Molekularbiologische Eckdaten der neuen Virus-Varianten

Die entscheidenden Mutationen von B1.1.7 und B.1.351

  • Welche sind die entscheidenden Mutationen der neuen Virus-Varianten B1.1.7 und B.1.351 ?
  • Die Gesellschaft für Virologie (GfV) e.V.1 hat in einer Stellungnahme zur molekularen Surveillance die entscheidenden Mutationen der neuen Virus-Varianten beschrieben.


Steckbrief der Virus-Variante B1.1.7

Die Virus-Variante B1.1.7 ist auch unter der Bezeichnung VOC 202012/01 bekannt (VOC steht für für variant of concern). Es finden sich 8 Mutationen, die zu Aminosäureaustauschen im Spikeprotein (S) des SARS-CoV-2 Virus führen, die möglicherweise eine Veränderung der biologischen Eigenschaften von S mit sich bringen. Ein wichtiger Aminosäureaustausch findet sich in der Rezeptorbindungsstelle von S an Position 501 (N501Y). Diese Mutation könnte alleine oder in Kombination mit anderen Mutationen zu einer erhöhten Bindefähigkeit an den humanen Rezeptor ACE-2 führen.2

Für eine weitere Mutation, eine Deletion, die zum Verlust der Aminosäuren an den Positionen 69 und 70 führt, wurde in einer Vorveröffentlichung eine Erhöhung der Infektiosität des Virus in Zellkulturen gezeigt.3

Steckbrief der Virus-Variante B.1.351

Die Variante B.1.351, die in Südafrika nachgewiesen wurde, enthält ebenfalls 8 Mutationen, die zu Aminosäureaustauschen in im Spikeprotein (S) von SARS-CoV-2 führen. Zwei dieser Mutationen befinden sich im Rezeptorbindemotiv (E484K und N501Y).4

Erste Studien legen nahe, dass diese Mutationen nur einen sehr geringen Effekt auf die Neutralisation durch Antikörper, die in Folge einer Impfung mit einer mRNA-Vakzine entstehen, haben. Allerdings scheinen diese Mutationen die Bindung von einigen Antikörpern, die für die Therapie entwickelt werden, zu beeinträchtigen. 5,6
(Red/shi)

Quelle: Gesellschaft für Virologie (GfV):  Vorstand: Prof. Dr. Ralf Bartenschlager (Universitätsklinikum Heidelberg), Prof. Dr. Thomas Stamminger (Universitätsklinikum Ulm), Prof. Dr. Ulf Dittmer (Universitätsklinikum Essen), Prof. Dr. Sandra Ciesek (Universitätsklinikum Frankfurt), Prof. Dr. Klaus Überla (Universitätsklinikum Erlangen); unter Beteiligung von: Prof. Dr. Hartmut Hengel (Universitätsklinikum Freiburg)

1             Die 1990 gegründete Gesellschaft für Virologie (GfV) e.V. mit Sitz in Erlangen ist die größte virologische Fachgesellschaft in Europa mit über 1.100 Mitgliedern vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
2             Zahradník et al.: 2021: doi: https://doi.org/10.1101/2021.01.06.425392 
3             Kemp et al., 2021: doi: https://doi.org/10.1101/2020.12.14.422555
4              Tegally et al., 2020: doi: https://doi.org/10.1101/2020.12.21.20248640
5              Starr et al., 2020: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.11.30.405472v1
6              Wang et al., 2021: doi: https://doi.org/10.1101/2021.01.15.426911