren diesbezüglich weiterbilden. Insgesamt brauchen wir eine Mischung aus dem elektronischen bzw. dem Print- Fortbildungsangebot und der Präsenzveranstaltung.

Stichwort Qualität: 2019 waren 34.000 Fortbildungen im DFP-Kalender gelistet. Wie gelingt es bei dieser Anzahl an Angeboten, die Qualität der Fortbildungen sicherzustellen?

Im Bereich der Qualität wird es wohl immer Verbesserungspotenzial geben. Dass bei dieser Menge an Fortbildungen ein kleiner Prozentsatz durchrutscht, der nicht ganz DFP-konform ist, damit müssen wir rechnen. Umgekehrt muss man aber betonen, dass die Fortbildungsanbieter wirklich sehr genau auf den Inhalt und die Aufbereitung achten und ein starkes Bewusstsein dafür haben, wie wichtig Qualität in diesem Bereich ist.
Auch vonseiten der Akademie kontrollieren wir sehr genau. Etwa 7–10 % der akkreditierten Veranstalter, die einmal das Recht bekommen haben, Fortbildungen ohne Einzelkontrolle online zu stellen, werden von uns jährlich überprüft. Bei Auffälligkeiten wird eine Verwarnung ausgesprochen; tritt in der Folge keine Verbesserung ein, wird dem Veranstalter die Akkreditierung entzogen.
Bei den Sitzungen der DFP-Approbatoren wird die Sensibilität gesteigert, damit Veranstaltungen gemeldet werden, die nicht DFP-konform sind, und im Ernstfall eine Punktevergabe anlehnt.

Ein großer Teil der Fortbildungen ist auf die Unterstützung durch die Pharmaindustrie angewiesen. Wirkt sich das auf die Neutralität der Inhalte aus?

Grundsätzlich haben wir eine klare Regelung, die die Qualität auch bei gesponserten Fortbildungen sicherstellt. Was man noch mehr transportieren und kommunizieren muss, ist der Interessenkonflikt, der bei allen Fortbildungen offengelegt werden muss. Dann kann sich jeder ein Bild vom Autor bzw. Vortragenden machen. Ich sage immer, man wird in jeder Minute des Tages durch seine Umwelt beeinflusst. Aber wenn man weiß, wer beeinflusst, dann kann man sich auch seine eigene Meinung dazu bilden.
Der Idealzustand wäre natürlich, dass jede Fortbildung vom Dienstgeber bzw. im Kassenbereich von der öffentlichen Hand finanziert wird. Das würde dann wirklich Unabhängigkeit schaffen, lässt sich aufgrund der Kosten jedoch nicht umsetzen. Die Industrie wird daher immer unser Partner in der Fortbildung bleiben, und darin sehe ich auch kein Problem. Den Missbrauch, der zum Teil in früheren Jahren stattgefunden hat, gibt es heutzutage nicht mehr.

Wie lautet Ihr Fazit zum Fortbildungsnachweis 2019?

Wir Ärzte sind die einzige Berufsgruppe, die sich mit so viel Engagement und in diesem Umfang fortbildet. Das soll durchaus auch ein Vorbild für andere Berufsgruppen sein, bei denen es bei Weitem nicht diese verpflichtende Struktur gibt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um danke zu sagen – allen engagierten Kolleginnen und Kollegen, die Fortbildung absolvieren, aber auch jenen, die Fortbildung machen, publizieren und anbieten. Ohne sie würden wir es als Akademie der Ärzte nicht schaffen, ein so breites Fortbildungsangebot zur Verfügung zu stellen. Dafür braucht es eben diese Partner in der Zusammenarbeit – und die funktioniert toll!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Fotos: MedMedia Verlag – Oliver Miller-Aichholz

Interview mit: Dr. Peter Niedermoser

Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Österreichischen Akademie der Ärzte


AutorIn: Dr. Isabella Bartmann

A&P 02|2020

Herausgeber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH
Publikationsdatum: 2020-03-03