Erstmals widmet sich eine eigene Leitlinie der Schnittstelle von kardiovaskulärer Erkrankung (CVD) und chronischer Nierenerkrankung (CKD). Dabei wird CKD nicht mehr primär als nephrologische Komorbidität verstanden, sondern als integraler Bestandteil der kardiovaskulären Risikostratifizierung und Therapie, so Prof. Zelniker.
Die Guideline-Task-Force entwickelte eine neues „STAMP on CKD“-Konzept. Das Akronym STAMP steht dabei für Screen, Triage, Address CKD risk, Modify CVD Management und Plan health services. Bei allen Patient:innen mit CVD soll aktiv nach einer CKD gesucht werden – mittels Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und Albuminurie (Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin).
CKD ist ein Marker für ein hohes CV-Risiko und verlangt nach einem frühzeitigen Einsatz geeigneter risikomodifzierender Therapien. Für die meisten CKD-Patient:innen werden ein ACE-Hemmer oder ein ARB sowie ein SGLT2-Hemmer empfohlen, um das Risiko eines Fortschreitens der CKD und von CVD zu senken. Bei Patient:innen mit CKD, Typ-2-Diabetes und Albuminurie wird eine Therapie mit einem nichtsteroidalen MRA (Finerenon) und einem GLP-1-RA (Semaglutid) empfohlen. Die Leitlinien heben Schlüsselsituationen hervor, in denen aufgrund einer verminderten eGFR Anpassungen im Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erforderlich sind. Eine Verschlechterung der Nierenfunktion sollte jedoch stets im klinischen Kontext beurteilt werden und nicht zum reflexartigen Absetzen einer wirksamen Therapie führen.