Im Gespräch mit DI Peter Bottig

Wo findet sich In-vitro Diagnostik in unserem Alltag?

Es gibt Anwendungen für Gesunde, die auch Patienten selbst durchführen können, wie etwa den Schwangerschaftstest. Die rund 800.000 Diabetespatienten in Österreich sind ein gutes Beispiel, wie In-vitro Diagnostika dabei helfen festzustellen, ob bestehende Therapien richtig greifen. In der Onkologie werden oft sehr teure Medikamente eingesetzt, auch hier ist es wichtig festzustellen, ob die Therapie bei genau diesem Patienten wirkt und ob sie überhaupt eingenommen wird.

Wir haben in den letzten Monaten viel über Testqualität gehört. Welche Schritte sind dabei wichtig?

Die Qualität eines Ergebnisses, das in der Regel zu einem ärztlichen Befund und damit zu weitergehender Therapie führt, wird – auch durch die gesetzlichen Vorschriften – großgeschrieben. Die reine Testqualität, also die Qualität der eingesetzten Produkte, ist nur ein Teil der Befundqualität. Es geht um die richtige Abnahme der Probe, den Transport, die Analyse und schließlich die Bewertung der Ergebnisse. Die gesamte Prozesskette steht für „Qualität“.

Wie sind die Betriebe der ­heimischen In-vitro Diagnostik ­aufgestellt?

Die Branchengruppenmitglieder verfügen über Expertise, die dank der geringen Fluktuation der Mitarbeiter und Führungskräfte in diesem Bereich über Jahrzehnte gewachsen ist. Wir sprechen hier von Mitarbeitern, die über 20 Jahre in dieser Branche arbeiten, und ich denke, dieses „Schwarmwissen“ wird zu wenig genutzt. Diese Expertise sollte für alle Stakeholder ein Angebot sein, es auch zu nutzen, Fragen zu stellen und uns zu kontaktieren.

Wie beurteilen Sie die Zulassung von ­COVID-19-Wohnzimmertests?

Ich denke, dass man die Durchführung der Bevölkerung schon zutrauen kann. Kritisch sehe ich in diesem Zusammenhang viel mehr die Legalisierung durch die Hintertür und die Beschaffung der Tests ohne passendes Vergabeverfahren. Eine Pandemie darf nicht die Ausrede für rechtswidriges Verhalten sein.

Was Labordiagnostik leistet

Labordiagnostik ist eine wertvolle und gleichzeitig kosteneffiziente ­Unterstützung für das Gesundheitssystem. Ihre Ergebnisse beeinflussen 70 % aller klinischen Entscheidungen, die Kosten dafür machen aber europaweit nur 0,8 % der Gesundheitsausgaben aus. Punktgenaue, frühe Diagnose und Therapie helfen, Komplikationen und schwere Eingriffe zu vermeiden und Geld im System zu sparen. Gleichzeitig verbessert sich die Behandlungsqualität. Ärzte und Gesundheitspersonal werden in ihren Entscheidungen unterstützt und abgesichert. Patienten profitieren von dieser sicheren Entscheidungsgrundlage für die weitere Behandlung und den schnellen Erkenntnissen anstelle langwieriger Wege von Arzt zu Arzt. Viele Leistungen aus dem Bereich der Labordiagnostik werden von den Krankenkassen erstattet.

Broschüre zum Download: www.austromed.org