Das Schlusswort: Wo bleibt Aristoteles?

Österreich erlebt eine wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Umbruchsphase wie kaum je zuvor. Der Unterschied zu früheren Umbruchsphasen ist leicht erklärt: Uns fehlen heute die Staatstheoretiker und Vordenker, die Lösungen skizzieren konnten und auch beherzt an die Umsetzung gingen, die Ideen hatten und innovative Konzepte bis zum Ende durchdachten. Heute reagieren entschiedene Vielleicht-Sager und digitale Wirtshaustisch-Diskutanten lediglich reflexartig auf das, was tagtäglich passiert, und scheinen den Bezug zur Realität verloren zu haben. Längst anstehende Fragen wie jene im Zusammenhang mit Migration, Digitalisierung, Arbeitslosigkeit oder dem demografischen Wandel lassen langfristige Konzepte vermissen. Politiker posten sich in 140 Zeichen ihre oft sehr persönliche Meinung von der Seele oder in sozialen Netzwerken wenig staatsmännische Inhalte. Nichts davon hilft, und schon gar nicht nachhaltig.So radikal ist der Wandel nun auch wieder nicht, dass nicht bestimmte Entwicklungen bei etwas besonnener Betrachtung ihre Schatten vorauswerfen würden. Dass wir im Gesundheitswesen ohne Innovationen nicht mehr reüssieren können, liegt seit Jahren auf der Hand und nur an der Kostenschraube zu drehen oder den Unternehmen sowie Gesundheitsdienstleistern noch mehr Regulierungen aufzuerlegen, ist wenig innovativ. Es braucht wohl auch Innovationen in den politischen und wirtschaftlichen Reihen, um für unsere Branche wieder positive Impulse zu erkennen. Wir haben uns in der Vergangenheit immer wieder als Ansprechpartner angeboten und wollen das auch weiterhin gerne tun, um die gesundheitspolitische und -wirtschaftliche Zukunft in unserem Land aktiv mitzugestalten. Warum gerade wir? Weil wir abseits aller Regulierungen, die uns immer wieder aufoktroyiert werden, mit unseren Mitgliedsunternehmen unermüdlich am Ball bleiben, die wirtschaftliche Realität bestmöglich im Sinne der Patienten und der Gesundheitsdienstleister zu gestalten. Manchmal fühlen wir uns dabei wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft. Manchmal aber auch wie Aristoteles, der ein Stück Geschichte geschrieben hat. Unsere Arbeits- und Branchengruppen sind bestückt mit Experten, die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft immer wieder auf Innovationen hinweisen, wie zum Beispiel die sektorenübergreifende Finanzierung oder die Initiative Wund?Gesund!. Die AUSTROMED-Experten wissen aus dem täglichen Kontakt mit Kunden – ob Kollegen, Ärzte, Pfleger oder Patienten – sehr genau, wo der Schuh drückt und welche Innovationen zu einer Durchlüftung der verkrusteten Strukturen beitragen können. Damit meine ich nicht nur medizinisch-technische Neuerungen, sondern auch Prozesse oder Strukturen, die dringend den realen Marktentwicklungen anpasst werden müssen. Ob es die fehlenden Benannten Stellen sind, die Neuzulassungen schwierig machen, oder der Fachkräftemangel, der sich in vielen Bereichen bemerkbar macht. Die Vertreter der Arbeits- und Branchengruppen sitzen nicht hinter ihren Schreibtischen, sondern sind am Puls der Zeit und kennen die Lage „draußen“ bei den Patienten und Gesundheitsdienstleistern sehr genau. Wir werden nicht aufhören, unermüdlich Vorschläge zu bringen, Ideen vorzudenken und Lösungen zu suchen. Wir werden in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unseren Beitrag leisten, damit Österreich in Sachen Innovationen nicht zum europäischen Schlusslicht abfällt und damit Mehrkosten für das System und Nachteile für die Patienten schafft.

Ihr
Gerald Gschlössl

AutorIn: Gerald Gschlössl

Präsident AUSTROMED

Foto: studio horak


MP 03|2017

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2017-06-20