Geburtenregister Österreich: Entwicklungen 2008–2017

Organisatorisch ist das Geburtenregister Österreich (GRÖ) dem Institut für klinische Epidemiologie (IET) untergeordnet, welches wiederum Teil des Landesinstituts für Integrierte Versorgung (LIV) der Tirol Kliniken GmbH ist. Leiter des GRÖ ist Herr Mag. Hermann Leitner, Leiterin des IET Frau Mag. Irmgard Delmarko.
Das GRÖ hat sich aus dem Geburtenregister Tirol, welches zwischen 1998–2000 entstanden ist, entwickelt. Das GRÖ umfasste im Jahr 2008 96 % aller geburtshilflichen Abteilungen Österreichs, seit dem Jahr 2010 sind alle inkludiert. Die Teilnahme am GRÖ ist freiwillig. Mit jeder stationären Einrichtung wurde ein Vertrag abgeschlossen, der die Datenübermittlung, Auswertung etc. regelt. Die Datenübermittlung an das GRÖ erfolgt ausschließlich in pseudonymisierter Form.
Der wissenschaftliche Beirat des GRÖ besteht aus 18 Personen, die unterschiedliche Bereiche verkörpern (Universitätskliniken, Österreichisches Hebammengremium, Perinatologische Gesellschaft, Neonatologie und Pädiatrie, Privatkrankenhäuser, Krankenhäuser der Bundesländer, IET).
Auswertungen werden in aggregierter anonymisierter Form erstellt und sind bei österreichweiten Auswertungen durch den Fachbeirat, bei Abteilungsauswertungen durch den jeweiligen Abteilungsvorstand genehmigungspflichtig.
Die Erhebung der Daten in den einzelnen geburtshilflichen Kliniken/Abteilungen erfolgt über die jeweilige Routinesoftware im Kreißsaal. Einmal jährlich wird gemeinsam mit den Abteilungen die Vollzähligkeit der Meldungen (Vergleich mit dem jeweiligen Geburtenbuch der Abteilung) sowie­ die Validität der Datensätze überprüft. Fehlende, fehlerhafte und/oder unplausible Werte werden ermittelt, nachrecherchiert und gegebenenfalls nachgetragen und korrigiert. Im Ergebnis liegt eine Datenbank mit überprüften und plausiblen Werten hoher Qualität vor.

Vergleich eigene Abteilung vs. andere Abteilungen

Jede Abteilung erhält 3-mal pro Jahr eine Auswertung über ca. 40 geburtshilfliche Parameter. Dabei sind die Werte der eigenen Abteilung sowie die der unterschiedlichen Versorgungsstufen nach ÖSG 2017 (8 Perinatalzentren, 7 Schwerpunkt-A-, 19 Schwerpunkt-B-Abteilungen und 46 Abteilungen mit Grundversorgung) dargestellt. Dies erlaubt der jeweiligen Abteilung einen Vergleich mit Gesamtösterreich wie auch mit den Krankenhäusern der eigenen bzw. auch anderen Versorgungsstufen (siehe Beispiel in Tab. 2). Abteilungsergebnisse sind nur der jeweiligen Abteilung bekannt.

 

 

Strukturierte Qualitätsverbesserung

Seit 2010 werden Qualitätsindikatoren (Tab. 1) ausgewertet. Qualitätsindikatoren sind Parameter, die geeignet sind, die Qualität für geburtshilfliche Ereignisse zu messen. Sie wurden vom Fachbeirat festgelegt und werden auch immer wieder unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf ihre Eignung geprüft. Abteilungen, bei denen das GRÖ mindestens zwei Auffälligkeiten bei den Qualitätsindikatoren festgestellt hat, werden vom GRÖ um schriftliche Stellungnahmen gebeten. Die Stellungnahmen werden von einem Qualitätsgremium beurteilt, kommentiert und sodann den Abteilungen rückübermittelt. Gegebenenfalls können so entsprechende Veränderungen an den Abteilungen durchgeführt werden, welche künftig die Einhaltung der Qualitätsindikatoren ermöglicht. Bedeutsam ist, dass die Kommunikation mit den betreffenden Abteilungen ausschließlich über das GRÖ erfolgt und die Abteilung gegenüber Dritten absolut anonym bleibt. Dies erzeugt ein Klima des Vertrauens, in dem es möglich ist, sehr offen, konstruktiv und ergebnisorientiert zu arbeiten. Die Qualitätsansprüche sind in der Geburtshilfe besonders hoch und dieses Instrument ist geeignet, die Qualität weiter hoch zu halten bzw. sogar zu verbessern.

 

 

Entwicklungen 2008–2017: Aus­züge aus dem Jahresbericht 2017

Im jeweiligen Jahresbericht sind ca. 50 Variablen in Tabellen und Grafiken dargestellt.

Jahresberichte und Publikationen sind unter www.iet.at abrufbar.

Im Jahr 2017 (siehe Abb. 1 und 2) wurden in den österreichischen Spitälern insgesamt 87.666 Geburten von 86.290 Frauen betreut. Im Jahresbericht des Geburtenregisters Österreich können Entwicklungen ab dem Geburtsjahr 2008 dargestellt werden. Es wurden ca. 50 Variable des Geburtsjahres 2017 in Tabellen und Grafiken dargestellt, aufgeteilt nach Versorgungsstufen.

 

AutorIn: Mag. Hermann Leitner

Leiter Geburtenregister Österreich, Prothesenregister Tirol; Institut für klinische Epidemiologie, Teil des Landes­instituts für Integrierte Versorgung der tirol kliniken


GA 03|2019

Herausgeber: em. o. Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Wien
Publikationsdatum: 2019-06-13