iToilet: Sturzprophylaxe am WC

Studien haben gezeigt, dass fast 25 % der hochaltrigen Menschen angeben, dass sie bei der Nutzung der Toilette Angst vor Stürzen oder anderen Zwischenfällen haben. Mehr als 50 % bestätigen, dass sie zumindest manchmal längere Ausflüge vermeiden, um nicht eine meist unpassende Toilette nutzen zu müssen. Für hochaltrige Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität kann damit die Standardtoilette ein schwerwiegendes Hindernis darstellen.

iToilet unterstützt aktives Leben

iToilet greift die Bedürfnisse hochaltriger oder physisch beeinträchtigter Menschen bei der Nutzung einer Toilette auf. Dazu wird eine automatisierte, unterstützende Toilette entworfen, die sich an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpasst. Gleichzeitig berücksichtigt das Projekt auch die Bedürfnisse von Betreuungspersonen. Ein in der Höhe und Neigung verstellbares Toilettenmodul dient als Basis für neu hinzugefügte Verbesserungen und Dienste wie zum Beispiel die Steuerung per Sprache, die automatische Erkennung von und Anpassung an Vorlieben der Nutzer bereits beim Betreten des WCs, die Erkennung von potenziell gefährlichen Situationen und andere Funktionen wie etwa die Anbindung an die Pflegedokumentation.
iToilet verfolgt einen konsequent nutzerzentrierten Ansatz und beinhaltet eine kontinuierliche ethische Überprüfung und Überwachung. Endanwender sind von Beginn an zur Ermittlung der Nutzeranforderungen und bei der partizipativen Entwicklung eingebunden. Der Prototyp wird im Labor und im Praxiseinsatz in der CS Caritas Socialis und einer Reha-Einrichtung in Ungarn vier Monate lang mit Beteiligung von mindestens 25 Endanwendern und fünf bis sieben Betreuern pro Einrichtung erprobt.

Entlastung des Personals

Die iToilet bringt Unabhängigkeit der Endanwender und Würde durch die Verbesserung der Körperstabilität beim Sitzen auf der Toilette durch eine individuell einstellbare, optimale Höhe, freie Hände für Griffe, Unterstützung des Niedersetzens und Aufstehens und durch erhöhte Sicherheit durch Notfallerkennung. Für das Personal reduziert sich damit unter anderem auch die physische Belastung beim unterstützten manuellen Transfer. Dies führt zu besserer Arbeitsgesundheit und beugt Haltungsschäden oder Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates vor.
Die Ergebnisse des Projektes werden in etwa zwei Jahren vorliegen. Das Projekt iToilet wird teilweise durch das AAL Programm und durch nationale Institutionen und Forschungsförderungen in Österreich, Ungarn, Italien und Slowenien gefördert.n

http://itoilet-project.eu
AutorIn: Dipl.-Ing. Paul Panek

Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien (AAT), Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung, Technische Universität Wien


MP 04|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-09-14