Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie (GfV)

Aktuelle SARS-CoV-2-Mutation

Die Gesellschaft für Virologie (GfV) e.V. hat sich zur Ausbreitung der neuen mutierten SARS-CoV-2-Varianten geäußert.

Die 1990 gegründete Gesellschaft für Virologie (GfV) e.V. mit Sitz in Erlangen ist die größte virologische Fachgesellschaft in Europa mit über 1.100 Mitgliedern vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die rasche Ausbreitung einer neuen SARS-CoV-2 Variante in England, die sich hinsichtlich ihres Genoms deutlich von bisher zirkulierenden Varianten unterscheidet, wirft die Frage auf, ob diese Variante auch in anderen Ländern aufgetreten ist.

Sequenzierung von SARS-CoV-2 in Deutschland

Wie die Gesellschaft für Virologie (GfV) in der Aussendung vom 23.12. mitteilt, hat das Konsiliarlabor für Coronaviren gegenwärtig 834 Genomsequenzen von SARS-CoV-2 aus allen Teilen Deutschlands analysiert (1), ohne dabei auf die neue Variante gestoßen zu sein. Über 1.400 Genomsequenzen und über 500 Teilsequenzen wurden in verschiedenen virologischen Instituten bestimmt. Auch dabei konnte die neue SARS-CoV-2 Variante nicht nachgewiesen werden.

Betont wird, dass die Sequenzierung gesamter Virusgenome und die bioinformatische Auswertung zeitaufwendige Prozesse sind, so dass aktuelle Geschehnisse nur unzureichend erfasst werden und alle vorhandenen Daten immer nur eine Momentaufnahme darstellen würden. Derzeit werde an der Entwicklung von PCR-Verfahren zum spezifischen Nachweis der neuen SARS-CoV-2 Variante gearbeitet, um die Verbreitung bzw. Ausbreitung dieser Variante gezielt und durch die Testung großer Probenzahlen effizient erfassen zu können.

Risikoeinschätzung des ECDC

Nach einer vorläufigen Risikoeinschätzung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) weist die neue Variante möglicherweise eine bis zu 70% höhere Übertragungsrate auf als bisher zirkulierende SARS-CoV-2 Varianten (2). Diese Schätzung muss jedoch in weiteren Untersuchungen überprüft werden. Die GfV weist ferner darauf hin, dass eine raschere Ausbreitung des SARS-CoV-2 nicht notwendigerweise mit schwereren Krankheitsverläufen einhergehen muss. Sie macht aber nochmals deutlich, dass die Einhaltung von Hygienemaßnahmen dringlich geboten ist. Gleichzeitig zeigt das Auftreten dieser Virusvariante, dass die Bemühungen um eine systematische molekulare Surveillance  dringend verstärkt werden sollte.

(Red/shi)

  1. https://civnb.info/sequences/ (Stand 22.12.2020)
  2. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/threat-assessment-brief-rapid-increase-sars-cov-2-variant-united-kingdom (abgerufen am 22.12.2020)

Quelle: 

Gesellschaft für Virologie (GfV):  Vorstand: Prof. Dr. Ralf Bartenschlager (Universitätsklinikum Heidelberg), Prof. Dr. Thomas Stamminger (Universitätsklinikum Ulm), Prof. Dr. Ulf Dittmer (Universitätsklinikum Essen), Prof. Dr. Sandra Ciesek (Universitätsklinikum Frankfurt), Prof. Dr. Klaus Überla (Universitätsklinikum Erlangen); unter Beteiligung von: Prof. Dr. Hartmut Hengel (Universitätsklinikum Freiburg)