Penis- und Hodenkarzinom

Peniskarzinom

Ottenhof S et al., Tumour escape in the microenvironment of penile squamous cell carcinoma; immune factors and clinicopathological predictors of lymph node metastasis and disease specific survival – Abstract #26

Das Wechselspiel zwischen Tumor und Immunsystem ist komplex. Tumore können durch zytotoxische T-Zellen (CTL) angegriffen und so eliminiert werden. Allerdings haben Tumore Strategien entwickelt, dem Angriff des Immunsystems zu entgehen. So ist z.B. der durch Tumorzellen oder tumorinfiltrierende Makrophagen (TIM) exprimierte PD-L1 Rezeptor in der Lage, CTLs zu deaktivieren, was jedoch durch die neue Medikamentengruppe der Checkpoint-Inhibitoren verhindert werden kann.  Ziel dieser Studie war es Einblicke in immunologische Faktoren, ihre biologischen Interaktionen und ihren prognostischen Wert für Lymphknotenmetastasierung und krankheitsspezifisches Überleben (DSS) im Peniskarzinom zu generieren.

Studie: Insgesamt wurden FFPE-Proben von 213 Peniskarzinompatienten, die zwischen 2000 und 2009 operiert wurden, untersucht. Erhoben wurden HPV-Status, HLA-Klasse-I-Expression auf dem Tumor, PD-L1-Tumorexpression, PD-L1-Expression auf TIMs sowie die Verteilung der PD-L1-Expression im Gewebe (diffus oder mehrheitlich am Tumor-Stroma-Rand). Im Tumor und Stroma wurden der CTL-Marker CD8, der für regulatorische T-Zellen relevante Marker FoxP3 und der M2-Makrophagen-Marker CD163 bestimmt. Highrisk-HPV-negative Patienten wurden in einer Subgruppe analysiert.

Das Ergebnis: Die multivariate Analyse bestätigte den Zusammenhang zwischen Highrisk-HPV-positiven Tumor und einer besseren DSS-Prognose für Peniskarzinompatienten. Zusätzlich zeigte sich, dass eine diffuse PD-L1-Expression im Gewebe mit einem signifikant höheren Risiko einer Lymphknotenmetastasierung verbunden war. Diese Korrelation zwischen PD-L1- Expression und Lymphknotenmetastasierung und einer schlechteren DSS-Prognose wurde auch in der Subgruppe der Highrisk-HPV-negativen Patienten beobachtet.

Kommentar Univ.-Prof. Dr. S. F. Shariat: Das Muster der PD-L1-Expression hat eine Rolle als prädiktiver Marker für Lymphknotenmetastasen im Peniskarzinom. Es ergibt sich damit außerdem eine Rationale für den Zweitlinien-Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren in dieser seltenen Tumorentität.

 


 
Hölters S et al., Relevance of HPV-status and histopathology for prognosis and miRNA expression in patients with penile carcinoma – Abstract #28

Das Plattenepithelkarzinom stellt die Mehrheit der malignen Peniskarzonome dar. 50% dieser Tumoren sind HPV-assoziiert, allerdings wird über die Wertigkeit von HPV hinsichtlich Prognose kontrovers diskutiert. Zudem ist das Wissen über molekularbiologische Prozesse der Tumorgenese und der Metastasierung in Bezug af HPV limitiert. Ziel dieser internationalen Multicenter-Studie war es, prognostische Marker für das Plattenepithelkarzinom des Penis zu identifizieren.

Studie: In die Studie wurden 123 Patienten aus Russland und Deutschland inkludiert. Die Tumoren wurden nach der neuen WHO-Klassifikation 2016 klassifiziert, desweiteren wurde eine HPV-Genotypisierung und eine immunhistochemische Färbung von p16 vorgenommen. Die klinischen Daten wurden mit dem histologischen Subtyp und dem HPV-Status korreliert. Für jeden Subtyp wurden metastasierte und nicht-metastasierte Tumoren selektiert. Es erfolgte zusätzlich eine microRNA-Expressionsanalyse der Tumoren.

Das Ergebnis: Es wurde kein Unterschied zwischen karzinom-spezifischen (CSS) und progressionsfreiem Überleben (PFS) zwischen HPV-positiven und HPV-negativen Tumoren beobachtet. Das CSS war mit dem histologischen Subtyp in Kombination mit dem HPV-Status assoziiert, wobei das schlechteste Outcome bei HPV-assoziierten Basalkarzinomen und das beste Outcome bei nicht-HPV-assoziierten warzenförmigen Karzinomen des Penis beobachtet wurde. Wurde der HPV-Status in den histologischen Subtypen berücksichtigt, zeigten HPV-assoziierte Patienten ein besseres CSS und PFS. Die micro-RNA-Profile variierten signifikant zwischen den histologischen Subtypen. Innerhalb der Subtypen unterschieden micro-RNAs zwischen Tumor und korrespondierendem gesunden Gewebe sowie zwischen metastasierten und nicht-metastasierten Tumoren

FAZIT: Die Ergebnisse zeigen, dass der histologische Subtyp in Kombination mit dem HPV-Status, nicht aber der HPV-Status allein in die Krankheitsprognose einfließen sollte. Die unterschiedlich exprimierten micro-RNAs könnten als molekulare Marker für die Prognose fungieren und weitere Einblicke in die molekulare Pathogenese des Plattenepithelkarzinoms des Penis ermöglichen.

 


 
Ottenhof S et al., Use of FDG-PET/CT for staging pelvic lymph nodes in 100 patients with penile carcinoma – Abstract #29

Das Risiko einer pelvinen Lymphknotenmetastasierung kann nach inguinaler Lymphknoten-Dissektion – basierend auf pathologischen Eigenschaften der inguinalen Probe – vorhergesagt werden. Konventionelle Bildgebungsmodalitäten wie CT und MRT haben zwar eine hohe Spezifität, aber eine geringe Sensitivität. In einer retrospektiven Kohorte wurde nun die diagnostische Genauigkeit von FDG-PET/CT für das Staging pelviner Lymphknoten bei Peniskarzinom-Patienten mit bestätigten inguinalen Metastasen untersucht.

Studie: PET/CT-Scans folgender Patienten wurden inkludiert: bilaterale Metastasen bzw. immobile inguinale Metastasen (cN2-cN3), positive Feinnadel-Aspirationszytologie oder positive Exzisionsbiopsie eines inguinalen Lymphknotens. Als Referenzen für die PET/CT-Untersuchungen wurden die Ergebnisse aus PLND (pelviner Lymphadenektomie) oder positiver Bildgebung bzw. Follow-Up von mindestens einem Jahr herangezogen. Die Ergebnisse wurden pro Seite (links, rechts) und pro Patient evaluiert.

Das Ergebnis: Für die Analyse wurden 95 Scans und 174 pelvine Stellen inkludiert. Als Referenzen dienten eine PLND an 67 pelvinen Stellen, Bildgebung von 33 pelvinen Stellen und ein Follow-Up von mindestens einem Jahr von 74 pelvinen Stellen. FDG-PET/CT zeigte eine Sensitivität von 77%, eine Spezifität von 88%, einen positiven prädiktiven Wert von 67% und einen negativen prädiktiven Wert von 92% in der Evaluation pro pelviner Seite. In der per-patient Analyse betrug die Sensitivität 80%, die Spezifität 77%, der positive bzw. negative prädiktive Wert ​​71% bzw. 85%.

FAZIT: FDG-PET/CT zeigte in dieser Kohorte eine gute Performance für ein Staging pelviner Lymphknoten bei Peniskarzinom-Patienten mit inguinalen Metastasen. FDG-PET/CT zeichnete sich durch eine weitaus höhere Sensitivität verglichen mit jener von CT und MRT sowie durch eine hohe Spezifität aus. PET/CT könnte daher ein nützliches Tool in der Entscheidungsfindung für eine pelvine Lymphadenektomie sein.

Anmerkung Univ.-Prof. Dr. S. F. Shariat: Es handelt sich mit Blick auf die definierten Endpunkte um eine interessante Studie bezüglich der Anwendung des PET/CTs zum Staging in der klinischen Praxis. Der hohe negativ prädiktive Wert ist überzeugend.

 


 

Hodenkarzinom

Franceschelli A et al., Time for a change in the management of small testicular masses: Results of a large multicentric retrospective study on testis sparing surgery – Abstract #788

Organerhalt beim Hodentumor? Die radikale Orchiektomie bzw. die Ablatio testis gilt als der Goldstandard zur Behandlungmaligner Hodentumoren. Es gilt der Grundsatz, dass jeder Hoden mit einer suspekten bzw. malignen Raumforderung entfernt werden muss. Allerdings werden dank des diagnostischen Fortschritts immer mehr kleine Raumforderungen detektiert, die größtenteils gutartigen Veränderungen entsprechen. Aus mehrerlei Gründen wird die Organerhaltung des Hodens seit Jahren zunehmend angestrebt. In dieser großen retrospektiven Multicenter-Studie wurden Ergebnisse zur Organerhaltung bei kleinen Raumforderungen (<2cm) präsentiert.

Das Ergebnis: Evaluiert wurden 147 Patienten (Durchschnittsalter 22 Jahre) mit einem hodenerhaltenden Eingriff bei einer Raumforderung von <2cm ohne erhöhte Serumtumormarker. Während der OP erfolgte ein Schnellschnitt, anschließend wurde bei Patienten mit malignen Läsionen eine radikale Orchiektomie durchgeführt. Von den 147 Patienten hatten 21 einen malignen Tumor und 126 eine benigne Raumforderung. Bei maligner Raumforderung erfolgte ein mittleres Follow-Up ohne adjuvante Therapie von 24 Monaten, es wurde über kein Rezidiv berichtet. Die ROC-Analyse zeigte benigne Läsionen in 92,6% der Raumforderungen <1cm und in 73,1% mit einer Raumforderung zwischen 1 und 2 cm.

FAZIT: Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass eine hodenerhaltende Chirurgie bei einer Raumfoderung von <1 cm sicher durchführbar ist und als neuer Standard eingeführt werden sollte.

 


 
Lusch A et al., The PRIMETEST trial – interim results of a phase II trial for primary retroperitoneal lymph node dissection (RPLND) in Stage II A/B seminoma patients without adjuvant treatment – Abstract #791

Am EAU wurden die Interimsergebnisse der Phase-II-Studie (PRIMETEST) zur primären pelvinen Lymphadenektomie (RPLND) bei Stage II A/B-Seminompatienten ohne adjuvante Therapie vorgesellt. Evaluiert wurden peri/post-OP-Ergebnisse und das rezidivfreie Überleben einer ersten Machbarkeitsstudie und der Phase-II-Studie der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Düsseldorf.

18 Stage-II A/B-Seminompatienten sowie ein Patient mit markernegativer 5,8 cm Läsion 7 Jahre nach initialer Diagnosis erhielten eine RPLND (offen oder DaVinci) anstatt zusätzlich Radiatio bzw. Chemotherapie.

Das Ergebnis: Eine primäre RPLND wurde in 4 Patienten mit CSIIA (retroperitoneale Lymphknoten <2cm im transversalen Durchmesser) durchgeführt, und 10 Patienten mit frühem bzw. 5 mit spätem Rezidiv erhielten ebenfalls eine RPLND. 4 der 15 Patienten mit Rezidiv wurden mit einem adjuvanten Zyklus Carboplatin vorbehandelt.

Das Follow-Up lag zwischen 2 und 44 Monaten. 15 der 19 Patienten blieben tumorfrei, bei 4 kam es zu einem Rezidiv (3 Patienten 3 Monate nach RPLND, 1 Patient 9 Monate nach RPLND; 3x outside field-Rezidive, 1x inside field-Rezidiv). Die Salvage-Therapie erfolgte in einem Fall mit Radiatio (36Gy) und in drei Fällen mit Chemotherapie (4xPE bzw. 2xBEP). Derzeit befinden sich alle Patienten in Komplettremission.

FAZIT: Die Studienautoren konkludieren, dass eine primäre RPLND bei Stage II A/B-Seminomen eine experimentelle Therapieform ist und auf Basis der vorliegenden Interimsanalyse nur innerhalb klinischer Studien in high-volume-Zentren angeboten werden sollte.