SGLT-2-Inhibitoren zur Verzögerung der Niereninsuffizienz

 

Hintergrund: Gerade für Diabetespatienten ist die Wirkung dieser Substanzklasse auf die Nierenfunktion von klinischer Bedeutung. Hinzu kommt, dass SGLT2i in vielen Ländern bei einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) < 45 ml/min/1,73 m² nicht zugelassen sind, da ihre Wirkung maßgeblich von der Nierenfunktion abhängt. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, den Effekt auf die Nierenfunktion bzw. die Effektgröße in den vorhandenen klinischen Studien bei unterschiedlich guter Nierenfunktion (unterschieden nach eGFR und Albuminurie) für verschiedene Vertreter der Substanzklasse nachzuweisen.

Methoden: Diese Metaanalyse untersuchte die Ergebnisse von vier randomisierten klinischen Studien, bei denen jeweils ein SGLT2i mit Placebo verglichen wurde: Empagliflozin (EMPA-REG OUTCOME), Canagliflozin (CANVAS und CREDENCE) und Dapagliflozin (DECLARE-TIMI 58). Insgesamt wurden somit Daten von 38.723 Patienten zusammengefasst bzw. neu evaluiert.
Der primäre, kombinierte Endpunkt dieser Untersuchung setzte sich aus den Parametern chronische Dialyse, Nierentransplantation und renaler Tod zusammen. Darüber hinaus wurden weitere renale Outcomes definiert.
Zusätzlich wurden die Patientendaten nach unterschiedlichen eGFR-, UACR-(Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient-)Werten bzw. vorhandener RAAS-(Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-)Hemmung stratifiziert und der Effekt der SGLT2i zwischen den so entstandenen Gruppen wurde untersucht.

Ergebnisse: Wie die Abbildung demonstriert, zeigt sich für alle untersuchten Endpunkte ein Vorteil der SGLT2i gegenüber Placebo. Für die untersuchten Endpunkte ergeben sich Reduktionen des relativen Risikos um 25–42 %. Insgesamt zeigten sich bei keinem der definierten Endpunkte statistisch signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen.
Die in einer vorangegangenen Metaanalyse dokumentierte abgeschwächte Wirkung der SGLT2i bei eingeschränkter Nierenfunktion zeigte sich zwar auch in dieser Arbeit, allerdings erreichen auch Patienten mit einer eGFR < 45 ml/min/1,73 m² eine Risikoreduktion von 30 % (bei eGFR > 90: Risikoreduktion von 63 %).

 

 

Schlussfolgerungen

  • Die Ergebnisse dieser Analyse belegen eine renoprotektive Wirkung der SGLT2i.
  • Die routinemäßige Gabe von SGLT2i sollte daher bei Diabetespatienten mit hohem Risiko für eine progressive Nierenerkrankung erfolgen.
  • Zusätzlich ist angesichts der relativen Risikoreduktion von etwa 30 % (kombinierter renaler Endpunkt) bei Patienten mit einer eGFR < 45 ml/min/1,73 m² die fehlende Zulassung für SGLT2i in vielen Ländern zu überdenken.
  • SGLT2i haben einen unabhängigen Effekt auf die Nierenfunktion, wirken darüber hinaus kumulativ zu RAAS-Hemmern.
  • Aus den Ergebnissen leiten die Studienautoren einen Bedarf an Studien zu SGLTi bei Patienten mit einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² ab. Zusätzlich wäre ihre Wirkung im Vergleich zu anderen Antidiabetika (z. B. Inkretinmimetika) von Interesse, die ebenfalls einen positiven Effekt auf die Nierenfunktion gezeigt haben.
Quelle: Neuen BL et al., Lancet Diabetes Endocrinol 2019; 7: 845–54
AutorIn: Dr. Sebastian Pokorny

DF 05|2019

Herausgeber: Österreichische Diabetes Gesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner
Publikationsdatum: 2019-11-12