Kutane Immuntherapie-Nebenwirkungen: Gezielte Immunmodulation als steroidsparender Ansatz

Bei therapierefraktären Hautreaktionen unter Immuncheckpoint-Inhibitoren kommen zunehmend gezielte Immunmodulatoren zum Einsatz. Yevgeniy R. Semenov stellte Daten zu Dupilumab und JAK-Inhibitoren vor. Neben dem Ansprechen ging es um mögliche Auswirkungen auf die Tumorprognose.

Dupilumab wurde in einer multiinstitutionellen retrospektiven Kohorte mit 53 Patient:innen mit überwiegend höhergradigen, refraktären kutanen immunvermittelten Nebenwirkungen untersucht. Als Vergleich dienten zwei gematchte Kontrollgruppen mit jeweils 106 Patient:innen ohne Dupilumab-Behandlung, mit beziehungsweise ohne kutane Nebenwirkungen. Unter Dupilumab erreichten 47 Patient:innen (88,7 %) eine vollständige oder partielle Rückbildung der Hautreaktionen.1 In der multivariablen Cox-Regression mit zeitvariablen Behandlungsexpositionen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben gegenüber den Kontrollen mit kutanen Nebenwirkungen (HR 0,74, 95-%-KI 0,35–1,60) oder ohne kutane Nebenwirkungen (HR 0,70, 95-%-KI 0,32–1,51). Die breiten Konfidenzintervalle lassen einen Überlebensnachteil allerdings nicht sicher ausschließen. Systemische Glukokortikoidgabe war mit schlechterem Gesamtüberleben assoziiert. Ein ursächlicher Steroideffekt ist damit nicht belegt, da unter anderem die Schwere der Nebenwirkungen die Ergebnisse beeinflussen kann.1

Eine retrospektive JAK-Untersuchung verglich 27 Patient:innen mit schweren, refraktären immunvermittelten Nebenwirkungen mit 83 steroidbehandelten Kontrollen. Die Nebenwirkungen betrafen verschiedene Organsysteme, nur fünf Patient:innen hatten kutane Manifestationen. Insgesamt erreichten 18 Patient:innen eine vollständige und fünf eine partielle Rückbildung der Nebenwirkung.2 Nach Adjustierung waren die Unterschiede im progressionsfreien Überleben (HR 1,65, 95-%-KI 0,91–2,99) und im Gesamtüberleben (HR 0,89, 95-%-KI 0,40–1,98) nicht statistisch signifikant. Insbesondere eine relevante Verschlechterung des progressionsfreien Überlebens lässt sich jedoch nicht ausschließen. Eine onkologische Gleichwertigkeit gegenüber einer steroidbasierten Behandlung ist damit nicht nachgewiesen.2

Fazit für die Praxis: Die Ergebnisse liefern Hinweise auf den Nutzen gezielter Immunmodulation bei refraktären Verläufen. Für einen generellen Ersatz systemischer Glukokortikoide reichen die bisherigen Daten nicht aus. Prospektive Vergleichsstudien müssen klären, wie sich Nebenwirkungen wirksam kontrollieren lassen, ohne die Tumorbehandlung zu beeinträchtigen.